Gegen das Vergessen – Stolpersteine in Elmshorn (Teil 2)

9 Haltepunkte | ca. Gesamtlänge 14,2 km (Teil 1: 7 km, Teil: 7,2 km) Kilometer

»Dieser Rundgang ist als Farradtour geeignet und gliedert sich in zwei Teile. Er beginnt an der Informationstafel "Erinnern für die Zukunft" vor der Kirche am Alten Markt und endet am Mahnmal für die Opfer der NS-Herrschaft am Rathaus in der Schulstraße.«

Stolpersteine gegen das Vergessen“ nennt der Kölner Künstler Gunter Demnig sein Projekt konkreter Erinnerungsarbeit. Er schlug vor, mit Tausenden von Steinen an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, sowie Männer und Frauen des Widerstandes, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer des Faschismus zu erinnern. Die 10×10 cm großen Steine tragen eine Messingtafel mit der Inschrift: „HIER WOHNTE…“, sowie Daten und Ort des Todes. Dieses Kunstprojekt ist inzwischen in über 500 Orten Deutschlands, ebenso in Österreich, Ungarn und in den Niederlanden realisiert worden.

Seit dem Jahre 2007 wurden in Elmshorn 25 Stolpersteine gelegt. Auch in anderen Orten des Kreises gibt es dieses Projekt des Erinnerns für Menschen, die während des Faschismus verfolgt und ermordet wurden. Mit großer Teilnahme gerade auch jüngerer Menschen finden die Verlegungen zusammen mit dem Künstler statt. Patenschaften übernehmen Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und Einzelpersonen, Schülerinnen und Schüler. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“; sagt Gunter Demnig. Die Stolpersteine sind ein sich ausbreitendes Kunstwerk im öffentlichen Raum, das ohne die Initiative von Menschen nicht wachsen und geschützt werden kann.

Einen Überblick liefert die Webseite der Arbeitsgemeinschaft Gegen das Vergessen – Stolpersteine in Elmshorn www.stolpersteine-elmshorn.de sowie die Informationstafel „Erinnern für die Zukunft“ vor der Kirche am Alten Markt.

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AStolpersteine für zwei Spanienkämpfer: Ludwig Otto und Emil Seemann

Einleitung

„Unglücklich das Land, das Helden nötig hat“ (Bertolt Brecht)

In den 1930er Jahren war Spanien ein Land das Helden nötig hatte. Nach dem Putsch General Francos machten sich Menschen aus ganz Europa auf den Weg nach Spanien, um an der Seite der spanischen Republikaner für Freiheit zu kämpfen.

In diesem Kampf wurden viele durch ihren Einsatz gegen den Faschismus zu Helden, doch Anerkennung wurde ihnen wenig entgegen gebracht und ihr Freiheitskampf vielerorts vergessen und verschwiegen.

In unserer Arbeit für den Geschichtswettbewerb geht es um zwei Männer aus Elmshorn in Schleswig-Holstein, die sich entschlossen, am spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) teilzunehmen.

Im Laufe des letzten halben Jahres haben wir versucht, die Biographien der beiden zu rekonstruieren und uns ein Bild über ihre Beweggründe, sich an einem „fremden“ Krieg zu beteiligen, zu machen.

Unser Ziel war es, den Heldenbegriff in Bezug auf Spanienkämpfer im Allgemeinen und den Elmshornern im Speziellen zu ergründen und zu erklären.

Wir hoffen, dass in dieser Ausarbeitung unser Interesse an diesem Thema deutlich wird und dass beim Lesen vielleicht auch Interesse für diesen vielerorts vergessenden Krieg in Spanien geweckt wird.

 

Geschichtliche Einordnung

Europa in den 1930er Jahren und der Spanische Bürgerkrieg

Zu Beginn der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war der europäische Kontinent politisch und gesellschaftlich vielerorts unruhig. In Deutschland und Italien waren mit Hitler 1933 und Mussolini 1922 totalitäre Herrscher an die Macht gelangt, die durch Terror, Verfolgung und Unterdrückung alle demokratischen Strukturen in diesen Ländern ausgeschaltet hatten.

So gehörten die dreißiger Jahre auch „zu den konfliktreichsten Perioden der neueren spanischen Geschichte. (1) In Spanien gab es bereits seit einigen Jahren soziale Unruhen, und die 1931 demokratisch gewählte Regierung der Zweiten Republik war nicht in der Lage, die gesellschaftlichen Probleme zu bewältigen, und die anfängliche Begeisterung der Bevölkerung für die neue Republik legte sich rasch.

Die verschiedensten Gruppierungen verlangten Reformen für das Land: Die unter zumeist ärmlichsten Verhältnissen lebenden Land- und Industriearbeiter strebten zum Teil radikale gesellschaftliche Umbrüche an; so hatten die kommunistischen und anarchistischen Organisationen großen Zulauf.

Die katholische Kirche weigerte sich, ihre kulturelle Vormachtsstellung und damit ihre wirtschaftliche Machtposition aufzugeben, obgleich viele Bürger dieses forderten, um der Institution, welche hauptsächlich als „Verfechterin“ der Inquisition gesehen wurde, Einhalt zu gebieten.

Zudem hatten sich im Baskenland und in Katalonien massive Unabhängigkeitsbewegungen entwickelt, und die Spanische Armee war als „Staat im Staate“ nicht absolut von der Regierung kontrolliert (2).

Am 17. Juli 1936 begann nach einem Militäraufstand in Marokko der Putsch gegen die spanische Regierung. Da sich viele der Offiziere und Unteroffiziere für den Kampf auf Seiten der Putschisten entschieden, waren die Truppen der Regierung stark geschwächt, doch sie konnten die Einnahme der Provinzen Madrid, Valencia und Barcelona zunächst verhindern. (3) In diesen Regionen befand sich die Mehrheit der Industrieanlagen, und auch der größere Teil der spanischen Bevölkerung war dort beheimatet.

Doch statt den Putsch als gescheitert zu betrachten, begann ein bis 1939 dauernder Bürgerkrieg zwischen den von den Generälen Mola, Queipo de Llano und Franco geführten Truppen und den Republikanern.

Der Spanische Bürgerkrieg war kein Bürgerkrieg im eigentlichen, „klassischen“ Sinne. Beide Parteien erhielten unmittelbar nach dem Ausbruch des Krieges Unterstützung aus dem Ausland, und somit wurde aus dem Spanischen Bürgerkrieg bald ein Schauplatz europäischer Auseinandersetzungen. „Zwischen 1936 und 1939 wurde Spanien zur Propagandaplattform der Ideologien und zum Truppenübungsplatz ausländischer, vor allem faschistischer Waffensysteme. (5)

Francos Armee wurde von Italien und Deutschland mit modernster Waffentechnologie ausgerüstet, und besonders deutsche Flugzeuge, die „Legion Condor“, machten 1936 das Übersetzen spanisch-marokkanischer Putschisten auf die Iberische Halbinsel möglich. (6) Hitler und Mussolini sahen ihre Beteiligung an diesem Bürgerkrieg als notwendig an, um das erneute Erstarken einer weiteren demokratischen Macht auf dem Kontinent zu verhindern. Besonders aber von Hitler ist auch bekannt, dass er auf den spanischen Schlachtfeldern deutsche Waffen zum Einsatz bringen wollte, um ihr Kriegstauglichkeit zu prüfen. Er verstand die Initiative in Spanien also auch als „Probe“ für den geplanten Großkrieg in Europa.

Die Unterstützer der demokratisch, republikanischen Regierung kämpften im Gegensatz dazu mit relativ veralteten Waffen. Sie wurden mit Munition und Gerät nur von der UdSSR unterstützt, da die anderen Mächte Europas sich nicht einmischen konnten oder wollten. Die Regierungstruppen erhielten aber wesentliche Unterstützung durch Freiwillige aus dem Ausland. Diese Internationalen Brigaden bestanden aus überzeugten Kommunisten, Anarchisten und Antifaschisten aus ganz Europa. Die größte Gruppe waren Franzosen, doch auch etwa 5000 Deutsche reihten sich in diese Bataillone ein.

Über die Hälfe der insgesamt etwa 60.000 Interbrigadisten (8) fielen im Laufe des Bürgerkrieges, und obwohl die Internationalen Brigaden bereits im Herbst 1936 in die Kämpfe eingriffen und die gegnerischen Truppen einige Male zurückschlagen konnten, zum Beispiel bei der Schlacht von Guadalajara im März 19379, konnte Francos Armee Madrid im Frühjahr 1939 einnehmen und den Krieg als gewonnen und beendet erklären. (l0)

Noch vor der Einnahme Madrids erkannten Großbritannien und Frankreich das Franco-Regime am 27. Februar 1939 als neue spanische Regierung an. Die Diktatur General Francos blieb bis 1977 bestehen.

 

Biographien

Zwei Mitglieder der Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg waren die beiden Elmshorner Emil Seemann und Ludwig Otto. Sie machten sich bereits im Jahre 1936 auf den Weg nach Spanien, um gegen die Truppen General Francos zu kämpfen.

Emil Seemann

Als Quelle dienten uns bei der Erforschung der Biographie Seemanns Unterlagen aus dem Landesarchiv Schleswig. Bei diesen Unterlagen handelt es sich um Entschädigungsanträge der geschieden Ehefrau von Emil Seemann und deren Sohn, welche sie unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg 1946 an den Sonderhilfsausschuss des Landkreises Pinneberg stellten. (12,13) Die schriftlichen Ausführungen Martha Seemanns sind die einzigen in Schleswig-Holstein und Hamburg auffindbaren Dokumente, welche das Leben Emil Seemanns dokumentieren. Uns war während der Bearbeitung dieser Quelle die Subjektivität der Darstellung von Frau Seemann bewusst, aber wir sind der Meinung, dass für sie kein Grund bestand, bei den Erläuterungen für den Sonderhilfsausschuss die Unwahrheit niederzuschreiben.

