Willy Gramkow (*1904), Schmied, Ortsgruppenleiter der NSDAP 1933/34

9. Oktober 1933
Moltkestr. (damals Pastorenkamp) 4, Uetersen
Schlagwörter , , ,

Geboren wurde Willy Gramkow am 16.09.1904 in Groß Walmstorf, jetzt Hohenkirchen, Kr. Nordwestmecklenburg. Als Bekenntnis gab er noch 1948 „gottgläubig“ an. Von Beruf war er Schmied und vor 1933 als Arbeiter tätig. Gramkow war verheiratet.[1]

Bereits 1925 trat Gramkow in die NSDAP ein (Parteinummer 20.180). Von Mai 1928 bis April 1929 war er Ortsgruppenleiter in Grevesmühlen, von Aug. 1929 bis Dez. 1932 Ortsgruppenleiter in Tornesch und von Sept. 1933 bis Dez. 1934 in Uetersen.[2]

Ab dem 09.10.1933 war Willy Gramkow Magistratsmitglied (= Stadtrat)[3]. Als Ortsgruppenleiter wurde er aufgrund des Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15.12.1933 zum ständigen Gemeinderatsmitglied (= Ratsherr) berufen.[4] Nach eigenen Angaben war er auch Beigeordneter (= stellv. Bürgermeister) der Stadt Uetersen.[5]

Willy Gramkow zog 1935 nach Preetz.[6] Dort war er von Dez. 1934 bis April 1936 Kreisbetriebsgemeinschaftswalter der DAF.[7]

Von Sept. 1938 bis Juni 1939 war Gramkow Kreisobmann der DAF Neubrandenburg und Parchim; von März 1941 bis Jan. 1942 Volkswagenwart für die KdF in Schwerin. Für die Zeit vor 1939 gab er zwei Anschriften in Schwerin an.[8]

1943-45 leistete Gramkow Wehrdienst; zuletzt im Dienstgrad eines Unteroffiziers. Von Mai 1945 bis April 1948 befand er sich in russischer Kriegsgefangenschaft. Bei Abgabe des Fragebogens im Juli 1948 wohnte er in Lübeck-Rangenberg. Er gab an, wegen Krankheit keine Arbeit zu haben.[9]

Willy Gramkow wurde durch die Spruchentscheidung des Entnazifizierungshauptausschusses für die Hansestadt Lübeck vom 13.01.1949 „… als Mitläufer bewertet und in die Kategorie IV eingestuft.“[10] Er hat lediglich die Verfahrenskosten zu tragen.[11]

„Ich bin dem Hauptausschuss für dessen Entscheid dankbar und ist es nicht meine Absicht hiergegen Einspruch zu erheben.“[12] Die Verfahrenskosten bittet er zu stunden, weil er seit seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft erwerbsunfähig krank war und seinen Beruf aufgrund einer Kriegsverwundung (versteiftes Fußgelenk) nicht wieder ausüben kann.[13] Gramkow darf die 10,00 DM in monatlichen Raten von 3,00 DM tilgen.[14] Er wohnte getrennt von seiner Familie, die er seit über 5 Jahren nicht mehr gesehen haben will.[15]

Über ein Jahr später beantragte Gramkow doch noch eine niedrigere Einstufung.[16]

 

Erhard Vogt, Juni 2016

 

[1] Vgl. Entnazifizierungsakte Willy Gramkow im Landesarchiv S-H Abt. 460 Nr. 2432

[2] Vgl. ebda.

[3] Vgl. H.E. Wolf, Zur nationalsozialistischen Machtergreifung in der Stadt Uetersen – vorläufiger Bericht, Uetersen 1979, S. 21

[4] Vgl. H.F. Bubbe, Heimatbuch Uetersen Band II, Uetersen 1939, S. 141 f

[5] Vgl. Entnazifizierungsakte Willy Gramkow im Landesarchiv S-H Abt. 460 Nr. 2432

[6] Die personenbezogenen Daten stammen aus einer Recherche des Standesamtes Uetersen im Mai 2014.

[7] Vgl. Entnazifizierungsakte Willy Gramkow im Landesarchiv S-H Abt. 460 Nr. 2432

[8] Vgl. ebda.

[9] Vgl. ebda.

[10] Entnazifizierungsakte Willy Gramkow im Landesarchiv S-H Abt. 460 Nr. 2432

[11] Vgl. Ebda.

[12] Schreiben von Willy Gramkow vom 13.02.1949 an den Entnazifizierungshauptausschuss Lübeck, in: Entnazifizierungsakte Willy Gramkow im Landesarchiv S-H Abt. 460 Nr. 2432

[13] Vgl. ebda.

[14] Vgl. Schreiben des Entnazifizierungshauptausschusses Lübeck vom 27.04.1949 an Willy Gramkow, in: Entnazifizierungsakte Willy Gramkow im Landesarchiv S-H Abt. 460 Nr. 2432

[15] Vgl. Schreiben von Willy Gramkow vom 13.02.1949 an den Entnazifizierungshauptausschuss Lübeck, in: Entnazifizierungsakte Willy Gramkow im Landesarchiv S-H Abt. 460 Nr. 2432

[16] Vgl. Schreiben von Willy Gramkow vom 15.06.1950 an den Entnazifizierungshauptausschuss Lübeck, in: Entnazifizierungsakte Willy Gramkow im Landesarchiv S-H Abt. 460 Nr. 2432

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