Johann Peter Britten (1904-1945) – von den Nazis verfolgt und in der Haft umgekommen

22. August 1944
Lohe 44, Uetersen
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Letzte Meldeadresse von Hans Britten bei seiner Verhaftung am 22.08.1944 und Einweisung in das KZ Neuengamme; wahrscheinlich beim Untergang der Transportschiffe „Cap Arcona“ und „Thielbek“ am 03.05.1945 in der Neustädter Bucht ums Leben gekommen. Verlegung des 1. Stolpersteines in Uetersen am 02.03.2012.

 

Erstellt von Erhard Vogt

 

JOHANN PETER BRITTEN (1904-1945)

Er war gewählter Uetersener Stadtvertreter, Kommunist, Widerstandskämpfer und wurde Opfer der Verfolgung Andersdenkender durch die Nationalsozialisten: Hans Britten, inhaftiert bis zum 28. März 1945 im KZ Neuengamme, starb wenige Tage vor Kriegsende nach einer Deportation durch die Nazis auf einem Flüchtlingsschiff in der kalten Ostsee. In einem seiner letzten Briefe aus dem KZ im Dezember 1944 äußert Britten die Hoffnung, vielleicht schon bald wieder zu Hause sein zu können: „Wenn nicht, dann „fröhliche Weihnachten“.“1

Johann Peter (Hans) Britten wurde am 21. Februar 1904 in Onsdorf, Kreis Saarburg, geboren als Sohn von Peter Britten und Susanna Britten, geb. Wagner; der Vater war Schreinermeister.2

Britten hat die Volksschule in Onsdorf besucht. Nach der Schulentlassung 1918 war er zwei Jahre seinem Vater in der Landwirtschaft behilflich. Im Januar 1920 hat er eine Lehre beim Bürgermeisteramt (Rathaus) Konz begonnen; dort war er bis Oktober 1926 als Büroangestellter tätig. Anschließend besuchte er ein halbes Jahr die kaufmännische Handelsschule in Ilmenau. Danach war er ein Jahr stellenlos, bevor er von April 1928 bis September 1929 in Unterlüss als Fabrikarbeiter Beschäftigung fand. Anschließend war er ein Jahr auf Wanderschaft und kam Anfang Oktober 1930 nach Uetersen, wo er zunächst in der Schanzenstraße 1 wohnte. Auch hier war er mit kurzen Unterbrechungen stellenlos.3

Seit Oktober 1930 bis Ende März 1931 war Britten Mitglied der „Roten Hilfe“ in Uetersen ohne Funktion, seit Anfang 1931 war er Mitglied der KPD; nach eigenen Angaben von Juni bis Oktober 1932 Organisations-Leiter in Uetersen4. Im Oktober 1932 meldet er das Gewerbe eines „Zeitungsverlages“ an; er zeichnet als „Verantwortlicher der Antifaschistischen Wochenzeitung“5.Bei der Stadtverordneten-Wahl am 12. März 1933 kandidierte er als Spitzenkandidat auf Platz 1 der Bewerberliste der KPD6 und wurde als Stadtverordneter gewählt7 – er konnte sein Mandat jedoch nicht antreten, weil er bereits eine Woche vor der konstituierenden Sitzung am 30. März eine Ausladung erhielt8 – die Gleichschaltung aller Gremien durch den NS-Staat hatte begonnen.

Wegen seiner politischen Betätigung wurde Johann Britten am 24. April 1933 verhaftet und bis zum 24. Mai 1933 in das Konzentrationslager (KZ) Glückstadt als Schutzhäftling eingewiesen.9

Danach hat er an mehreren geheimen Treffen der KPD auf der Elbinsel Pagensand, im Heidgrabener Moor und im Liether Gehölz teilgenommen.10

Die Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und Kommunisten in Uetersen erstreckte sich von der Herstellung von illegalen Flugblättern bis hin zu ihrer Verteilung innerhalb der eigenen Reihen und an Sympathisanten. Beispiel: Zeitungsherstellung. Im Sommer 1933 erhielt Hans Britten (KPD-Uetersen) von Heinrich Rostock (KPD-Leitung Elmshorn) den Auftrag, mehrere illegale Schriften, die über Johann Löker nach Elmshorn kamen, zu vervielfältigen. Hans Britten setzte sich mit Viktor Andersen, dem ehemaligen Schufo-Führer, in Verbindung. Beide trafen sich in der Scheune von Peter Christiansen, in der die Schreibmaschine der KPD versteckt war – übrigens aufgrund einer Vermittlung durch das Reichsbannermitglied Hermann Schubert aus Oberglinde. Viktor Andersen und Hans Britten wechselten sich bei der Beschriftung der Wachsbögen ab, die später von einem Elmshorner Kurier abgeholt wurden – hergestellt wurden die Schriften in der Scheune von Emil Buchner (KPD) in Reisiek. …“11