Emil Seemann wurde am 8. Oktober 1900 in Süderau im Landkreis Steinburg, Schleswig-Holstein, geboren. Nachdem er die Volksschule in Süderau besucht hatte, wurde er Werftarbeiter in Elmshorn.

Am 25. September 1926 heiratete Emil Seemann seine Frau Martha, geborene Sek, in Elmshorn. Die Ehe blieb kinderlos. Emil Seemann adoptierte mit der Heirat den 1921 unehelich geborenen Sohn seiner Frau.

Emil Seemann war schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ein aktives Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Bis 1936 übte er vermutlich die Tätigkeit des Schatzmeisters der Ortsgruppe Elmshorn aus.

Wegen seiner Mitgliedschaft in einer von den Nationalsozialisten verbotenen Partei wurde Emil Seemann am 19. Dezember 1934 von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Hamburg mit 300 weiteren antifaschistischen Aktivisten aus Elmshorn und Umgebung verhaftet. Als Grund der Verhaftung wurde die Teilnahme an der Widerstandsarbeit angeben. Wegen des Versuches, im Gestapo- Gefängnis eine Widerstandsgruppe zu organisieren, wurde er ins Konzentrationslager Esterwegen, westlich von Bremen, überführt.

Wegen Überfüllung der KZs Esterwegen und Fuhlsbüttel wurde Emil Seemann am 29. August 1935 aus der Haft entlassen. Unter der Auflage regelmäßig bei der Polizeidienststelle Elmshorn vorstellig zu werden, lebte er bei seiner Familie bis zum Sommer 1936. Sein Verhandlungstermin wegen Hochverrats war für dem 25. Juni 1936 anberaumt worden. Den Angaben Martha Seemanns zufolge beschloss Emil Seemann direkt nach der Haftentlassung, seinen Gerichtstermin nicht wahrzunehmen.

Mit einem Freund, Ludwig Otto aus der Ortsgruppe der KPD in Elmshorn plante er, noch vor dem anberaumten Verhandlungstermin aus Elmshorn beziehungsweise Deutschland zu fliehen. Beide wollten sich den Internationalen Brigaden in Holland anschließen, um aktiv am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen.

Am Abend des 20. Juni 1936 verließ Emil Seemann zusammen mit Ludwig Otto auf Fahrrädern Elmshorn in Richtung Nordsee. Vermutlich aus Brunsbüttel setzten sie ihre Flucht mit dem Schiff fort.

Vor seiner Flucht richtete Emil Seemann für Benachrichtigungen an seine Frau eine Deckadresse in Elmshorn ein. Über diese Deckadresse erhielt Martha Seemann die Nachricht über die erfolgreiche Ankunft in den Niederlanden. Um den Verdacht der Mithilfe von seiner Frau abzulenken, schickte Emil Seemann außerdem eine Postkarte an die Wohnadresse seiner Frau. Martha Seemann sollte mit dieser beweisen können, dass sie von seiner Flucht nichts gewusst hatte. Im Text entschuldigte er sich für seine Flucht und schreibt, er hätte ihr von seinen Plänen erzählen sollen. Die Gestapo stellte daraufhin die Ermittlungen gegen Martha Seemann ein. Diese „offene“ Postkarte war das letzte Lebenszeichen von Emil Seemann persönlich.

Im Dezember 1936 erhielt Martha Seemann einen Brief von Ludwig Otto. Dieser berichtete, dass Emil Seemann am 20. November 1936 im Park Casa del Campo in Madrid gefallen war.

 

Ludwig Otto

Als Quellen dienten uns bei der Erforschung der Biographie von Ludwig Otto Unterlagen und Bildmaterial von der Gestapo Hamburg. Außerdem gibt eine mit dem 29. Dezember 1936 datierte Kader-Akte 14 Auskunft über die Einschätzung Ludwig Ottos von Seiten der KPD. Diese Unterlagen sind im Staatsarchiv Berlin einzusehen. Des Weiteren ergeben sich Einzelheiten aus dem Antragsprozess Martha Seemanns.

 

Ludwig Heinrich Otto wurde am 26. September 1909 in Marburg an der Lahn geboren. Sein Vater arbeitete bei der Reichsbahn und war Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Von 1915 bis 1923 besuchte Ludwig Otto die Volksschule in Marburg. Bis 1926 machte er eine kaufmännische Lehre in einer Speditionsfirma. Wegen Mangels an Arbeit wurde er 1928 entlassen und machte sich im Mai 1930 auf Wanderschaft. Er fand in Hamburg keine Arbeit und zog daher im Frühjahr 1931 weiter nach Elmshorn.

Hier heiratete Ludwig Otto am 18. Juli 1932 und wurde wenig später Vater einer Tochter.

 

Auch in Elmshorn war er weiterhin erwerbslos. Als er kurzzeitig Hilfsarbeiter in einer Weberei wurde, kam er bei Streiks in Kontakt mit der Arbeiterbewegung.

Im Jahre 1931 war er Mitglied im Textilarbeiterverband, konnte jedoch die Mitgliedsbeiträge nicht zahlen und musste wieder austreten.

1932 trat Ludwig Otto der Roten Hilfe bei. Kurz vor der Machtergreifung Hitlers wurde er außerdem Mitglied der KPD. Ludwig Otto hatte vor 1933 keine Funktion in diesen Organisationen.

Zum ersten Mal wurde Ludwig Otto am 2. Juni 1933 verhaftet, da er sich „unvorsichtig geäußert“ (16) hatte. Nach einem Aufenthalt auf einem Gut, welches zur „Besserung“ von Antifaschisten gedacht war, wurde Ludwig Otto im Spätsommer wieder entlassen.

Im Januar 1934 wurde Ludwig Otto Kassierer der Roten Hilfe in Elmshorn. Außerdem soll Ludwig Otto Flugblätter für diese Organisation verteilt haben.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1934 wurde Ludwig Otto zum Verhör nach Hamburg gebracht. Bei einer Gegenüberstellung identifizierte ihn ein Bekannter.

Am vierten Abend seiner Verhörung wurde Ludwig Otto nach Fuhlsbüttel überführt. Hier blieb er 5 Wochen in Einzelhaft und wurde mehrfach misshandelt. Erst nachdem Ludwig Otto seine Mitgliedschaft gestand, wurde er am 20. Oktober 1935 aus der Haft entlassen. Seine Gerichtsverhandlung sollte am 25. Juli 1936 stattfinden. Ludwig Otto floh am Abend des 20. Juli 1936 zusammen mit Emil Seemann nach Amsterdam.

Hier schloss er sich den Internationalen Brigaden an.

Über seinen Verleib im Spanischen Bürgerkrieg gibt es keine exakten Informationen. Ludwig Otto wurde anscheinend im März 1937 nochmals in den Niederlanden verhaftet. (17) Von wem und warum bleibt ungeklärt.

Bekannt ist, dass Ludwig Otto am 12. Mai 1940 in Louviere (Belgien) von französischen Soldaten wegen Verdachts auf Spionage erschossen wurde.

Internationale Meinungen zum Heldentum der Spanienkämpfer

Die Geschichte der Internationalen Brigaden wird von Land zu Land und vorm Hintergrund der jeweiligen Nachkriegsgeschichte unterschiedlich interpretiert und bewertet. Ideologische Standpunkte beeinflussten die Analyse seit dem 2. Weltkrieg in erheblichem Maße.

In der UdSSR waren Spanienkämpfer nach dem Spanischen Bürgerkrieg Idole und Helden. Es besteht allerdings ein Kontrast zwischen dem Bild, welches die Regime / Führungen von den Kämpfen in Spanien verbreitete und dem, was mit einigen russischen Spanienkämpfern im stalinistischen Russland passierte: Von den eigentlich als Helden gefeierten Spanienkämpfern fielen einige Veteranen des Bürgerkriegs „stalinistischen Säuberungen“ zum Opfer. Bei diesen Opfern des Stalin-Regimes handelte es sich um Kommunisten, die sich nicht den Vorgaben der Regierung uneingeschränkt fügen wollten.

Dieses dunkle Kapitel der so genannten „Genossenmorde“ wird bis heute nicht ausführlich in der russischen Geschichtsschreibung behandelt. (18)

Ähnlich widersprüchlich war der Umgang mit dem Gedenken an den Spanischen Bürgerkrieg auch in der DDR. „Da unter den Interbrigadisten die KPD-Mitglieder eine beträchtliche Mehrheit stellten, zogen […] viele von ihnen nach Kriegsende in die sowjetische Besatzungszone und wählten die spätere DDR als ihre Heimat“. (19) Die Spanienkämpfer spielten in der DDR eine wichtige Rolle. Viele von ihnen waren bedeutend in Partei und Staat sowie in Kultur und Öffentlichkeit. Als Inhaber staatlicher Positionen sind hierbei die Namen Franz Dahlem, Wilhelm Zaisser, Erich Mielke, Richard Staimer und Heinz Hoffmann zu nennen. In Literatur, Presse, Musik und Öffentlichkeit waren besonders Ludwig Renn, Bodo Uhse, Willi Bredel, Erich Weinert und der Sänger Ernst Busch bedeutend.

Beginn und Ende des spanischen Bürgerkrieges waren in der DDR Anlass zu regelmäßigen Gedenkveranstaltungen.

Außerdem wurden Straßen, Plätze, Betriebe und sogar Kriegsschiffe nach Spanienkämpfern benannt. Die Auswahl für solche Ehrungen war genauso wie bei der Vergabe der 1956 eingeführten „Hans – Beimler – Medaille` willkürlich.

So wurden bevorzugt ehemalige Spanienkämpfer geehrt, die der Linie der SED-Führung entsprachen.

Kapitel des Spanischen Bürgerkrieges, die nicht in die Ideologie der DDR passten, wurden komplett in der Geschichtsschreibung der DDR ausgelassen. Ein Beispiel hierfür ist, dass die Auseinandersetzungen zwischen den verschieden kommunistischen und anarchistischen Gruppen in Spanien keine Erwähnung finden. (21)

 

In der Bundesrepublik fanden Spanienkämpfer deutlich weniger, beziehungsweise keine Anerkennung.

