Robert Ramcke – Ortsgruppenleiter der NSDAP 1932 – 1933

22. Februar 1933
Pinneberger Straße 20, Quickborn
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Robert Ramcke wurde am 17. Mai 1906 in Quickborn geboren und betrieb als Landwirt den von seinem Vater übernommenen Bauernhof in der Pinneberger Straße Nr. 20.1 Mit 23 Jahren wurde er Anfang 1930 mit der Mitglieds-Nummer 180376 in die NSDAP aufgenommen.2 Seine Beweggründe des Beitritts in die NSDAP reduzierte Ramcke wie viele andere Nationalsozialisten im Entnazifizierungsverfahren in der Nachkriegszeit auf soziale Aspekte: „Ich bin der Partei beigetreten, weil die wirtschaftliche Lage für uns Bauern in den Jahren 1931 – 1933 so katastrophal war, dass wir keinen Ausweg mehr sahen. Für die Milch bekamen wir 8 oder 9 Pfg. Dementsprechend lagen die Preise für die übrigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Die Folge war, dass die meisten Betriebe sehr grosse Not litten und ein Hof nach dem anderen zur Zwangsversteigerung kam.3 1932 übernahm er als junger Mann von dem Geflügelzüchter Walter Ohlweiler das Amt des Ortsgruppenführers der NSDAP Quickborn4, das er jedoch kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Februar 1933 an den Zahnarzt Karl Schäffer wieder abgab. Das Quickborn-Hasloher Tageblatt berichtete über die Beweggründe: „Herr Ramcke, der sich um das Gedeihen der Ortsgruppe große Verdienste erworben hat, wurde durch die Uebernahme des Hofes seines Vaters zu diesem Schritt gezwungen. Die Verwaltung des Hofes nimmt in der heutigen Zeit seine ganze Kraft in Anspruch, wodurch es ihm unmöglich gemacht ist, die vielen schriftlichen und sonstigen Arbeiten als Ortsgruppenleiter zu erledigen.5

1933 kandidierte er für die „Nationale Einheitsliste“ zur Kommunalwahl6 und wurde im März 1933 von der Gemeindevertretung zum stellvertretenden Gemeindevorsteher bestimmt.7 In diesem Amt sollte er aber nicht lange bleiben. Ursächlich hierfür war eine Parteiversammlung der NSDAP am 31. März 1933, auf der Ramcke gegen die „Bonzen und Cliquenwirtschaft“ im Ort agitierte.8 Gemeint waren hiermit Amtsträger, insbesondere der Gemeindevorsteher Dölling, die auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten noch in ihren Funktionen blieben. Er erreichte unter den Nationalsozialisten die Annahme eines Antrags, wonach dem Gemeindevorsteher aufgrund der finanziellen Notlage der Gemeinde die Bezüge zu kürzen seien.9 Für andere führende Nationalsozialisten ging das forsche Vorgehen ihres „Parteigenossen“ zu weit. Sie führten in einem Schreiben vom 30.07.1933 hierzu aus: „Unser Pg. Ramcke hat sich in der kurzen Zeit seiner Tätigkeit in Widerspruch gesetzt zu allen Mitgliedern unserer Fraktion. Eine Zusammenarbeit würde uns nur Schaden bringen und liegt nicht im Interesse der Partei. Dazu kommt seine gehässige Einstellung zum Gemeindevorsteher, mit dem Ramcke nie gemeinschaftlich arbeiten wird. Dieser Zustand ist für unsere Partei und auch für die Gemeinde untragbar. Um unliebsame Zwischenfälle zu vermeiden und ein reibungsloses Arbeiten der Fraktion innerhalb der Gemeindevertretung zu gewährleisten, ist die Entfernung des Pg. Ramcke dringens erforderlich.10 Robert Ramcke nahm anschließend keine führenden Positionen mehr ein, blieb aber weiterhin Mitglied der NSDAP. In seinem Entnazifizierungsverfahren nutzte er diesen Vorgang, um sich als Nazigegner dazustellen. So schrieb er in der Nachkriegszeit: „Sehr bald stellte ich allerdings fest, dass ich mich in allen Erwartungen schwer getäuscht sah. (…) Der Einzelne war gar nichts, sondern nur ein willenloses Werkzeug in der Hand übergeordneter Führer. Dazu sah ich sehr bald, dass eine grenzenlose Bonzen- und Cliquenwirtschaft auftrat. Es war also genau das Gegenteil eingetreten von dem, was man uns vor 1933 so schön und vielversprechend erzählt hatte. Auf einer Parteiversammlung im April 1933 im Holsteinischen Hof in Quickborn ergriff ich deshalb öffentlich das Wort und machte in dieser Versammlung meine Bedenken öffentlich geltend. (…) Ich war vorher bereits zum stellvertretenden Bürgermeister ausersehen worden. Nachdem ich aber so offen meine Kritik kundgetan hatte, war ich selbstverständlich für die Partei nicht mehr tragbar und wurde daher nur noch als Parteigenosse geduldet.11 Der Lehrer Max Frauen, selbst ehemaliges NSDAP-Mitglied, stellte Robert Ramcke noch ein deutlicheren „Persilschein“ aus: „Mir ist im einzelnen bekannt, dass Herr Ramcke vor der Machtübernahme durch die NSDAP. zwar auf Seiten des Nationalsozialismus stand, dass er aber schon bald nach der Machtergreifung ein überzeugter Gegner der nationalsozialistischen Weltanschauung wurde. Herr Ramcke ist zweifellos zu dieser Gegnerschaft nicht nur aus politischen Erwägungen, sondern auch aus religiösen Gründen geführt worden, da er einem betont christlichen Hause entstammte und selbst überzeugter Christ ist.12 In einem Schreiben an den Landrat vom 27.08.1933 äußerte sich Ramcke hinsichtlich seiner Absetzung als stellvertretender Gemeindevorsteher jedoch noch ganz anders: „Die Verfügung Ihrerseits ist für mich in der Öffentlichkeit von Quickborn eine Ehrenangelegenheit und da ich mir privat noch politisch nicht der geringsten Verfehlung bewusst bin, habe ich als deutscher Volksgenosse und alter Nationalsozialist doch wohl zum mindesten das Recht die Begründung der Absage zu erfahren.13
Robert Ramcke starb 1969 mit 63 Jahren.

Fußnoten

  1. Heimat-Adressbuch 1959.
  2. Bundesarchiv Berlin, Mitgliederkartei Ortsgruppen, BDC R0048.
  3. Landesarchiv Schleswig-Holstein (LASH), Abt. 460,9 Nr.255.
  4. Pinneberger Tageblatt (PT), 27.12.1932.
  5. Quickborn-Hasloher Tageblatt, 23.02.1933.
  6. PT, 27.02.1933.
  7. PT, 03.04.1933.
  8. LASH, Abt. 460,9 Nr. 255.
  9. Der Antrag wurde am 25.04.1933 in die Gemeindevertretung eingereicht und hier an die Finanzkommission weitergeleitet. Tatsächlich hatte dann der Gemeindevorsteher Dölling ab April bis September 1933 monatlich 100 RM von seinem Gehalt der Gemeindekasse überweisen. Staatsarchiv Quickborn, Protokoll der Gemeindevertreter (ab 13.05.1927).
  10. Stadtarchiv Quickborn, Gemeindevertretung Personalien 1898-1939.
  11. LASH, 460,9/255.
  12. LASH, 460,9/255.
  13. LASH, 320.12/69F.

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