Rassistische Propaganda mit dem Zeichenstift – der Maler Wilhelm Petersen

Petersen auf seinem Hof in Klostersande
17. Oktober 1939
Klostersande 82, Elmshorn

Rassistische Propaganda mit dem Zeichenstift – der Maler Wilhelm Petersen

Klostersande 34, Wohnort von Wilhelm Petersen. In einem Feldpostbrief, veröffentlicht in den Elmshorner Nachrichten,(1) kommentierte der über die Grenzen Elmshorns bekannte Maler Wilhelm Petersen seine Zeichnungen kurz nach dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen. In dem Brief heißt es: „Und dann Juden. Es kann einem wirklich das Grauen kommen. Ein Abschaum der Menschheit, der es einem schwer macht, auch nur ein Fünkchen Gefühl dafür aufzubringen. Ein Menschenmist schlimmster Art.“

Prof. Wilhelm Petersen war während des Krieges Mitglied in einer Propagandaabteilung einer Einheit der Waffen-SS. Er war ein Repräsentant der Nazi-Kunstauffassung und fertigte im Auftrag des „Reichsbundes für Vorgeschichte“ 1933 bis 1937 zahlreiche Schulunterrichtstafeln mit „Germanen“ – Darstellungen an, die der rassistischen Überhöhung der „germanischen Herrenmenschen“ dienten. 1939/40 war Petersen als Kriegszeichner in Polen und Westeuropa tätig, und seine Bilder sprechen von der „heldischen Pflichterfüllung des Soldaten“. Alfred Rosenberg förderte ihn und erwarb das Porträt einer „Friesin“. Noch 1944 planten Nazigrößen in Itzehoe eine Kunstschule unter Petersens Leitung zu errichten.

35 Jahre später – eine erste Auseinandersetzung

Auch 35 Jahre nach Ende des „tausendjährigen  Reiches“ fand Wilhelm Petersen eine Bühne zur Präsentation dieser Arbeiten – und er fand Bewunderer und Käufer seines Buches „Er ging an meiner Seite Zeichnungen 1939 – 1945“.

Der damalige Redakteur der „EN“ Dierk Wulf sprach dagegen in einem Kommentar 1980 deutliche Worte anlässlich der Buchvorstellung Petersens in der Buchhandlung Hellmann-Steffen: „die meisten Blätter des Buches zeugen von einem Hurra-Patriotismus übelster Art. Immer wieder, `Vorwärts, marsch!´ – sei es durch Polen, Holland, Belgien oder Frankreich . Die Länder wechseln, die Posen nie: weit aus holt der rechte Arm, in der Faust die Handgranate; man fühlt sich an Titelseiten so genannter `Landserheftchen´ erinnert… Und während sich der deutsche Soldat aus Petersens Feder kernig mit vorgestreckten Kinn vorkämpft, wandelt sich die Bevölkerung der überfallenen Länder in den Augen des späteren Professors aus Elmshorn zu einer Untermenschenmasse: ausgemergelt, flachstirnig, schlitzäugig – ganz so, wie es die wahnsinnige braune Führung von einem Kriegsberichterstatter der Waffen-SS, das war Petersen von 1939-1945, erwartete.“ (2)

Wilhelm Petersen agierte im Nachkriegsdeutschland weiterhin als Zeichner, sein Buch wird nach wie vor von rechten Verlagen angeboten. Er übernahm Grafik-Aufträge für die Industrie, unter anderem für die Firma Peter Kölln-Flocken, sowie für die Gestaltung der Mecki-Bilderbücher und -Geschichten in der Zeitschrift Hör Zu, die in den 1950er und 1960er Jahren hohe Popularität erreichte. Seine NS-Vergangenheit wurde in der Redaktion zunächst verschwiegen. Von 1965 bis 1982 hatte er wieder Gelegenheit zu Ausstellungen – u.a. als Ehrenmitglied der rechtsradikalen „Deutschen Akademie für Bildung und Kultur“. Erblindet starb Petersen 1987 in Elmshorn. (3)

Erneute Auseinandersetzungen über den Umgang mit Petersen`s Nachlass

Die Rheinische Post berichtet im Juli 2020 über den Konflikt zwischen dem Duisburger Künstler Cyrus Overbeck und dem ältesten Sohn Petersens, Hans-Christian in dem ostfriesischen Esens, wo dieser eine Galerie betreibt und Overbeck seinen Zweitsitz hatte. Overbeck recherchierte nach eigenen Angaben monatelang zu Wilhelm Petersen. Schnell stieß er dabei auf das Buch „Der Maler des Nordens“, dessen Mitverfasser Hans-Christian Petersen ist. Von der Nazi-Vergangenheit Wilhelm Petersens liest man dort nichts. Statt dessen heißt es über dessen Gemälde beispielsweise: „Seine Menschenbilder sprechen die herbe und stolze Sprache der Friesen…“
Overbeck wirft Hans-Christian Petersen nicht vor, einen nationalsozialistischen Vater gehabt zu haben, aber er wirft ihm vor, als Erbe die nationalsozialistisch gefärbten„heroischen“ Kriegswerke des Vaters über verschiedene „braune“ Foren im In- und Ausland zu vermarkten. Auch „Der Maler des Nordens“ist in einem Verlag (Grabert-Verlag) erschienen, den der Verfassungsschutz „rechtsextremistisch“ nennt. In einer öffentlichen Kanzelrede am 31. Oktober 2018 (Reformationstag) hatte Cyrus Overbeck in einer Esenser Kirche dazu aufgerufen, sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der ostfriesischen Stadt auseinanderzusetzen; er nannte auch den Fall Petersen senior und junior beim Namen. Diese Kanzelrede in der evangelischen Kirche sorgte für weitere Konflikte. Trauriger Schlusspunkt war ein tätlicher Angriff. Als Overbeck in seine Esenser Stammkneipe kam, habe ein Mann „Jude“ geschrien und ihn zu würgen
gesucht. Der Wirt ging dazwischen und verhinderte so Schlimmeres. (4)

Zeitreise im NDR: Wilhelm Petersen – Nazipropaganda mit dem Zeichenstift

Der NDR berichtet am 11.7.2021 unter dieser Überschrift über eine Ausstellung des Museums Wewelsburg  zu dem Maler Wilhelm Petersen (siehe weiterführende Links)

1) Elmshorner Nachrichten v. 17.10.1939; (2) Elmshorner Nachrichten 27.11.1980 (3) Quelle: „Bildner des nordischen Menschen“: der Elmshorner Maler Wilhelm Petersen. 1900-1987, Ingo Lafrentz in ISHZ 52/53 Seite 29/30, AKENS 2010/2011) 4) Rheinische Post vom 16.7.2021

  Autor: Rudi Arendt, 26.05.2013, aktualisiert 11. 07. 2021

 

 

 

 

Veröffentlicht von Rudi Arendt am

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