So zeigten schon die Behörden der „jungen“ Bundesrepublik Anfang der fünfziger Jahre kein besonderes Interesse für das Schicksal der Spanienkämpfer und deren Familien, wie auch anhand des Entschädigungsprozesses der Witwe Emil Seemanns deutlich wird. Nach jahrelangem Rechtstreit wurde ihr das Recht auf Entschädigung für „Schaden am Leben der Familie eines politischen Verfolgten“ der Nationalsozialisten nicht anerkannt. Emil Seemann wurde trotz Gefängnisaufenthalts in Nazi-Gefängnissen und Flucht ins Ausland nicht als Opfer des Nationalsozialismus eingestuft. (22)

Im Gegensatz dazu steht, dass Familienangehörige von Mitgliedern der Legion Condor Entschädigungszahlungen durch die Bundesrepublik erhielten und Veteranen oftmals staatliche Unterstützung zukam. (23)

Die Geschichte der Interbrigadisten und des Bürgerkrieges an sich ist in den Schulbüchern der BRD von den sechziger Jahren bis heute kaum erwähnt. Lehrerhandbücher (24) zeigen zwar, dass die Möglichkeit besteht, das Thema zu unterrichten, dennoch ist es in keinem Lehrplan vorgesehen.

Uns stellt sich die Frage, warum dieses Thema im Gegensatz zum Beispiel zur Französischen Revolution nicht ausführlicher besprochen werden kann. Da der Spanische Bürgerkrieg eine bedeutende Rolle für den weiteren Verlauf der europäischen Geschichte spielte und sich in Spanien deutlich mehr ereignete als die Vernichtung der Stadt Guernica, sollte es Schülern in Deutschland leichter gemacht werden, mehr über dieses Thema zu erfahren.

Aufarbeitung und Gedenken findet in der Bundesrepublik bis heute hauptsächlich durch politisch linke Organisationen, wie zum Beispiel die „Gemeinschaft ehemaliger Republikanischer Spanienkämpfer in Deutschland“ und die „Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik“, statt.

Die Aufarbeitung im wiedervereinigten Deutschland nimmt aber in den letzten Jahren stetig zu. Die Auswahl an Literatur zum Spanischen Bürgerkrieg in deutscher Sprache hat enorm zugenommen und durch wachsende Zusammenarbeit mit spanischen Organisationen und Historikern wächst die Zahl an Büchern, so dass immer mehr Informationen zugänglich gemacht werden.

In dem Land des eigentlichen Kriegsschauplatzes, Spanien, war die Aufarbeitung der Geschehnisse erst nach dem Ende des Franco-Regimes möglich. Vom Spanischen Bürgerkrieg „existierte bis heute in der spanischen Öffentlichkeit nur das Zerrbild, das die Propaganda der Sieger entworfen hatte“, schrieb der «Spiegel» am l0. November 1980 zur Eröffnung der ersten großen Ausstellung über den Bürgerkrieg nach dem Zerfall der Franco – Diktatur. In der Zeit zwischen den Jahren 1939 bis 1975 konnte keine vollständige Aufklärung stattfinden, da alles, „was nicht in dieses Bild (25) passte, […] verboten, verfolgt, verdrängt, in den Untergrund verbannt“ wurde.

Die Aufarbeitung in Spanien fand zunächst nur in historisch, wissenschaftlichen Kreisen statt.

In der Bevölkerung wurden die Greueltaten und die Ungerechtigkeiten des Bürgerkrieges vergessen und ignoriert. „Im Sommer 1983 sahen drei Viertel aller Befragten im Bürgerkrieg eine beschämende Epoche, die am besten verdrängt werden sollte“. (26) Erst seit Ende der neunziger Jahre findet das Schlagwort „Wiedergewinnung der historischen Erinnerung“ (27) immer mehr Zustimmung.

Durch die Aufarbeitung kommt es in den letzten Jahren wieder zu einer Polarisierung der spanischen Öffentlichkeit. Republikaner und Demokraten finden genauso wie Anhänger nationalistischer Parteien ihre Helden und Idole wieder in Akteuren des Bürgerkrieges.

Festzuhalten ist, dass jedes Land, das in irgendeiner Form am Spanischen Bürgerkrieg beteiligt war – sei es auf Seiten der Republikaner oder der Faschisten – unterschiedlich an die Aufarbeitung und somit auch an das Heldentum der Interbrigadisten herangeht. Im heutigen zum Glück grundsätzlich demokratischen Europa hat sich die Betrachtung der einstmals „gottlosen Kommunisten im Spanischen Bürgerkrieg“ zum Positiven verändert. Es wird salonfähig, die Interbrigadisten auch als Helden des Kampfes für Freiheit und Demokratie zu sehen.

So wurden zum Beispiel in der Schweiz im Dezember 2008 einige nach dem Bürgerkrieg als Kriegsverbrecher verurteilte Interbrigadisten rehabilitiert, da die Mehrheit des Nationalrates der Begründung zustimmte, wonach die Spanienkämpfer ihre Ehre für Demokratie und Freiheit eingelegt hätten. (28)

 

Persönliche Gedanken zum „Heldentum“ Emils Seemanns und Ludwig Ottos sowie der

Interbrigadisten im Allgemeinen

Durch unsere Arbeit an dem Thema der Interbrigadisten im Spanischen Bürgerkrieg, und hierbei insbesondere durch die Beschäftigung mit dem Schicksal von Emil Seemann und Ludwig Otto, hat sich für uns als grundsätzlich herauskristallisiert, dass wir Bewunderung für ihren Kampf aus Überzeugung empfinden. Es ist in der bisherigen Geschichte eine Besonderheit, dass viele Menschen in einen Krieg zogen, der eigentlich nichts direkt mit ihrem persönlichen Leben zu tun hatte.

In unserem Verständnis sind alle Unterstützer der Zweiten Spanischen Republik als Helden anzusehen, da sie in einer Zeit, in der Freiheit und Demokratie in Europa bedroht waren, für diese Werte kämpften und auch ihren eigenen Tod in diesem Kampf in Kauf nahmen. Zwar haben diese Menschen auch Waffen benutzt und andere getötet, dennoch hatten sie nicht wie Hitler und Franco nur die Macht im Sinne, sondern sie wollten für Gleichheit und Gerechtigkeit kämpfen. Dies entschuldigt keinesfalls alle Greueltaten, lässt sie aber auf Grund ihrer Intention zu Helden werden.

Zu Beginn unsere Arbeit wussten wir so gut wie nichts über den Spanischen Bürgerkrieg und seine Bedeutung in der europäischen Geschichte, deshalb glauben wir sagen zu können, dass unsere Herangehensweise an die Thematik relativ neutral war.

Uns ist aufgefallen und wir finden es schade, dass die Spanienkämpfer während der vergangenen siebzig Jahre zu einem „Spielball“ der Ideologien gemacht wurden.

Auch heute findet man Informationen meist nur bei linken Organisationen, was sich einerseits aus der Natur der Sache erklärt, aber wiederum möglicherweise einen anderen Teil der Bevölkerung abschreckt, sich mit diesem Thema näher zu befassen.

Wir hoffen, dass durch die gerade in Spanien einsetzende Aufklärungswelle der Spanische Bürgerkrieg wieder in das Bewusstsein der heutigen Gesellschaft in Europa rückt. Durch die Beschäftigung mit dieser Thematik kann jeder viel erfahren über Schuld und Unmenschlichkeit, Überzeugung und Heldentum.

1 siehe Walther L. Bemecker, Spanische Geschichte: vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München (Beck) 1999, Seite 84

2 Jens Hülsen/ Björn Mamau/ Dr. Thomas Pusch/ Christoph Schaumann, Artikelserie: Schleswig-Holsteiner im Spanischen Bürgerkrieg, „Gegenwind“, Nr. 94, Juli 1996, Teil 1

3 Walther L. Bernecker/ Horst Pietschmann, Geschichte Spaniens: von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart (Kohlhammer) 1993, Seite 312

4 Walther L. Bernecker, Spanische Geschichte: vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München (Beck) 1999, Seite 92

5 Walther L. Bernecker/ Horst Pietschmann, Geschichte Spaniens: von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart (Kohlhammer) 1993, Seite 311

6 Dietrich Schwanitz, Bildung: Alles, was man wissen muss, Augsburg (Weltbild) 2004, Seite 282f.

7 Website des Deutschen Historischen Museums: http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/aussenpolitik/condor/index.html, 21. Februar 2009

8 Jens Hülsen/ Björn Marnau/ Dr. Thomas Pusch/ Christoph Schaumann, Artikelserie: Schleswig-Holsteiner im Spanischen Bürgerkrieg, „Gegenwind“, Nr. 97, Oktober 1996

9 Walther L. Bernecker/ Horst Pietschmann, Geschichte Spaniens: von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart (Kohlhammer) 1993, Seite 314

10 Walther L. Bernecker/ Horst Pietschmann, Geschichte Spaniens: von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart (Kohlhammer) 1993, Seite 315

11 Walther L. Bernecker, Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg, München (Beck) 1997, Seite 225

12 siehe Anhang 1

13 Gerichtsakte Sonderhilfsausschuss Kreis Pinneberg/Martha Seemann, geb. Sek, damaliges AZ. HR

14 Pol. 22716146)

15 siehe Anhang 4 und 5

16 Fahndungsfoto der Gestapo Hamburg, 1934 entstanden

17 Kaderakte der KPD-Ortsgruppe Elmshorn, Beurteilung Ludwig Otto „siehe Anhang 6

18 Während des Spanischen Bürgkrieges und in der UdSSR kam es zu Übergriffen seitens Moskautreuer Stalinisten auf Andersdenkende, z. B. Trotzkisten und Anarchisten.

