Karl Fnouka – im Widerstand, verhaftet Helgoland 18.4.1945, hingerichtet 21.4.1945 Cuxhaven-Sahlenburg

18. April 1945
Helgoland
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                    Karl Fnouka aus Wien (Foto P. Fnouka)

Grabplatte Cuxhaven-Brockeswalde

Die Insel Helgoland hatte während des Zweiten Weltkrieges trotz massiver Befestigungs- und Verteidigungsanlagen keine nennenswerte militärische Bedeutung.  Am Ende des Krieges war sie aber mit ihrem Flugmeldedienst so weit draußen im Meer wichtig, um in den großen Küstenstädten Hamburg und Bremen rechtzeitig den Fliegeralarm auslösen zu können.  Trotz mehrfacher Aufforderung der Alliierten an den Inselkommandanten, Helgoland kampflos zu übergeben, wurde die Insel weiterhin vehement verteidigt und durch Bombenangriffe stark beschädigt.   Viele junge Marinehelfer, Soldaten und Helgoländer kamen dabei ums Leben.  Dieses wollte eine Widerstandsgruppe aus Marineangehörigen und Helgoländern verhindern, indem sie die Festnahme des oberen Offizierskorps plante, um selbst die kampflose Übergabe in die Hand nehmen und Helgoland an die Engländer übergeben zu können.  „Wir wollten dem Morden ein Ende bereiten und Helgoland vor der völligen Zerstörung retten“, war ihre Parole.  Einer von ihnen war der Fähnrich

KARL FNOUKA

Dies ist seine Geschichte:

Karl Fnouka war Österreicher. Er wurde am 17.Oktober 1908 in Wien geboren. Sein Vater besaß einen gut florierenden Maßschneider-Salon für Herren in der Wiener Kärntnerstraße mit einer Filiale in Bad Gastein.

Karl absolvierte nach Volks- und Realschule die Technische Universität in Wien, die er als Diplom-Ingenieur für Hoch- und Tiefbau abschloss. Wegen weit verbreiteter Arbeitslosigkeitfand er aber in seinem erlernten Beruf keine Anstellung, und deshalb konnte sein Vater ihn überreden, den Beruf zu wechseln. Die Schneider-Akademie in Wien verließ Karl als „Schneidermeister für Herren- und Damenkleider“ und übernahm später den Betrieb des Vaters.

Er war Mitglied der „Heimwehr“, einem nach dem 1. Weltkrieg in Öster- reich entstandenen Schutzverband, der zunächst überparteilich war, sich dann aber zu einem konservativ-völkischen Kampfverband wandelte und gegen die Nationalsozialisten agierte. 1936 wurde die „Heimwehr“ verboten.

1938 heiratete Karl Fnouka Auguste Renner, genannt „Gusti“, und am 1. Januar 1939 wurde ihr Sohn geboren.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam für ihn im Juni 1940 die Einberufung in die Kriegsmarine. In der Artillerie wurde Karl Fnouka in Borkum und Swinemünde sowie bei der Gruppe „Blaufuchs“/Front und in Kirkenes/ Front eingesetzt, bis er Anfang Oktober 1944 zur Marineartillerieabteilung 122 auf Helgoland versetzt wurde.  Dort war er bis zuletzt bei der Batterie „Jacobsen“ stationiert, die im Südwesten des Oberlandes lag.

Wenn er Urlaub hatte und seine Familie in Wien besuchen konnte, zog er immer so rasch wie möglich seine Wehrmachtsuniform aus und hängte sie in die Toilette. „Das ist der einzige Ort, wo dieses Ehrenkleid hingehört“, sagte er ironisch.

Ostern 1944 sah er seine Familie in Wien zum letzten Mal.

Gegen Ende März 1945 kam Karl Fnouka mit einigen anderen Soldaten zum ersten Mal in das Haus des Dachdeckermeisters Georg Braun, um den sich eine hauptsächlich aus Offizieren und

Soldaten bestehende Widerstandsgruppe gebildet hatte. Ihr Ziel war es, die Insel Helgoland vor der völligen Zerstörung durch alliierte Bombenangriffe zu retten und so kurz vor Ende des Krieges weitere Menschenopfer zu vermeiden.

Fnouka, wie auch sein Kamerad Kurt Pester, hatte schon in seiner Heimat Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet, bevor er sich der Helgoländer Gruppe anschloss.

Am 17. April abends war traf sich Fnouka zum letzten Mal mit seinen Kameraden bei  Georg Braun in dessen Haus an der Kartoffel Allee.

Am 18. April 1945 wurde er, sowie ca. 40 weitere Mitglieder der Gruppe,  auf Helgoland verhaftet und  nach Cuxhaven gebracht. Zwei Mitglieder der Widerstandsgruppe hatten die Pläne verraten.

Nach einer kurzen Gerichtsverhandlung wurden 5 Männer  zum Tode verurteilt. Auch Karl Fnouka.  Am 21. April 1945 besuchte ihn nachmittags der katholische Pfarrer Ferndinand Niederschäfer. In den letzten Stunden seines Lebens in seiner Zelle im Amtsgericht Cuxhaven erzählte er von seiner Heimat und der Liebe zu seiner Familie. Er bat den Pfarrer, seine Frau und seinen Sohn nicht über die Umstände seines Todes zu unterrichten, um ihnen den Schmerz zu ersparen.

Zusammen mit dem evangelischen Pastor Hartung begleitete Pfarrer Niederschäfer die Verurteilten zum Schießplatz in Cuxhaven-Sahlenburg.

Am Abend des 21. April wurde Karl Fnouka zusammen mit seinen 4 Kameraden in Cuxhaven hingerichtet.  Er war 36 Jahre alt.

1952 fuhr Karl Fnoukas Witwe Auguste mit ihrem damals 13-jährigen Sohn nach Cuxhaven, um das Grab ihres Mannes zu besuchen und eine Totenmesse in der Friedhofskirche für ihn zu feiern. Von einer Überführung des Grabes nach Wien wurde ihnen abgeraten, da die Identifizierung der Toten nicht eindeutig sei.

Karl Fnouka, Stolperstein: Treppenstraße, Helgoland, Verlegung 17.4.2010 (Foto M. Richters)

Zum Gedenken an KARL FNOUKA wurde am 17.April 2010 vor dem Fahrstuhl  im Helgoländer Unterland ein STOLPERSTEIN verlegt.   

 

Autorin des Beitrags, copyright:  A. Friederichs  –  Das Buch „Wir wollten Helgoland retten – Auf den Spuren der Widerstandsgruppe von 1945“,  wurde im April 2010 vom Museum Helgoland herausgegeben (ISBN 987-3-00-030405-7), Kontakt: afrberlin@t-online.de

Quellen:  Interviews mit P. Fnouka, Wien, 2009 – Eidesstattliche Erklärung, Pastor Ferdinand Niederschäfer,  11.6.1947 (Bes. P. Fnouka) –  Brief Florian Grauer an Frau Fnouka, 21.8.1946 (Bes. P. Fnouka)

 

 

 

 

 

 

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