Henry Helms – Verbrechen eines Gestapo-Beamten gegen die Menschlichkeit

2. Juni 1949
Hauptstraße 71, Halstenbek

Der 1902 in Halstenbek geborene Henry Helms kam 1924 zur Schutzpolizei, noch  vor 1931 wurde er Mitglied der  NSDAP, 1936 kam er zur Hamburger Gestapo, wurde 1937 als Kriminalassistent übernommen. Er war ab 1941 SS Sturmführer und Sachbearbeiter im Dezernat II a verantwortlich für die Verfolgung der politischen Opposition der Nationalsozialisten, vor allem von Kommunisten und Sozialdemokraten. Zahlreiche Folterungen und Todesurteile lagen in seinem Verantwortungsbereich.

Henry Helms wurde nach Kriegsende von der britischen Militärregierung interniert und am 2. Juni 1949 vom Schwurgericht Hamburg zu 9 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Urteilsschrift begründete dies mit Freiheitsberaubung im Amt in 4 Fällen, Aussageerpressung in 12 Fällen, Körperverletzung im Amt in 11 Fällen und gefährlicher Körperverletzung in 9 Fällen. Das Urteil folgte nicht der Anklageschrift. Angeklagt worden war er u.a. wegen Mordes, da er ‚aus niederen Beweggründen grausam und mit Überlegung bei der Ausführung der Taten Menschen getötet‘ habe. Nach Ausführungen der Anklage gehörte er zu jenen Gestapobeamten, die „in ihrer Tätigkeit in der geheimen Staatspolizei Gegner des Hitlerregimes aus politischen Gründen verfolgten, festnahmen, misshandelten, folterten und in Konzentrationslager brachten, wo  viele der Verfolgten ermordet oder der politischen Justiz überliefert wurden, deren Verfahren zu Hinrichtungen oder langjährigen Zuchthausstrafen führten.“1

1952 stellte seine Mutter ein Gnadengesuch bei der Landesjustizverwaltung mit folgender Begründung: „Die Mutter des Verurteilten steht heute in ihrem 75. Lebensjahr. Sie ist in Folge ihres hohen Alters und der damit verbundenen Beschwerden nicht mehr in der Lage, ihre Angelegenheiten allein zu besorgen. Im Falle der Entlassung des Sohnes Henry Helms würde dieser in der mütterlichen Wohnung aufgenommen werden, so dass dann wenigstens ein Verwandter in der Lage wäre, der Gesuchsstellerin unterstützend zur Seite zu stehen.“ Dem Gnadengesuch wurde stattgegeben, so dass Henry Helms nur 1/3 der gegen ihn verhängten Haftstrafe verbüßen musste.2

Henry Helms wohnte nach seiner Entlassung aus der Haft in der Hauptstraße 71 in Halstenbek. Besitzer dieser Wohnung war sein Bruder Bruno Helms, ein selbständiger Tischlermeister. Gertrud Meyer nennt in ‚Nacht über Hamburg‘ auch einen seiner Brüder, ihren Angaben zufolge mit Namen Harry Helms, der einen Holzverarbeitungsbetrieb in Halstenbek unterhielt und V-Mann der Gestapo gewesen sein soll.

Henry Helms Bruder Bruno Helms war Namensgeber für die 2001 von seiner Tochter Annemargret gegründete Bruno-Helms-Stiftung, die sich nach eigenen Angaben  für das „Gemeinwesen  in der Region Halstenbek“ engagiert ( http://www.buergerstiftung-brunohelms.de ). Auf der Webseite der Stiftung finden sich bislang keine Hinweise auf die Verantwortung von Familienmitgliedern für Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Zeit des Nationalsozialismus.

Quellen:
Staatsarchiv Hamburg, 213-11_02694-56_Band 21
Staatsarchiv Hamburg, 213-11_02694-56_Band 22
Staatsarchiv Hamburg, 213-11_02694-56_Band 3
Gertrud Meyer, Nacht über Hamburg, Berichte und Dokumente 1933 – 1945, Frankfurt/M 1971.

Anke Schulz

Fußnoten

  1. Staatsarchiv Hamburg, 213-11_02694-56_Band 21.
  2. Staatsarchiv Hamburg, 213-11_02694-56_Band 22.

Ein Hinweis zu “Henry Helms – Verbrechen eines Gestapo-Beamten gegen die Menschlichkeit”

  1. Rosa Ludwigsen sagt:

    In der „Halstenbeker Chronik“ ist auf Seite3 404 der Stammbaum der Familie Helms in Halstenbek zu finden.
    Henry Helms, geb. 1902, hatte Ernst, geb. 1903, und Bruno, geb. 1905, als Brüder. Einen „Harry“ gab es nicht. Es muß eine Namensverwechslung von Gertrud Meyer sein. – Das Haus Hauptstr.71 in Halstenbek gehörte Bruno Helms, er selbst wohnte dort mit Frau und Tochter. Ebenfalls im gleichen Haus seine Mutter, die das Gnadengesuch eingereicht hat. – Es war also nicht so, daß „die alte Mutter“ allein und hilflos war. – Bruno hatte eine Kriegsverletzung und war daher „in der Heimat“. Er war als V-Mann tätig und konnte seinen Holzverarbeitungsbetrieb weiterführen.
    Rosa Ludwigsen

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