19 Patrik von zur Mühlen, Spanien war ihre Hoffnung: Die deutsche Linke im Spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939. Bonn(Dietz) 1985, Seite 307

20 Hans Beimler (2. Juli 1895-1. Dez. 1936) war Reichstagabgeordneter der KPD und Mitglied des .Thälmann-Bataillons“ der XI. Internationalen Brigade im Spanischen Bürgerkrieg. Die H.-B.-Medaille wurde ab 1956 in der DDR an Mitglieder der Internationalen Brigaden verliehen:

21 Patrik von zur Mühlen, Spanien war ihre Hoffnung: Die deutsche Linke im Spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939. Bonn(Dietz) 1985

22 Gerichtsakte Sonderhilfsausschuss Kreis Pinneberg/Martha Seemann, geb. Sek, damaliges AZ. HR 14 Pol. 227/6/46, siehe außerdem Anhang 1 bis 3

23 Georg Gruber, http://www.dradio.deldirlsendungen/kalender/2833101, B. Juli 2004, gelesen am 20. Februar 2009

24 Spiegel der Zeiten Band 4, Frankfurt am Main (Diesterweg) 1971, Seite 142 ff.

25 Die „nationale Bewegung“ des Generals Franco wurde in der Propaganda als Kreuzzug gegen die Gottlosen verherrlicht.

26 Walther L. Bernecker, Krieg in Spanien 1936-1939, Darmstadt (Primus Verlag) 1997

27 Carlos Collado Seidel, Der Spanische Bürgerkrieg: Geschichte eines europäischen Konflikts, München (6eck) 2006, Seite 201

28 www.nachrichten.ch — Zeitung im Internet, St. Gallen, 2. Dezember 2008, gelesen am 20. Februar 2009

 

Finja Huckfeldt und Ann-Kathrin Mohr

 

 

 

BStolperstein für Wilhelm Peetz

Wilhelm (Otto) Peetz

geboren: 25.02.1892 (Gut) Birkenmoor

gestorben: 03.10.1935 „Krankenhaus Sögel“ – laut Akte!

Misshandelt und an den Folgen verstorben

KPD Mitglied

Verhaftungsgrund: „Vorbereitung zum Hochverrat“

Wilhelm Peetz war Mitglied der KPD und beteiligte sich aktiv am Antifaschistischen Widerstand in Elmshorn und Umgebung, so auch weiterhin im Jahre 1933, als die KPD auch in die Verbotsstrategie der NSDAP fiel.

Zur Vorbereitung auf die „Offenborn-Prozesse“ verhaftete die Hamburger Staatspolizei im Zeitraum vom 04. bis zum 18.Dezember 1934 bei Großrazzien im Raum Elmshorn und Umgebung ca. 220 KommunistInnen unter ihnen auch Wilhelm Peetz, welcher hin und wieder in der Klaus-Groth Promenade, bei seinem Bruder Hermann Peetz, Unterschlupf gefunden hat.

Zuerst wurde Wilhelm Peetz in eine Sammelstelle in Elmshorn inhaftiert, kurz darauf kam er in das Gefängnis KolaFu in Fuhlsbüttel Hamburg. Schlussendlich wurde er in das Konzentrationslager Esterwegen deportiert, welches im Zeitraum 1933/34 als „staatliches Konzentrationslager, von 1934-36 als „SS-Konzentrationslager“ und von 1937-1945 als „Strafgefangenlager“ galt.

Als im August 1935 die inhaftierten AntifaschistInnen aus Esterwegen in das Untersuchungsgefängnis nach Hamburg gebracht wurden und dort ihre Anklageschriften vom Generalstaatsanwalt beim Kammergericht Berlin (zuständig für alle Hochverrats-Verfahren) einsehen konnten, konnte Wilhelm Peetz nicht dorthin „transportiert“ werden, da er immer wieder durch die SS misshandelt wurde und aufgrund seiner Verletzungen nicht „transportfähig“ war.

Am 3.Oktober 1935 erlag Wilhelm Peetz seinen Verletzungen.

Eintragungen aus dem Sterberegister in Sögel besagen: „verstorben im Krankenhaus Sögel“. Diese Eintragungen wurden damals oft und gerne in die Akte „eingepflegt“.

Richtig ist:„Totgeschlagen im KZ Esterwegen“.

 

Literatur: Herbert Diercks, Fritz Bringmann „Die Freiheit lebt! Antifaschistischer Widerstand und Naziterror in Elmshorn und Umgebung 1933-1945

Eingestellt von: Rudi Arendt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CAdele Elsa Stoppelmann

Erinnert werden soll hier an die Familie Stoppelmann. An die Mutter, Adele-Elsa und an Hans Daniel, jüngster Sohn dieser fünfköpfigen Elmshorner Familie, die dem jüdischen
Glauben angehörte. Geboren am 30. Oktober 1912, lebte er zusammen mit seinen beiden Brüdern Richard (geboren am 22. Februar 1910) und Max Heinz (geboren
am 24. Januar 1908) sowie seinen Eltern.
Die Eltern, Vater Julius Stoppelmann, geboren 1874 im holländischen Belingwolde und Mutter Adele Elsa, geb. Vogel, bewohnten anfangs mit ihren Kindern ein Haus in der
Gärtnerstraße. Hans Daniel Stoppelmann ging, so ein Zeugnis aus dem Jahre 1927, auf die nahe gelegene Bismarckschule. Sie wurde derzeit als „städtisches Realgymnasium mit
Realschule“ geführt. In einer Schulklasse (eine U-IIa) dieses Jahrganges, das belegt dieses Dokument, lernten zwischen 34 und 38 Schülerinnen und Schüler in einem
Raum. Sein Bruder Max-Heinz hatte zu dem Zeitpunkt schon seine achtjährige Schulzeit an der Bismarckschule (1917 bis 1925) absolviert.
Auch die Familie Stoppelmann geriet zusehends in die Ausgrenzungs- und Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Die Familie zog noch um. Von der
Gärtnerstraße in die heutige Norderstraße, damals Schlageterstraße, in das Haus Nr. 28. Sie wohnte damit unweit des Parteilokals der NSDAP, Stüben und des Café Koch. Hier
kamen regelmäßig dienstags die örtlichen Schläger von SA und SS zusammen.
Im Jahr 1936 starb der Vater im Alter von 62 Jahren an Herzversagen. Er war in seinem Leben Viehhändler gewesen. Seine Arbeitsstätte befand sich am Flamweg 7.
Julius Stoppelmann gehörte noch zur Generation der Teilnehmer des 1. Weltkrieges. Mit ihm verlor die jüdische Gemeinde einen aktiven Gläubigen – er fungierte
als Deputierter der Elmshorner Glaubensgemeinschaft in den Jahren 1929 bis 1932 – und Elmshorn verlor ein Mitglied und einen Ehrenförderer der Elmshorner
Männer- und Turnvereinigung (EMTV).
Der Tod des Vaters bedeutet einen tiefen Einschnitt für die übrige Familie. Die „Arisierung“ von Mietgrundstück, Stallgebäude und Weidegrund durch die Nazis
raubte ihnen die Existenzgrundlage. Und dann kommt die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938.
In Elmshorn wird das alte SA-Kampflied „Hallo, die Synagoge brennt“ grausame Wirklichkeit: SA-Männer haben von der nahe gelegenen Tankstelle Benzin zum jüdischen
Gotteshaus am Flamweg geschleppt und das Gebäude in Brand gesteckt. Erst als das Zerstörungswerk vollbracht ist, wird die Feuerwehr alarmiert.
Die Mutter und ihre Söhne (Hans Daniel war zwischenzeitlich auch in Kiel gemeldet) emigrieren noch einen Monat später – am 12. Dezember 1938 – nach Assen/Holland, wohl
zu Verwandten des verstorbenen Vaters.
Hans Daniel Stoppelmann und seine Mutter, Adele Elsa Stoppelmann, werden 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Die Mutter wird kurz nach der
Ankunft am 26.10.1942 dort ermordet. Für das Ende in der Gaskammer gibt es keine persönlichen Zeichen. Durch Nachforschungen vor Ort in der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem ist auch das Todesdatum von Hans Daniel Stoppelmann bekannt. Es ist der 30.6.1944.
Dennoch gab es Überlebende der Familie Stoppelmann. Richard Stoppelmann emigrierte am 22.10.1939 mit dem Schiff „Statendam“ von Rotterdam nach New York.
Ziel der zehntägigen Überfahrt: die 1440 4th Str. Des Moines in Iowa/USA, die Wohnung des zuvor schon emigrierten Bruders Max- Heinz.
:
Quellen für Hans-Daniel und Adele Elsa Stoppelmann
G. Paul/M. Gillis Carlebach: Menora und Hakenkreuz zur Geschichte der Juden in und aus Schleswig-Holstein, Lübeck und Altona, Seite 713;

Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der NS-Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 bis 1945, Bundesarchiv Koblenz 1986 und

Stadtarchiv Elmshorn,

Schularchiv der Bismarckschule,

H.Diercks/F.Bringmann, „Die Freiheit lebt“, Seite 24,

Gedenkstätte Yad Vashem/Israel,

Liste von Opfern aus den Niederlanden,

Erich Koch/Schleswig,
Center of Research on Dutch Jewry,

Harald Kirschninck/Elmshorn.
Patin für Hans-Daniel Stoppelmann ist die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Elmshorn
Patin für Adele-Elsa Stoppelmann ist die Jüdische Gemeinde Elmshorn

Autoren: Von Rudi Arendt und Maren Josephi

Bearbeitet durch: Harald Kirschninck

 

Weitergehende Literatur:

Literatur:

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn. 1685-1918. Band 1. Norderstedt 2005.

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn. 1918-1945. Band 2. Norderstedt 2005.

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil 1. Diskriminierung.Verfolgung. Vernichtung. in: Stadt Elmshorn (Hrsg.):

Beiträge zur Elmshorner Geschichte. Band 9. Elmshorn 1996.

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil 2. Isolierung. Assimilierung. Emanzipation. in: Stadt Elmshorn (Hrsg.):

Beiträge zur Elmshorner Geschichte. Band 12. Elmshorn 1999.

