John Hasenberg

25. Januar 1945
Kirchenstrasse 40, Elmshorn
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Geboren am 8. Oktober 1892 in Neumünster als eines von sieben Kindern des jüdischen Ehepaares Henny Hasenberg (geb. Lippstadt) und Julius Hasenberg, zog
John Hasenberg gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie nach Elmshorn, wo sein Vater in der Kirchenstraße 40 eine Immobilienfirma betrieb.

John ging von 1902 bis 1909 auf die Bismarckschule und schloss diese mit dem Abschluss des Realgymnasiums ab.
Auch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlebte er hier und zog bald an die Front. Sein Einsatz blieb nicht ohne Konsequenzen – für seine Verdienste wurde er mit dem
Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach dem Ersten Weltkrieg hielt es ihn nicht mehr lange in Elmshorn; im Jahr 1922 zog er nach Hamburg, wo er als Kaufmann in der
Bank von Willi Seligmann am Gänsemarkt 35 arbeitete und unter anderem am Schwanenwik 29 wohnte. Die Blaue Steuerkartei der Jüdischen Gemeinde belegt seinen
Fortgang im Jahre 1927. Auf Hamburg folgte sein letzter deutscher Wohnsitz – Berlin.
Hier heiratete er Gertrud (geb. Meyer), geboren am 28. Oktober 1903 in Berlin. Auch die beiden Kinder des Paares, ein Sohn, 1928 geboren, und die Tochter Irene Hasenberg,
geboren im Jahr 1930, erblickten hier das Licht der Welt.
Zwei Jahre nach der Proklamation der „Nürnberger Rassengesetze” bekam John Hasenberg die Möglichkeit, Deutschland zu verlassen. Die Firma „American Express”
hatte ihm zwei Alternativen geboten: einen Job in Curacao oder in Amsterdam. Mit seiner Frau, seinem neunjährigen Sohn und seiner siebenjährigen Tochter zog John
Hasenberg im Jahr 1937 von Berlin nach Amsterdam, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen.
Als die Nazis im Jahr 1940 in die Niederlande einmarschierten, wurde auch hier das Leben der Familie erheblich erschwert. Die Benutzung der Straßenbahn
war der banale Grund für die erste Inhaftierung der kompletten Familie Hasenberg, aber vorerst hatte sie Glück. Ohne Begründung wurde die Familie wieder
freigelassen. Was blieb, war die Angst. Weil es American Express verboten wurde, Juden zu beschäftigen, verlor John seine Arbeit und arbeitete nun für den “Joodsraad”,
eine von den Nazis eingerichtete Organisation. Seine Aufgabe war es, den durch plötzliche Razzien deportierten Juden ihr Gepäck in die Sammellager nachzuschicken.
John hatte die Erlaubnis, mit einem Team in die Wohnungen der deportierten Juden einzudringen und die benötigten Gepäckstücke zu beschaffen.
Irene Hasenberg sagte in einem Interview im Jahr 1986, dass ihr Vater gehofft hatte, mit der Mitarbeit beim “Joodsraad” anderen Juden zu helfen.

