Stolperstein Albert Hirsch

1. Dezember 1941
Lornsenstrasse 35, 25335 Elmshorn
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Albert Hirsch, Selbstmord nach Deportationsbescheid, Friedhof Hamburg Ohlsdorf, 1.12.1941

Albert Hirsch wurde am 24. September 1878 in Mogilno (Posen) geboren. Seine Eltern waren Fleischermeister Wilhelm Hirsch und
Ernstine, geb. Baszynska. Albert heiratete am 15. November 1919 in Elmshorn seine Frau Gertrud, geb. Schmerl. Gertrud war
Witwe und brachte ihren Sohn Horst mit in die Ehe. Albert und Gertrud bekamen am 16. Oktober 1920 einen gemeinsamen Sohn, den sie
Heinz-Walter nannten. Die Familie Hirsch wohnte in der Lornsenstr. 35. Albert Hirsch war der Besitzer der Konservenfabrik Hirsch
am Gerlingsweg. Im Israelitischen Kalender von 1926/27 erschien folgende Anzeige:
„Gemüse- und Obstkonserven in feinster
Qualität, hergestellt unter Aufsicht des
Oberrabbiner Dr. Carlebach, Altona –
Holsteiner Konservenfabrik Albert Hirsch,
Elmshorn.“
Albert Hirsch war ein sehr angesehener Mitbürger. Er war Ersatzdeputierter und über mehrere Jahre Vorsteher der Elmshorner
Gemeinde. Albert Hirsch war der letzte freigewählte Vorsteher. Mit Beginn des Nationalsozialismus begann auch der
Niedergang der Fabrik und schwere Jahre für die Familie Hirsch. Seit Juni 1935 durfte auf den Geschäftspapieren
der Fabrik nicht mehr das Elmshorner Stadtwappen stehen. Dieses wurde in der Beigeordnetensitzung vom 12.6.1935 beschlossen. 1938 wurde die
Fabrik schließlich “arisiert”, d.h. von einem Nationalsozialisten praktisch enteignet.
Wilhelm Bull, der neue Besitzer, verschickte am 1. August 1938 Briefe, in denen er sich der Kundschaft empfahl. Jetzt prangte auf  dem Briefkopf auch wieder das Elmshorner
Stadtwappen. Am 16. September 1938 verstarb Gertrud Hirsch. Ihr Sohn aus erster Ehe war mittlerweile nach Peru ausgewandert.
Zurück blieben Albert und Heinz Hirsch. Beide wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt.
Sie kamen nach einiger Zeit wieder frei.
Heinz Hirsch wanderte im Februar 1939 ebenfalls wie sein Stiefbruder nach Lima/Peru aus. Dort eröffnete er einen Auto-Importhandel, der sehr erfolgreich war. Er
lebt heute in Florida.

Zurück blieb Albert Hirsch, der letzte Vorsteher der Gemeinde. Die Nationalsozialisten erpressten von ihm noch am 5. September 1940 die Vereinbarung, dass
künftig keine Beisetzungen mehr auf dem jüdischen Friedhof stattfinden sollten, da man beabsichtigte, diesen Friedhof nach einer Übergangsfrist aufzulösen und zu
bebauen.
Zu dieser Zeit wohnten in Elmshorn noch sechs Juden, darunter vier Glaubensjuden.
Im November 1941 erhielt Albert Hirsch seinen Deportationsbescheid nach Riga. Er begab sich am 1. Dezember 1941 auf den jüdischen Teil des Ohlsdorfer Friedhofs, wo
seine Frau Gertrud beerdigt worden war, und erhängte sich um 15.30 Uhr. In den Elmshorner Nachrichten erschien am 4.12.1941 darüber eine kleine Notiz:
„Freiwillig aus dem Leben geschieden ist der
frühere Besitzer der Holsteinischen
Konservenfabrik H. Man fand ihn in einem
Toilettenraum auf dem Ohlsdorfer Friedhof
erhängt auf.“
Pate für Albert Hirsch ist Harald Kirschninck

Autor: Harald Kirschninck

Weiterführende Literatur:

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil I. Diskriminierung, Verfolgung, Vernichtung.  in: Stadt Elmshorn (Hrsg.): Beiträge zur Elmshorner Geschichte, Band 9. Elmshorn 1996.

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn 1918-1945. Band 2.Norderstedt 2005.

 

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