DStolperstein Albert Hirsch

Albert Hirsch, Selbstmord nach Deportationsbescheid, Friedhof Hamburg Ohlsdorf, 1.12.1941

Albert Hirsch wurde am 24. September 1878 in Mogilno (Posen) geboren. Seine Eltern waren Fleischermeister Wilhelm Hirsch und
Ernstine, geb. Baszynska. Albert heiratete am 15. November 1919 in Elmshorn seine Frau Gertrud, geb. Schmerl. Gertrud war
Witwe und brachte ihren Sohn Horst mit in die Ehe. Albert und Gertrud bekamen am 16. Oktober 1920 einen gemeinsamen Sohn, den sie
Heinz-Walter nannten. Die Familie Hirsch wohnte in der Lornsenstr. 35. Albert Hirsch war der Besitzer der Konservenfabrik Hirsch
am Gerlingsweg. Im Israelitischen Kalender von 1926/27 erschien folgende Anzeige:
„Gemüse- und Obstkonserven in feinster
Qualität, hergestellt unter Aufsicht des
Oberrabbiner Dr. Carlebach, Altona –
Holsteiner Konservenfabrik Albert Hirsch,
Elmshorn.“
Albert Hirsch war ein sehr angesehener Mitbürger. Er war Ersatzdeputierter und über mehrere Jahre Vorsteher der Elmshorner
Gemeinde. Albert Hirsch war der letzte freigewählte Vorsteher. Mit Beginn des Nationalsozialismus begann auch der
Niedergang der Fabrik und schwere Jahre für die Familie Hirsch. Seit Juni 1935 durfte auf den Geschäftspapieren
der Fabrik nicht mehr das Elmshorner Stadtwappen stehen. Dieses wurde in der Beigeordnetensitzung vom 12.6.1935 beschlossen. 1938 wurde die
Fabrik schließlich “arisiert”, d.h. von einem Nationalsozialisten praktisch enteignet.
Wilhelm Bull, der neue Besitzer, verschickte am 1. August 1938 Briefe, in denen er sich der Kundschaft empfahl. Jetzt prangte auf  dem Briefkopf auch wieder das Elmshorner
Stadtwappen. Am 16. September 1938 verstarb Gertrud Hirsch. Ihr Sohn aus erster Ehe war mittlerweile nach Peru ausgewandert.
Zurück blieben Albert und Heinz Hirsch. Beide wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt.
Sie kamen nach einiger Zeit wieder frei.
Heinz Hirsch wanderte im Februar 1939 ebenfalls wie sein Stiefbruder nach Lima/Peru aus. Dort eröffnete er einen Auto-Importhandel, der sehr erfolgreich war. Er
lebt heute in Florida.

Zurück blieb Albert Hirsch, der letzte Vorsteher der Gemeinde. Die Nationalsozialisten erpressten von ihm noch am 5. September 1940 die Vereinbarung, dass
künftig keine Beisetzungen mehr auf dem jüdischen Friedhof stattfinden sollten, da man beabsichtigte, diesen Friedhof nach einer Übergangsfrist aufzulösen und zu
bebauen.
Zu dieser Zeit wohnten in Elmshorn noch sechs Juden, darunter vier Glaubensjuden.
Im November 1941 erhielt Albert Hirsch seinen Deportationsbescheid nach Riga. Er begab sich am 1. Dezember 1941 auf den jüdischen Teil des Ohlsdorfer Friedhofs, wo
seine Frau Gertrud beerdigt worden war, und erhängte sich um 15.30 Uhr. In den Elmshorner Nachrichten erschien am 4.12.1941 darüber eine kleine Notiz:
„Freiwillig aus dem Leben geschieden ist der
frühere Besitzer der Holsteinischen
Konservenfabrik H. Man fand ihn in einem
Toilettenraum auf dem Ohlsdorfer Friedhof
erhängt auf.“
Pate für Albert Hirsch ist Harald Kirschninck

Autor: Harald Kirschninck

Weiterführende Literatur:

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil I. Diskriminierung, Verfolgung, Vernichtung.  in: Stadt Elmshorn (Hrsg.): Beiträge zur Elmshorner Geschichte, Band 9. Elmshorn 1996.

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn 1918-1945. Band 2.Norderstedt 2005.

 

ERichard Jürgensen – von zwölf Jahren faschistischer Terrorherrschaft zehneinhalb Jahre in Konzentrationslagern und Gefängnissen

Richard Jürgensen wurde am 25. Mai 1901 geboren. Er war von Beruf Schneidergeselle und ein Bruder des Elmshorner Reichstagsabgeordneten Reinhold Jürgensen (KPD).

Richard Jürgensen trat im Jahre 1927 der KPD und der „Roten Hilfe“ (1) bei. 1931 wurde er zum politischen Leiter der „Roten Hilfe” in Elmshorn gewählt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Organisation 159 zahlende Mitglieder. Unter der Führung von Richard Jürgensen erhöhte sich der Mitgliederbestand sehr schnell auf 518 Personen. Als Nebenorganisation der KPD und gleichzeitig als bedeutende Massenorganisation in der Arbeiterbewegung wurde die „Rote Hilfe“ im März 1933 durch die NS-Machthaber verboten.

Trotz der nun sehr erschwerten Bedingungen und unter permanenter persönlicher Gefahr arbeitete Richard Jürgensen in der Illegalität weiter und konnte ungefähr 170 Mitglieder dazu bewegen, weiterhin Beiträge (2) für die Organisation zu zahlen. „Solidarität“, die Zeitung der RHD, wurde unter seiner Verantwortung trotz der Illegalität weiter vertrieben.

Am 15. März 1933 wurde Richard Jürgensen von der Gestapo verhaftet und blieb bis zum 1. April in „Schutzhaft“. Danach kam er bis Ende April ins Krankenhaus. Im September hatte er die Führung der „Roten Hilfe” wieder übernommen. Im Rahmen der Elmshorner Verhaftungswelle im Herbst 1934 wurde Richard Jürgensen am 29. 0ktober zusammen mit seiner Ehefrau Frieda und drei weiteren Mitgliedern der illegalen KPD erneut von der Gestapo verhaftet, bis zum 27. August 1935 in so genannter Schutzhaft eingekerkert und war dann bis zum Beginn des Offenborn-Prozesses A in Untersuchungshaft.

Im Offenborn-Prozess wurde er am 13. Dezember zu acht Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren verurteilt.

Nach Verbüßung der achtjährigen Zuchthausstrafe im Jahre 1942 wurde Richard Jürgensen nicht entlassen, sondern kam als “Schutzhäftling” wieder in ein Konzentrationslager.

Von den zwölf Jahren faschistischer Terrorherrschaft verbrachte Richard Jürgensen zehneinhalb Jahre in ihren Konzentrationslagern und Zuchthäusern. Er starb am 22. März 1945 im „Arbeitserziehungslager“ der Gestapo in Hamburg-Wilhelmsburg durch einen Bombenangriff.

Anmerkungen:

1) Im April 1921 entstanden als Folge der politischen Repressionen nach den Märzkämpfen Rote-Hilfe-Komitees. Am 1. Oktober 1924 wurde die „Rote Hilfe Deutschland” (RHD) gegründet.

Ihr erster Vorsitzender war der spätere erste und einzige Präsident der DDR, Wilhelm Pieck. Ab 1925 übernahm Clara Zetkin die RHD-Leitung. Nach dem Tod Julian Marchlewskis im selben Jahr leitete sie auch die Internationale Roten Hilfe.

Anfangs war die Organisation mit der Kampagne „Rote Hilfe für Opfer des Krieges und der Arbeit” für den Internationalen Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit aktiv. Der Schwerpunkt der Arbeit lag jedoch auf der Unterstützung der inhaftierten Mitglieder des Rotfrontkämpferbundes, der KPD, der SAP, KAP, Gewerkschaftern wie auch Parteilosen und deren Angehörigen. Die RHD wurde von prominenten Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern wie Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky und Albert Einstein unterstützt.

 

Zum Zeitpunkt ihres Verbots im März 1933 hatte die RHD 530.000 Mitglieder, von denen 119.000 der KPD und 15.000 der SPD angehörten.

 

2) Erwerbslose und Frauen bezahlten 0,10 RM und Erwerbstätige 0,40 RM im Monat.

 

Paten für Richard Jürgensen sind

die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) sowie der Religionskurs des 10. Schuljahres der Kooperativen Gesamtschule Elmshorn

(KGSE) mit ihrem Lehrer Michael Noch und den Schülerinnen und Schülern Hanna Brehling, Marius De Marchi, Gesa Derda, Dennis Elfendahl, Nils-Hendrik Hauschildt, Malte Hein, Laura Heißwolf, Beke Jansen, Vanessa Kruse, Jan Kurzweg, Lasse Melcher, Inka Möller, Christoph Otto, Christoph Paasch, Yannik Quast, Mailin Rose, Anton Schopf, Tim Stöhrmann, Sergej Wilhelm.

 

Autor:  Alfred Rasmussen

Eingestellt von: R. Arendt

FJohn Hasenberg

Geboren am 8. Oktober 1892 in Neumünster als eines von sieben Kindern des jüdischen Ehepaares Henny Hasenberg (geb. Lippstadt) und Julius Hasenberg, zog
John Hasenberg gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie nach Elmshorn, wo sein Vater in der Kirchenstraße 40 eine Immobilienfirma betrieb.