Wie so oft zögerte die Mitarbeit im Joodsraad die Deportation nur hinaus, anstatt sie zu verhindern. Am 23. Juni 1943 kreiste die SS auch das Wohnviertel
der Hasenbergs ein. Irene Hasenberg erinnerte sich, dass es ungefähr um 10 Uhr morgens an einem ungewöhnlich heißen Tag gewesen sein muss, als die SS auch an ihre
Tür klopfte. Der Familie Hasenberg war es noch erlaubt, ein wenig Proviant und anderes Gepäck mitzunehmen, dann wurde sie mit anderen Juden zu Sammelplätzen getrieben und in
Güterwaggons gepfercht. Die Erfahrung, mit zirka 60 anderen Menschen den ganzen Tag in einem Güterwaggon gefangen zu sein, beschreibt Irene Hasenberg als grausam.
Am 23.Juni 1943 erreichte der Zug dann seine Endstation, das Sammellager Westerbork, wo die Familie acht Monate verbringen musste.
Noch in Amsterdam hatte John jedoch über einen Freund von einem Schweden erfahren, der gefälschte Pässe beschaffen konnte.
Auf Johns briefliche Anfrage erhielt die Familie Hasenberg nun aus Schweden vier ecuadorianische Pässe. Wie diese Pässe ihren Weg von Schweden über Amsterdam
bis nach Westerbork gefunden haben, konnte niemand erklären. Fest stand aber, dass die Pässe den Status der Familie Hasenberg entscheidend veränderten.
War ursprünglich die Deportation der Hasenbergs nach Auschwitz vorgesehen, so bewirkte der Nachweis einer nichtdeutschen Staatsbürgerschaft die Streichung der
Familie von der Transportliste. Am 16.Februar 1944 erfolgte die Deportation in das Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo Irene Hasenberg auch Anne Frank kennenlernte.
Die Situation in Bergen-Belsen war wegen der Größe des Camps und der Menge an Menschen, die auf noch kleinerem Raum zusammengepfercht waren, schlimmer als in Westerbork. Mangelernährung, harte Arbeit und, im Falle von John Hasenberg, Prügelstrafen, schwächten besonders Hasenberg und seine Frau. Doch trotzdem erlangte die Familie Hasenberg
aufgrund eines glücklichen Zufalls schließlich die Freiheit. Bei einem Gefangenenaustausch zwischen Amerikanern und Deutschen waren auf deutscher Seite nicht
genügend Amerikaner für den Austausch vorhanden.
Deswegen wählten die Nazis Häftlinge nichtdeutscher Nationalitäten aus, um die geforderte Anzahl zu erreichen. Wegen ihrer gefälschten Pässe gehörten die Hasenbergs
zu den glücklichen Auserwählten, die den Zug Richtung Schweiz besteigen durften. Trotz des unglaublichen Glücks war es für John Hasenberg schon zu spät.
Seine letzte Prügelstrafe hatte ihm bei seiner sowieso schlechten körperlichen Verfassung die letzten Kräfte geraubt. Er starb auf dem Weg in die Freiheit am 23. Januar 1945 bei
Laubheim. Seine Familie zog weiter nach Amerika.

Die Recherchen zu John Hasenberg hat der  Leistungskurs Geschichte des 12. Jahrganges der Elsa-Brändström-Schule Elmshorn unter der Leitung von Doris
Hannig-Wolfsohn in einem Projekt der Referendarin Julia Störzel im Jahr 2007 vorgenommen.
Die folgenden Schüler haben daran mitgearbeitet:
Lisa Arendt, Uwe Dahlke, Pia Heyne, Kerry Howard, Maximilian Jermies, Kevin Klüver, Maria Koch, Martin Krempa, Patrick Meißner Jana Mohr, Franziska Ortlinghaus, Milord
Said, Tanja Schumann, Jessica Vokuhl, Janine Walter, Isabel Werner.
Quellen:
Stadtarchiv Elmshorn; Archiv der
Elmshorner Nachrichten; Staatsarchiv
Hamburg; Interview mit Irene Hasenberg
(www. http://holocaust.umd.umich.edu/
butter/).
Patin für John Hasenberg ist die Elsa-Brändström-Schule

Autor: Maximilian Jermies

Literatur:

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn. 1685-1918. Band 1. Norderstedt 2005.

Kirschninck, Harald: Die Geschichte der Juden in Elmshorn. 1918-1945. Band 2. Norderstedt 2005.

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil 1. Diskriminierung.Verfolgung. Vernichtung. in: Stadt Elmshorn (Hrsg.):

Beiträge zur Elmshorner Geschichte. Band 9. Elmshorn 1996.

Kirschninck, Harald: Juden in Elmshorn. Teil 2. Isolierung. Assimilierung. Emanzipation. in: Stadt Elmshorn (Hrsg.):

Beiträge zur Elmshorner Geschichte. Band 12. Elmshorn 1999.

 

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