Wegen dieser Betätigung für die inzwischen verbotene KPD wurde Britten am 19. Dezember 1934 wieder verhaftet und zunächst in die KZ Fuhlsbüttel und Esterwegen und dann Ende August 1935 in das Untersuchungsgefängnis in Hamburg eingeliefert. Am 13. Dezember 1935 verurteilte ihn das Kammergericht Berlin wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 6 Jahren Zuchthaus, 6 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht. Auf die Strafe wurden 11 Monate der erlittenen Schutz- und Untersuchungshaft angerechnet. Die Strafhaft hat er in der Zeit vom 13. Dezember 1935 bis zum 13. Dezember 1940 in den Zuchthäusern Rendsburg und Fuhlsbüttel sowie im Strafgefangenenlager Aschendorfermoor verbüßt. Die Reststrafe wurde erlassen.12

Nach der Strafverbüßung war er bei der Uetersener Firma Nordmark Werke GmbH als Arbeiter beschäftigt13. Am 21. November 1942 hat Hans Britten die Textilarbeiterin Käthe Kaufmann geheiratet, die 1911 in Horst geboren wurde. Zu diesem Zeitpunkt wohnte er im Ossenpadd 79; anschließend wohnten sie gemeinsam in der Lohe 44. Der einzige Sohn Helmut wurde am 22. Februar 1944 geboren.14

Im Verlaufe der sog. „Gewitteraktion“ nach dem Attentat auf Hitler wurde Britten am 22. August 1944 abermals verhaftet und in das KZ Neuengamme eingewiesen15. Zwischen September 1944 und März 1945 datieren insgesamt elf Briefe von ihm an seine Ehefrau. Im vorletzten Brief schätzt er seine Entlassungsaussichten als gering ein. Er hofft drauf, dass Andersen bald kommen möge. Für ihn würde niemand etwas tun16.

Bis zum 28. März 1945 befand sich Britten im KZ Neuengamme17; von dort ist er nicht zurückgekehrt. Es ist wahrscheinlich, dass er bei dem Untergang der Transportschiffe „Cap Arcona“ und „Thielbek“ am 3. Mai 1945 in der Neustädter Bucht ums Leben gekommen ist18. Seine Witwe hat ihn 1952 für tot erklären lassen19. Erst 1978 ist der Tag, an dem Hans Britten starb, beim Standesamt Arolsen beurkundet worden20.

Aufgeschrieben von Erhard Vogt mit Unterstützung der Geschichtswerkstatt im Februar 2012.

 

1 Brief von Johann Peter Britten (JPB) vom 04.12.1944 aus dem KZ Neuengamme an Käthe Britten (KB)

2 Vgl. Heiratseintrag Nr. 75/1942 beim Standesamt Uetersen

3 Vgl. Gestapo-Protokoll vom 27.12.1934, Blatt 55 im Bundesarchiv

4 Vgl. ebda.

5 Vgl. Gewerbe An- und Abmeldungsbuch 1924-1976; mitgeteilt von Dr. Ute Harms an den Verf. in einer eMail vom 15.10.2011

6 Vgl. „Akten betr. die Neuwahl des Provinziallandtages, des Kreistages und der städtischen Kollegien am 12.03.1933“ im Museum Langes Tannen

7 Vgl. Uetersener Nachrichten vom 14.03.1933

8 Vgl. F. Bringmann/H. Diercks, Die Freiheit lebt, Frankfurt a.M. 1983, S. 39

9 Vgl. Teilbescheid des Landesentschädigungsamtes S-H (W 1c – B 195 – B 1183 -) vom 09.10.1956 und Bescheid des Finanzministers des Landes S-H – Entschädigungsamt – vom 05.09.1969 (B 195/1183-I-SG 195 –4)

10 Vgl. F. Bringmann/H. Diercks, Die Freiheit lebt, Frankfurt a.M. 1983, S. 134

11 Ebda., S. 61 f

12 Vgl. o.a. Teilbescheid vom 09.10.1956 und o.a. Bescheid vom 05.09.1969

13 Vgl. o.a. Bescheid vom 05.09.1969

14 Vgl. Heiratseintrag Nr. 75/1942 beim Standesamt Uetersen

15 Vgl. o.a. Teilbescheid vom 09.10.1956 und o.a. Bescheid vom 05.09.1969

16 Vgl. Brief von JPB vom 25.02.1945 aus dem KZ Neuengamme an KB

17 Vgl. Beschluss des Sonderhilfsausschusses des Landes S-H vom 19.10.1951 in der Haftentschädigungssache KB, ausgefertigt am 30.11.1951

18 Vgl. o.a. Teilbescheid vom 09.10.1956 und o.a. Bescheid vom 05.09.1969

19 Vgl. Urkunde des Standesamtes I in Berlin Nr. 17304 vom 19.04.1952 (Toterklärung zum 31.12.1945)

20 Vgl. Randbemerkung zum Heiratseintrag Nr. 75/1942 beim Standesamt Uetersen

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