Hermann Gottlieb Liesau wurde am 10. Januar 1899 geboren. Der gebürtige Uetersener wurde in den Nachtragsprozessen zu den sogenannten „Offenborn-Prozessen” verurteilt.
Er war Vater und Ehemann, sein Sohn war zum Zeitpunkt der Anklage 14 Jahre alt. Ihm wurden die Vorbereitung zum Hochverrat sowie das Verteilen verbotenen Schriften und Beitragszahlungen an die KPD vorgeworfen.[1] Liesau wurde während der 1. Klasse aus der Volksschule entlassen. Danach war er Lehrling bei einem Gärtnereibetrieb. Da sein Vater verstarb und er fortan den Lebensunterhalt für seine Familie mitverdienen musste, gab er die Lehrstelle nach kurzer Zeit wieder auf. Zu dem Zeitpunkt war er maximal 18 Jahre alt und erledigte daraufhin Arbeiten in Leder- und Papierfabriken. Im Jahre 1918 wurde Liesau mit 19 Jahren zum Frontdienst einberufen. Dabei war er in Flandern (Belgien) stationiert. Im November 1918 wurde er krankheitsbedingt entlassen. Zu diesem Zeitpunkt neigte sich auch der Erste Weltkrieg dem Ende zu. Für seine Verdienste an der Front erhielt er das Frontkämpferehrenkreuz.
Nachdem Liesau wieder in Uetersen war, übte er verschiedene Tätigkeiten in Fabriken aus. Vor seiner Verurteilung arbeitete er zuletzt in Wedel in einer Kiesgrube bei Tiefbauarbeiten.
Im Gegensatz zu den meisten anderen, die während der Offenborn-Prozesse verurteilt wurden, war er weder Mitglied der KPD noch der Roten Hilfe. Trotzdem soll er das Amt des Kassierers in der Roten Hilfe sowie in der KPD bis zum Oktober 1934 ausgeübt haben. Dabei soll er Gelder von Wilhelm Vollstedt, Wilhelm Wentzel und Ernst August Heitmann eingesammelt und auch selbst in die Kasse eingezahlt haben. Zudem soll er auch von Josef Kristen Flugblätter kommunistischen Inhalts erhalten haben und bis zum Oktober/November 1934 an die drei Personen, die er auch abkassierte, weitergegeben haben. Etwas mehr als drei Jahre später, am 11. Februar 1938, wurde Hermann Gottlieb Liesau zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Dazu wurde ihm noch eine Untersuchungshaft von acht Monaten angerechnet.[2]
Finja Eschke, Geschichtsprofil 2025/26 des Ludwig-Meyn-Gymnasiums
Weitere Recherchen:
In den Kirchenbüchern der Kirchengemeinde Uetersen findet sich Hermann Liesaus Taufeintrag Nr. 55/1899[3]. Demnach wurde er am 30. April 1899 getauft. Seine Eltern waren Franz Friedrich Wilhelm Liesau und Maria Katharina Margarete Henriette geb. Schröder. Der Vater war Sattler; die Eltern wohnten in der Seminarstraße. Die Namen der drei Paten werden ebenfalls genannt.
Im Trauregister der Kirchengemeinde Uetersen für den Stadtbezirk[4] findet sich der Heiratseintrag: Hermann Liesau hat am 24. Dezember 1920 standesamtlich Maria Auguste Spann geheiratet. Am 25. Dezember wurden sie in der elterlichen Wohnung der Braut kirchlich getraut. Die Braut ist Arbeiterin und wurde am 29 September 1903 in Uetersen geboren. Ihre Eltern waren …[5]. Der Bräutigam ist Papiermacher und wohnhaft im großen Wulfhagen.
Liesau wohnte 1937 in der Katharinenstr. 7.
Sohn Helmut Johann Hermann wurde am 9. August 1922 in Uetersen geboren und am 15. Oktober in der Kirche getauft[6]. Er ist jedoch bereits am 14. November 1938 im Alter von 16 Jahren in Uetersen gestorben[7]. Im Beerdigungseintrag wird er als „Schüler“ bezeichnet; er wurde am 18. November auf dem Neuen Friedhof beerdigt.
Durch eine „Metasuche“ auf der Webseite „genealogy.net“ lässt sich der Grabstein der Familie auf dem Friedhof Uetersen finden[8]. Verzeichnet sind die Eheleute Hermann und Maria Liesau sowie seine Eltern Wilhelm und Maria Liesau, geb. Schröder. Dadurch sind die Sterbedaten aller vier Personen bekannt, so dass sich auch die Eintragungen in den Beerdigungsregistern der Kirchengemeinde finden lassen:
Sein Vater Wilhelm L. starb bereits am 8. Januar 1911 im Bleekerstift im Alter von 45 Jahren[9]. Zwei Tage später wurde Hermann 12 Jahre alt.
Seine Mutter Marie L. geb. Schröder starb am 17. Juli 1942[10].
Hermann L. starb am 9. Oktober 1959 in Uetersen[11]. Im Registereintrag wird er als „früher Kraftfahrer, jetzt Rentner“ bezeichnet. Er wurde 60 Jahre alt und am 12. Oktober ohne Amtshandlung auf dem Neuen Friedhof beigesetzt, da er aus der Kirche ausgetreten war.
Seine Witwe Maria L. geb. Spann hat ihn um gute 19 Jahre überlebt und ist erst am 13. Februar 1979 in Uetersen verstorben[12].
Erhard Vogt, August 2026