John ging von 1902 bis 1909 auf die Bismarckschule und schloss diese mit dem Abschluss des Realgymnasiums ab.
Auch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlebte er hier und zog bald an die Front. Sein Einsatz blieb nicht ohne Konsequenzen – für seine Verdienste wurde er mit dem
Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach dem Ersten Weltkrieg hielt es ihn nicht mehr lange in Elmshorn; im Jahr 1922 zog er nach Hamburg, wo er als Kaufmann in der
Bank von Willi Seligmann am Gänsemarkt 35 arbeitete und unter anderem am Schwanenwik 29 wohnte. Die Blaue Steuerkartei der Jüdischen Gemeinde belegt seinen
Fortgang im Jahre 1927. Auf Hamburg folgte sein letzter deutscher Wohnsitz – Berlin.
Hier heiratete er Gertrud (geb. Meyer), geboren am 28. Oktober 1903 in Berlin. Auch die beiden Kinder des Paares, ein Sohn, 1928 geboren, und die Tochter Irene Hasenberg,
geboren im Jahr 1930, erblickten hier das Licht der Welt.
Zwei Jahre nach der Proklamation der „Nürnberger Rassengesetze” bekam John Hasenberg die Möglichkeit, Deutschland zu verlassen. Die Firma „American Express”
hatte ihm zwei Alternativen geboten: einen Job in Curacao oder in Amsterdam. Mit seiner Frau, seinem neunjährigen Sohn und seiner siebenjährigen Tochter zog John
Hasenberg im Jahr 1937 von Berlin nach Amsterdam, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen.
Als die Nazis im Jahr 1940 in die Niederlande einmarschierten, wurde auch hier das Leben der Familie erheblich erschwert. Die Benutzung der Straßenbahn
war der banale Grund für die erste Inhaftierung der kompletten Familie Hasenberg, aber vorerst hatte sie Glück. Ohne Begründung wurde die Familie wieder
freigelassen. Was blieb, war die Angst. Weil es American Express verboten wurde, Juden zu beschäftigen, verlor John seine Arbeit und arbeitete nun für den “Joodsraad”,
eine von den Nazis eingerichtete Organisation. Seine Aufgabe war es, den durch plötzliche Razzien deportierten Juden ihr Gepäck in die Sammellager nachzuschicken.
John hatte die Erlaubnis, mit einem Team in die Wohnungen der deportierten Juden einzudringen und die benötigten Gepäckstücke zu beschaffen.
Irene Hasenberg sagte in einem Interview im Jahr 1986, dass ihr Vater gehofft hatte, mit der Mitarbeit beim “Joodsraad” anderen Juden zu helfen.

Wie so oft zögerte die Mitarbeit im Joodsraad die Deportation nur hinaus, anstatt sie zu verhindern. Am 23. Juni 1943 kreiste die SS auch das Wohnviertel
der Hasenbergs ein. Irene Hasenberg erinnerte sich, dass es ungefähr um 10 Uhr morgens an einem ungewöhnlich heißen Tag gewesen sein muss, als die SS auch an ihre
Tür klopfte. Der Familie Hasenberg war es noch erlaubt, ein wenig Proviant und anderes Gepäck mitzunehmen, dann wurde sie mit anderen Juden zu Sammelplätzen getrieben und in
Güterwaggons gepfercht. Die Erfahrung, mit zirka 60 anderen Menschen den ganzen Tag in einem Güterwaggon gefangen zu sein, beschreibt Irene Hasenberg als grausam.
Am 23.Juni 1943 erreichte der Zug dann seine Endstation, das Sammellager Westerbork, wo die Familie acht Monate verbringen musste.
Noch in Amsterdam hatte John jedoch über einen Freund von einem Schweden erfahren, der gefälschte Pässe beschaffen konnte.
Auf Johns briefliche Anfrage erhielt die Familie Hasenberg nun aus Schweden vier ecuadorianische Pässe. Wie diese Pässe ihren Weg von Schweden über Amsterdam
bis nach Westerbork gefunden haben, konnte niemand erklären. Fest stand aber, dass die Pässe den Status der Familie Hasenberg entscheidend veränderten.
War ursprünglich die Deportation der Hasenbergs nach Auschwitz vorgesehen, so bewirkte der Nachweis einer nichtdeutschen Staatsbürgerschaft die Streichung der
Familie von der Transportliste. Am 16.Februar 1944 erfolgte die Deportation in das Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo Irene Hasenberg auch Anne Frank kennenlernte.
Die Situation in Bergen-Belsen war wegen der Größe des Camps und der Menge an Menschen, die auf noch kleinerem Raum zusammengepfercht waren, schlimmer als in Westerbork. Mangelernährung, harte Arbeit und, im Falle von John Hasenberg, Prügelstrafen, schwächten besonders Hasenberg und seine Frau. Doch trotzdem erlangte die Familie Hasenberg
aufgrund eines glücklichen Zufalls schließlich die Freiheit. Bei einem Gefangenenaustausch zwischen Amerikanern und Deutschen waren auf deutscher Seite nicht
genügend Amerikaner für den Austausch vorhanden.
Deswegen wählten die Nazis Häftlinge nichtdeutscher Nationalitäten aus, um die geforderte Anzahl zu erreichen. Wegen ihrer gefälschten Pässe gehörten die Hasenbergs
zu den glücklichen Auserwählten, die den Zug Richtung Schweiz besteigen durften. Trotz des unglaublichen Glücks war es für John Hasenberg schon zu spät.
Seine letzte Prügelstrafe hatte ihm bei seiner sowieso schlechten körperlichen Verfassung die letzten Kräfte geraubt. Er starb auf dem Weg in die Freiheit am 23. Januar 1945 bei
Laubheim. Seine Familie zog weiter nach Amerika.

Die Recherchen zu John Hasenberg hat der  Leistungskurs Geschichte des 12. Jahrganges der Elsa-Brändström-Schule Elmshorn unter der Leitung von Doris
Hannig-Wolfsohn in einem Projekt der Referendarin Julia Störzel im Jahr 2007 vorgenommen.
Die folgenden Schüler haben daran mitgearbeitet:
Lisa Arendt, Uwe Dahlke, Pia Heyne, Kerry Howard, Maximilian Jermies, Kevin Klüver, Maria Koch, Martin Krempa, Patrick Meißner Jana Mohr, Franziska Ortlinghaus, Milord
Said, Tanja Schumann, Jessica Vokuhl, Janine Walter, Isabel Werner.
Quellen:
Stadtarchiv Elmshorn; Archiv der
Elmshorner Nachrichten; Staatsarchiv
Hamburg; Interview mit Irene Hasenberg
(www. http://holocaust.umd.umich.edu/
butter/).
Patin für John Hasenberg ist die Elsa-Brändström-Schule

Autor: Maximilian Jermies

Literatur:

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn. 1685-1918. Band 1. Norderstedt 2005.

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn. 1918-1945. Band 2. Norderstedt 2005.

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil 1. Diskriminierung.Verfolgung. Vernichtung. in: Stadt Elmshorn (Hrsg.):

Beiträge zur Elmshorner Geschichte. Band 9. Elmshorn 1996.

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil 2. Isolierung. Assimilierung. Emanzipation. in: Stadt Elmshorn (Hrsg.):

Beiträge zur Elmshorner Geschichte. Band 12. Elmshorn 1999.

 

GGeorg Rosenberg, Kirchenstraße 4, Elmshorn, am 12.2.1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Kirchensstraße 4, Elmshorn

Borgfelder Str. 24, Hamburg bei Dyhrenfurth

Georg Rosenberg, geb. 9.6.1886 in Elmshorn Haft Nov./Dez. 1938 KZ Sachsenhausen
deportiert am 12.2.1943 über Berlin nach Auschwitz

Georg Rosenberg wurde am 9. Juni 1886 in Elmshorn in der Kirchenstraße 4 geboren. Seine Eltern waren Alexander Rosenberg und Amalie, geb. Fürstenberg. Sie gehörten der israelitischen Gemeinde an. Das Wohnhaus lag im Zentrum von Elmshorn, einen Steinwurf von der St. Nikolai Kirche entfernt.
Kirchenstraße 4, 25335 Elmshorn
Peterstraße 28, 25335 Elmshorn

Alexander Rosenberg hatte am 1. September 1883 am Markt in Elmshorn ein Ladengeschäft für Papierwaren eröffnet. Dieses expandierte bald zu einem Papierwarengroßhandel, den er von der Kirchenstraße 4 aus betrieb.

Die Großmutter von Jürgen Wohlenberg, des Verfassers dieses Artikels, arbeitete vom 1. November 1891 bis zum 30. April 1902 als Dienstmädchen bei der Familie Rosenberg. Bei ihrer Heirat mit Johannes Wohlenberg im selben Jahr wurde sie von den Rosenbergs mit einer
kompletten Aussteuer beschenkt.

Alexander Rosenberg war Bürger der Stadt Elmshorn und ein angesehenes Mitglied der israelitischen Gemeinde. Er gehörte dem Elmshorner Männer-Turnverein an, den er nach 1933 wegen seiner Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde verlassen musste.

Die Rosenbergs bekamen am 16. August 1889 einen zweiten Sohn, Friedrich, genannt Fritz. Beide Jungen besuchten das örtliche Gymnasium, die Bismarckschule. Georg heiratete am 8. Juni 1909 Gerda Mendel, die Tochter einer sehr angesehenen jüdischen Elmshorner Familie. Sie bekamen zwei Kinder, Gunther am 1. November 1910 und Edel Ellen am 28. Dezember 1912. Georg war bereits 1906 (lt. Adressbuch der Stadt Elmshorn) als Kaufmann im Geschäft seines Vaters geführt. Vielleicht war das ein Grund, dass sein Bruder Friedrich bereits 1913 mit der „Graf von Waldersee“ in die USA auswanderte. Als Adresse gab er bei seiner Einwanderung auf Ellis Island seinen Cousin Jacob in der Nassau Street in Manhattan an. Friedrich starb (lt. Ancestry.com) im April 1975 in San Antonio, Texas, USA. Alle Bemühungen, Nachkommen in den Staaten zu finden, waren erfolglos.

Die Ehe von Georg und Gerda Rosenberg war nicht von langer Dauer, sie wurde am 25. Februar 1920 geschieden. (Lt. Scheidungsurteil wurde) Georg [wurde] schuldig gesprochen, da das Gericht ein Verhältnis mit seiner späteren zweiten Frau, Irma S., als Scheidungsgrund wertete. Die Tatsache der Scheidung und dass der Scheidungsgrund eine Christin war, dürften ursächlich für den Selbstmord der Mutter kurze Zeit später gewesen sein. Der Vater starb am 12. März 1927 im städtischen Altenheim. Das Grab der beiden ist auf dem jüdischen Friedhof in Elmshorn bis heute erhalten.

