Martha Weidmann – Opfer der „Euthanasie“

22. Juni 1943
Heinrich-Lohse-Straße 7, 25451 Quickborn
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Der Stolperstein für Martha Weidmann

HIER WOHNTE
MARTHA WEIDMANN
GEB. JAEKEL
JG. 1902
SEIT 1933 PATIENTIN
IN VERSCHIEDENEN
HEILANSTALTEN
„VERLEGT“ 22.6.1943
HADAMAR
ERMORDET 2.7.43

 

Martha Weidmann, geborene Jaekel, erblickte als Kind einer Arbeiterfamilie am 18. Juni 1902 in Altona das Licht der Welt. Mit 26 Jahren heiratet sie den Schneider Alfred Weidmann, der in Hamburg mit seinem Bruder eine Schneiderei betrieb. Martha Weidmann, die mit ihrem Mann anfangs im Hamburger Stadtteil Hamm lebte, litt seit Anfang der 30er Jahre an einer psychischen Erkrankung. Als der Ehemann aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung seiner Frau die Ehe annullieren ließ, wurde Martha Weidmann von ihren Eltern in Hamburg-Barmbek aufgenommen.1 Im Juni 1938 verzog die Familie nach Quickborn in die Heinrich-Lohse-Straße.2In Quickborn lebte bereits der Sohn Adolf Jaekel, der hier als Sekretär bei der Gemeindeverwaltung tätig war und zu den Politischen Leitern der NSDAP-Ortsgruppe gehörte, wofür er nach Kriegsende für einige Jahre von seiner Berufstätigkeit enthoben wurde.3

Die mit Unterbrechungen verlaufende Erkrankung führte zu mehreren Klinikaufenthalten, zuletzt ab dem Jahr 1940. Einen Tag nach dem Tod ihres Vaters, wurde Martha Weidmann am 22. Februar 1940 verwirrt und vermutlich zu Fuß aus Quickborn kommend in Hamburg St. Georg aufgegriffen und über die Staatskrankenanstalt Friedrichsberg in die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn gebracht. Erfolglos bemühte sich die Mutter, ihre Tochter in häusliche Pflege zu nehmen.4

Die Anstalt Langenhorn diente damals im Hamburger Raum als Drehscheibe der „Euthanasie“-Transporte. Über 2.600 Psychiatriepatienten wurden von hier aus in verschiedene „Heilanstalten“ Deutschlands „verlegt“ und haben die Zeit des Nationalsozialismus nicht überlebt. Zu diesen ermordeten Menschen gehörte auch Martha Weidmann. Sie wurde zusammen mit 49 anderen Patientinnen am 22. Juni 1943 in die Heil- und Pflegeanstalt Hadamar „verlegt“,5 wo sie zehn Tage später offiziell an einer Lungenentzündung verstarb.6 Die Urne der Ermordeten wurde am 2. September 1943 auf dem Quickborner Nordfriedhof beigesetzt.7

 Verfasser: Enno Hasbargen, Jörg Penning

 

Fußnoten

  1. Staatsarchiv Hamburg (STAHH), 352-8/7, Abl. 1/1995 26858.
  2. Stadt Quickborn, Fachamt Einwohnerangelegenheiten, Meldearchiv.
  3. Quickborner-Hasloher Tageblatt (QHT), 09.09.1937. Stadtarchiv Quickborn (StA Quickborn), Bestände des Amtsvorstehers, Schreiben des Amtsvorstehers der Gemeinde Quickborn an die Kreisverwaltung Pinneberg vom 01.03.1947.
  4. STAHH, 352-8/7, Abl. 1/1995 26858.
  5. Vgl. Otto, Renate: Verschärfung der Katastrophenpolitik – Transporte in die Tötungsanstalt Hadamar, in: Böhme, Klaus; Lohalm, Uwe (Hg.): Wege in den Tod. Hamburgs Anstalt Langenhorn und die Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus (Forum Zeitgeschichte, Bd. 2). Hamburg 1993, S. 337 f.
  6. STAHH, 352-8/7, Abl. 1/1995 26858.
  7. Friedhofsverwaltung Quickborn, Beerdigungsregister 1899-1961.

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