Die geschiedene Gerda, die (lt. Scheidungsurteil jetzt) fortan den Namen Rosenberg-Mendel tragen durfte, zog mit ihren Kindern in die Holstenstraße 10 in Elmshorn, wo sie (. Lt. Adressbuch arbeitete) sie als Hand- und Fußpflegerin[arbeitete], während ihr Sohn Gunther als Messe-Steward gemeldet war. Gerda Rosenberg-Mendel intensivierte ihre Gesangs- und Musikstudien und gab Gesangsunterricht. Ihr Lebenslauf ist in dem Online Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS Zeit der Universität Hamburg veröffentlicht (www.lexm.uni-hamburg.de ). Sie übersiedelte 1937 nach Hamburg, nachdem Gunther Rosenberg schon 1936 dorthin gezogen war, und konnte im Juni 1939 zu ihrer Tochter nach England auswandern. Gunther emigrierte im November des Jahres nach Schanghai.

Georg und Irma Rosenberg heirateten am 8. November 1921. Für beide begann danach eine erfolgreiche Zeit, die jedoch nicht lange dauerte. Sie vergrößerten das Geschäft des Vaters, in dem sie u.a. das Gebäude Kirchenstraße 10 hinzu kauften. Am 1. September 1923 beging die Firma Rosenberg ihr 40jähriges Jubiläum. In der „Elmshorner Zeitung“ erschien zu dem Datum ein größerer Artikel, in dem die Großzügigkeit und das Mäzenatentum der Firma für Sport und Kultur der Stadt Elmshorn herausgestrichen wurden. Die Zeitung schrieb von „praktischer Vaterlandsliebe“.

Schon wenig später wendete sich jedoch das Blatt. Scheidung, Beginn der Hyperinflation Anfang der 20er Jahre und einige Steuervergehen führten schließlich zum Konkurs des Papiergroßhandels. Georg Rosenberg wurde zu einer zweimonatigen Gefängnisstrafe wegen Konkursvergehens verurteilt, die jedoch in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurde. Das Grundstück Kirchenstraße 4 wurde im April 1926 zwangsversteigert. Weitere Immobilien musste er verkaufen, andere hatte er schon vor dem Konkurs an seine erste Ehefrau und die beiden Kinder überschrieben.

Die Eheleute (Georg und Irma) Rosenberg zogen nach dem Verlust des Wohnhauses nur einige 100 Meter weiter in eine Mietswohnung in der Peterstraße 28. Irma R. betrieb dort wie auch in der Haupteinkaufsstraße, der Königstraße, ein Handarbeitsgeschäft. Das Geschäft war sehr bekannt und bestand in der Königstraße bis weit in die 70er Jahre. Es wurde zuletzt von dem Sohn Gunther betrieben
Georg Rosenberg half im Geschäft seiner Frau mit und arbeitete außerdem als Handelsvertreter u. a. für eine Elmshorner Margarinefabrik. Für die beiden wurde es nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 neben den wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch politisch sehr viel schwieriger. Bei der großen Boykottaktion der Nazis am 1. April 1933 gegen jüdische Geschäfte wurde der Laden von Irma Rosenberg von SA-Posten belagert und als jüdisches Geschäft gebrandmarkt. Erst die „freiwillige“ Schließung ließ den SA-Mob abziehen.

Wie schwierig die Situation für jüdische Bürger geworden war, zeigt auch die nachfolgende Begebenheit, die als Gerichtsakte im Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig verwahrt wird. Georg Rosenberg war 1936, wie schon des Öfteren, als Handelsvertreter nach Wyk auf Föhr gereist. Er wohnte, wie immer, im Strandhotel bei Frau P. Dort wurde er in den Morgenstunden von einem SA-Mann, dem Sohn der Hotelbesitzerin, und einem weiteren SA-Mann aus dem Hotel geprügelt und dann durch den halben Ort verfolgt. Nachdem Georg Rosenberg die beiden angezeigt hatte, warfen sie ihm vor, den dortigen Kolonialwarenhändler betrogen zu haben. Dafür gab es aber keine Beweise. Georg Rosenberg war sogar in seiner Anzeige bereit, diese zurückzuziehen, wenn die beiden Täter für die Winterhilfe spendeten und seine zusätzlichen Kosten übernehmen würden.
Das Verfahren wurde eingestellt, nachdem aus Elmshorn das polizeiliche Führungszeugnis eingetroffen war. Dieses begann mit den Worten: “Der Kaufmann Georg Rosenberg, wohnhaft in Elmshorn, Peterstraße 28 ist Jude. Der Ruf des Rosenberg ist kein guter.“ Das Schreiben endete: „Im übrigen kann gesagt werden, dass man es bei Rosenberg mit einem typischen Juden mit typisch jüdischem Charakter und Einstellung zu tun hat.“

In dem Führungszeugnis der Elmshorner Polizei wurden auch Irma Rosenberg nebulöse Betrugsvorwürfe gemacht, die jedoch ihrem Mann angelastet wurden. Im November 1938 gehörte Georg Rosenberg zu den Opfern der Reichspogromnacht. Er wurde verhaftet, in das KZ Sachsenhausen verbracht und am 23. Dezember, wie viele andere, aus der Haft entlassen. Die Entlassung war üblicherweise mit der Auflage verbunden, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt das Reichsgebiet zu verlassen. Für Auswanderungspläne Georg Rosenbergs gibt es keine Anhaltspunkte. Er traf am 24. Dezember 1938 in Elmshorn bei seiner Frau in der Peterstraße ein, aber diese ließ ihn nicht mehr in die Wohnung. Die Ehe war zerrüttet.
Ob es der nationalsozialistische Verfolgungsdruck war oder die Tatsache, dass im Juli 1934 ein Karl S. in das Haus Peterstraße 28 einzog, wissen wir nicht, jedenfalls trennte sich Irma Rosenberg von ihrem Mann. Er suchte Hilfe bei der jüdischen Gemeinde und fand Zuflucht bei einem Gemeindemitglied, der Familie des Lederfabrikanten Oppenheim am Flamweg. Der Sohn Rudi Oppenheim, der als 11-jähriger im Februar 1939 mit seiner Familie aus Deutschland flüchtete und heute (2012) mit seiner Familie in den USA lebt, bestätigte dies anlässlich eines Besuches in seiner Heimatstadt.

Edel Ellen Rosenberg, die Tochter von Georg Rosenberg aus erster Ehe, ging als erste aus der Familie nach Hamburg und emigrierte auch als erste. Sie lebte als Haustochter bei Hermine Danziger, geb. Rosenberg, in der Behnstraße. Ob es sich dabei um eine Verwandte handelte, ließ sich nicht ermitteln. Edel Rosenberg verließ Deutschland bereits 1934 mit dem Ziel London, wo sie später ein Fußpflegeinstitut aufbaute.

Das nächste Lebenszeichen von Georg findet sich im Juli 1939 in den „Elmshorner Nachrichten mit der Meldung, dass er wegen des Besitzes von 452,16 Reichsmark verhaftet und der Gestapo übergeben wäre. Er habe das Geld in jüdisch-devisenschieberischer Weise in dem Futter seiner rechten Hosenklappe versteckt.

Welche Konsequenzen dieser Tatbestand hatte, ist nicht bekannt. Georg Rosenberg zog im August 1939 nach Hamburg. Erst ein Jahr später meldete sich Georg Rosenberg beim Jüdischen Religionsverband an und wurde im Juli 1940 beitragspflichtig. Über seine Beweggründe für den Umzug wissen wir nichts. Sicherlich war seine Situation in Elmshorn nach der Flucht der Oppenheims sehr schwierig geworden. Ein Unterschlupf in der doch recht kleinen Stadt Elmshorn war wohl nicht mehr möglich.

Noch war er nicht geschieden und wohnte zunächst zur Untermiete in der Borgfelder Straße 24 bei Mathilde Dyhrenfurth (s. Stolpersteinbroschüre Hamburg-Borgfelde). Offenbar hatte er als Händler ein geringes Einkommen, das jedoch wegfiel, als er 1941 erkrankte er und erwerbslos wurde. Die jüdische Reichsvereinigung stellte ihn daraufhin von der Beitragspflicht frei. Zu dieser Zeit gab Mathilde Dyhrenfurth die Wohnung auf, und Georg Rosenberg zog in die Eimsbütteler Chaussee 45 zu Josef Mayer, der jedoch bereits am 8. November mit seiner Familie nach Minks deportiert wurde.
Nach acht Jahren der Trennung wurde die Ehe von Irma und Georg Rosenberg am 5. Juni 1942 geschieden. Bis dahin hatte die Verbindung als „privilegiert“ gegolten, was einen gewissen Schutz vor Verfolgung, insbesondere vor einer Deportation, bot. Dieser fiel nun weg.
Irma Rosenberg nahm ihren Mädchennamen wieder an und heiratete später Karl S.

Im Zuge der Wohnungszwangsmaßnahmen der Gestapo wurde Georg Rosenberg am 6. Oktober 1942 durch die jüdische Gemeinde in der Beneckestraße 2, ihren eigenen Gemeinderäumen, die nun als „Judenhaus“ dienten, untergebracht.
(Die Beneckestraße gibt es heute nicht mehr. Sie liegt auf dem heutigen Gelände der Universität Hamburg. Diese Adresse war sicherlich nicht mehr selbst bestimmt.)

Georg Rosenberg, inzwischen 56 Jahre alt, wurde zum 12. Februar zum Transport über Berlin „nach dem Osten“ aufgerufen. Es handelte sich um einen kleinen Transport von 22 Hamburger Juden und Jüdinnen, von denen allein zehn aus der Beneckestraße 2 kamen. Sie waren im Alter von sechs bis 60 Jahren. Zu ihnen gehörte auch ein Mitarbeiter der jüdischen Gemeinde mit seiner Familie, Martin Starke, der als einziger diese Deportation, die nach Auschwitz führte, überlebte. Nur bei dreien gab die Gestapo eine Berufsbezeichnung an, darunter Georg Rosenberg mit „Händler“.
Ein Datum von Georg Rosenbergs Ermordung in Auschwitz konnte nicht ermittelt werden. Er wurde in Elmshorn in der Kirchenstraße 4, in der er und seine Familie über 40 Jahre gelebt haben, mit einem Stolperstein geehrt.

Quellen:
Stadtarchiv Elmshorn, Personenstandsregister;
Amtsgericht Elmshorn, Grundbuchamt;
Landesarchiv Schleswig-Holstein/Schleswig;
Staatsarchiv Hamburg, 522-1 Jüdische Gemeinden, 992 b Kultussteuerkartei; 992 e 2 Band 5; 351-11 Amt für Wiedergutmachung, 8590;
Archiv Auschwitz;
Ellis Island, Einwanderungsunterlagen;
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen; ITS Bad Arolsen; Kirschninck, H.,
Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil I. Diskriminierung, Verfolgung, Vernichtung.  in: Stadt Elmshorn (Hrsg.): Beiträge zur Elmshorner Geschichte, Band 9. Elmshorn 1996.
Ancestry.com.

HStolperstein Erich Krämer

Erich Krämer – Biografisches über einen Kommunisten
Widerstandskämpfer gegen die faschistische Diktatur

von Heinz Stehr

Am 16. Juli 1942 erhielt die Familie Erich Krämers dessen Totenschein. Als Todesursache wurde vom behandelnden Arzt, einem SS Untersturmführer, eine Allgemeininfektion angegeben.
14 Tage nach seiner Einweisung in das KZ Sachsenhausen, Sonderkommando Klinkerwerk, war der Leidensweg des Widerstandskämpfers aus Elmshorn brutal beendet worden.
In den Totenscheinen der KZ – Mörder wurden die tatsächlichen Todesursachen, nämlich Mord, natürlich nicht angegeben. So war es auch in diesem Fall. Vernichtung der politischen Gegner durch Sklavenarbeit, Erschlagen, Erschießen und andere Mordtaten war das Ziel der Einrichtung von Konzentrationslagern.

Erich Krämer wurde 42 Jahre alt. In seinen letzten 10 Lebensjahren musste er mehrere Jahre in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern verbringen.

Der Friseur, Arbeiter in der Lederfabrik Metzger und später Schlosser auf der Elmshorner Krämer- werft wird im Buch von Alfred Rasmussen „Elmshorner Arbeiterinnen und Arbeiter im politischen Widerstand“ als ein „eher unauffälliges Mitglied der KPD“ beschrieben. Er war Unterkassierer und spielte in der Elmshorner Schalmeienkapelle.

Nach dem, was bekannt ist, muss er ein überzeugter mutiger Antifaschist gewesen sein.
Am 24. Juli 1932 stellte er sich mit Gleichgesinnten den Nazis entgegen, die in der Ollnstraße, einer kommunistischen Hochburg, Wahlpropaganda betreiben wollten. 14 SS – Männer betätigten sich als Provokateure. Es kam zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung, und die Kommunisten vertrieben die Nazis. Bekannte Kommunisten, unter ihnen Erich Krämer, wurden verhaftet. Nach den vorliegenden Quellen wurde er nicht verurteilt.

Noch vor der Machtübertragung Hindenburgs auf Hitler und die NSDAP gab es Verfolgungen von Antifaschisten. In den Akten des Elmshorner Stadtarchivs ist dokumentiert, dass die Polizei bereits 1923 Listen erstellte, auf denen alle in Elmshorn bekannten Kommunisten mit Namen und Wohnsitz erfasst waren. Das ermöglichte den Nazis nach dem 30. Januar 1933 in einer gezielten Blitzaktion viele Gegner zu verhaften und dann zu foltern oder zu ermorden.

Kulturvereine, Sportvereine, Orchester wie die Schalmeienkapelle Elmshorn wurden verboten, ihres Eigentums beraubt, ihre Mitglieder verfolgt.

Die EN vom 27.3.1933 teilen mit: „Die Instrumente der kommunistischen Schalmeienkapelle beschlagnahmt.“ Es ist zu vermuten, dass auch Erich Krämer zu denen gehörte, über die es in dem Bericht heißt: „Die Elmshorner Polizei fuhr heute Nachmittag mit mit mehreren Autos zu den Mitgliedern der kommunistischen Schalmeienkapelle, um ihre Instrumente zu beschlagnahmen.“

Ende 1934 begannen, ausgehend von Vorwürfen, die von der Hamburger Gestapo gegen Kommunisten erhoben wurden, Massenverhaftungen auch im Kreis Pinneberg und besonders in Elmshorn „wegen Vorbereitung zum Hochverrat resp. sonstiger polit. Umtriebe“ (Verwaltungsbericht der Elmshorner Exekutiv – Polizei vom 1. Juli 1935).

Angeklagt waren in dem Prozess „Offenborn und Genossen“ 286 Personen aus dem Kreis Pinneberg. Einige wenige wurden freigesprochen, zwei Verfahren wurden eingestellt. Insgesamt wurden Strafen von 661 Jahren und 9 Monaten Zuchthaus und 40 Jahre und 3 Monate Gefängnis für 261 Angeklagte verhängt. Unter den Verurteilten waren 17 Frauen. Alle mussten die Strafe oft auch in Konzentrationslagern verbringen. Sie wurden gefoltert, erniedrigt oder wie der KPD Reichstagsabgeordnete Reinhold Jürgensen erschlagen.

Am 3. April 1936 war in den EN unter der Überschrift „Weitere Teilurteile im Elmshorner Kommunistenprozess“ zu lesen, dass auch Erich Krämer zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Angeklagt war er wegen „Vorbereitung einer hochverräterischen Unternehmens“.

Die hohe Zahl der Angeklagten zeigt auch, wie organisiert und wirkungsvoll dieser antifaschistische Widerstand war. Im Buch „Die Freiheit lebt“ (Fritz Bringmann und Herbert Diercks) sind viele Formen dieses Kampfes dokumentiert.

Erich Krämer gehörte zu jenen, die zwischen 1937 und 1939 unter strengen Auflagen z.B. der Meldepflicht aus KZs und Zuchthäusern entlassen wurden.

Stationen seines Martyriums waren die Konzentrationslager Fuhlsbüttel und Esterwegen und das Zuchthaus Rendsburg.
Laut Zeugnis seines Sohnes wurde Erich Krämer erneut verhaftet, weil er sich von dem menschenverachtenden Wirken der SS öffentlich distanzierte. Ein Sondergericht verurteilte ihn am 18. März 1942 nach dem „Heimtückegesetz“ zu 10 Monaten Gefängnis in der Haftanstalt Neumünster. Von dort wurde er als sogenannter Schutzhäftling unter der Nummer 0439 13 in das KZ Sachsenhausen gebracht. Er musste im berüchtigten „Sonderkommando Klinkerwerk“ Sklavenarbeit leisten.

Am 16.7.1942 war sein Leidensweg beendet, der Elmshorner Widerstandskämpfer wurde ermordet.

Sein Andenken mit einem Stolperstein wach zu halten ist eine Verpflichtung:
Auch heute muss jederzeit antifaschistischer Widerstand gelebt werden!

Literatur: Bringmann, Fritz; Diercks, Herbert: Die Freiheit lebt. Antifaschistischer Widerstand und Naziterror in Elmshorn und Umgebung 1933-1945. Frankfurt/.M 1983
Rasmussen, Alfred: Elmshorner Arbeiter und Arbeiterinnen im politischen Widerstand 1914-1935. Beiträge zur Elmshorner Geschichte. Elmshorn 2011

Eingestellt von: Rudi Arendt

ISelma Levi, geb. Löwenstein

Der Vater Moses Löwenstein starb 1924 und brauchte nicht mehr mitzuerleben, dass drei seiner Kinder deportiert und schließlich ermordet wurden.
Die Täter waren Bürger des Landes, für das er, sein Vater und auch seine Söhne in drei Kriegen gekämpft hatten. Alle drei Kinder wurden innerhalb eines Monats im Jahr
1941 deportiert und schließlich ermordet.
John Löwenstein, der jüngste, war im Transport nach Minsk am 8.11.1941, Karl und Selma verschleppte man mit dem Transport am 6.12.1941 nach Riga.
Schon drei Wochen vor dem Transport verschickte die Gestapo Vermögenserklärungen, die die Juden auszufüllen hatten.
Damit man auch alles erfassen konnte, bat man darum „gut leserlich auszufüllen, wenn möglich mit Schreibmaschine“.
Mitnehmen durften die Ausgeplünderten:
„1. Ein Koffer mit Ausrüstungsstücken im Gewicht bis zu 50 kg.
2. Vollständige Bekleidung, möglichst festes Schuhwerk.
3. Bettzeug mit Decke.
4. Verpflegung für 14 Tg. bis 3 Wochen.
5. Bargeld bis zu RM 50,-.“
Was mit dem übrigen Vermögen geschah, wurde in dem Schreiben ebenfalls klargestellt:
„Das Vermögen der für die Evakuierung vorgesehenen Juden ist rückwirkend ab 15.10.41 beschlagnahmt.“

Patin für Selma Levi geb. Löwenstein ist die Frauengeschichtswerkstatt des Industriemuseums Elmshorn

Autor: Harald Kirschninck

Literatur:

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn. 1685-1918. Band 1. Norderstedt 2005.

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn. 1918-1945. Band 2. Norderstedt 2005.

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil 1. Diskriminierung.Verfolgung. Vernichtung. in: Stadt Elmshorn (Hrsg.):

Beiträge zur Elmshorner Geschichte. Band 9. Elmshorn 1996.

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil 2. Isolierung. Assimilierung. Emanzipation. in: Stadt Elmshorn (Hrsg.):

Beiträge zur Elmshorner Geschichte. Band 12. Elmshorn 1999.