Heinrich Vierkandt (1905-1941) – Opfer der sog. „Euthanasie“

Meldekarte Heinrich Vierkandt im Rathaus Uetersen
Geburtsregistereintrag des Standesamtes Uetersen Nr. 166/1905
Beerdigungsregister der Kirchengemeinde Uetersen für den Stadtbezirk Nr. 37/1941
Großer Sand 17, Uetersen

Bei Durch­sicht der bei­den Be­er­di­gungs­re­gis­ter der Kir­chen­ge­mein­de Ue­ter­sen nach dem Stan­des­amt Bern­burg hat d. Verf. im Ja­nu­ar 2015 ins­ge­samt sechs Ster­be­ein­trä­ge im Jahr 1941 ge­fun­den[1]. Die­ses Stan­des­amt ist ein Hin­weis auf ein sog. „Eu­tha­na­sie“-Op­fer. Ei­nes der Op­fer ist Heinrich Vierkandt.

Wir wissen nicht viel über ihn. Es standen der Geburtsregistereintrag des Standesamtes Uetersen[2], die Registereintragungen in den Kirchenbüchern der Kirchengemeinde Uetersen (Taufe, Konfirmation, Bestattung) und die Meldekarte aus dem Rathaus zur Verfügung. Zusätzliche Recherchen in den Kirchenbüchern bei „Archion“ über die Eltern und die Geschwister haben zusätzliche Informationen geliefert. Alle zusammen haben zu folgendem Wissen geführt:

Franz Claus Heinrich Vierkandt wurde am 17. November 1905 in Uetersen als ehelicher Sohn des Sattlers und Tapezierers Max Carl Gottburg Vierkandt (1859-1942) und der Elise Auguste Vierkandt, geb. Feddersen (1869-1914), geboren[3]. Heinrich wurde am 11. März 1906 in der Klosterkirche getauft[4].

Er wuchs mit fünf älteren Schwestern auf, die zwischen 1890 und 1900 geboren wurden. Zwei Brüder starben als Säuglinge, ein Bruder wurde tot geboren und eine jüngere Schwester starb ebenfalls als Säugling. Die Familie wohnte zunächst in der Töpferstraße und später im Großen Sand.

Als seine Mutter 1914 starb, war Heinrich neun Jahre alt. Über seinen Schulbesuch ist nichts bekannt. Heinrich wurde am 13. März 1921 in Uetersen durch Pastor Grünkorn konfirmiert[5].

Für Heinrich wurde im Rathaus eine eigene Meldekarte angelegt. Als Beruf wurde „Sattler“ angegeben. Er wohnte bis zum 22. März 1939 im Großen Sand 17. Danach hielt er sich in der Landesheilanstalt Neustadt auf[6]. Als Randnotiz seines Geburtseintrages wurde vom Standesamt „geisteskrank“ vermerkt[7]. Von Heinrich Vierkandt ist eine Patientenakte im Bundesarchiv überliefert[8], zu der wir – bisher – keinen Zugang haben.

Das Bundesarchiv hat 2018 die Erschließungsinformationen des vorhandenen Bestandes der Patientenakten von Opfern der NS-„Euthanasie“ öffentlich gemacht. Für Heinrich Vierkandt ist das Abtransportdatum 9. Juli 1941 und sind als Anstalten Königslutter und Neustadt/Holstein erfasst[9]. Diese Angaben sind wie folgt zu deuten: Auch Katharina Kröger hat sich bis zum 13. Juni 1941 in Neustadt aufgehalten, wurde am 14. Juni „in die Landes-Heil und Pflegeanstalt (Königslutter – d. Verf.) aufgenommen“ und schließlich am 9. Juli 1941 „in eine andere Anstalt verlegt“[10] – wir wissen seit April 2015, dass dieses Datum sowohl Ankunft- und Ermordungstag in Bernburg/Saale ist[11]. Das gilt auch für Heinrich Vierkandt.

Der Familie wurde etwas anderes mitgeteilt: Heinrich sei am 28. Juli 1941[12] „in der Pflegeanstalt in Bernburg/Saale“ verstorben und dort am 29. Juli eingeäschert worden[13].

Die Beisetzung seiner Urne fand am 28. August 1941 auf dem Alten Friedhof in Uetersen statt[14]. Grabberechtigter war bis zu seinem Tod 1942 sein Vater, danach die ältere Schwester Elsa Neumann, geb. Vierkandt[15], die zunächst auch noch im Großen Sand 17 wohnte und dann nach Prisdorf, Hauptstraße, verzog. Das Grab existiert schon lange nicht mehr.

 

Am 5. Juni 2026 wird für Heinrich Vierkandt im Großen Sand 17 ein Stolperstein verlegt. Er trägt die Inschrift:

HIER WOHNTE

HEINRICH VIERKANDT

JG. 1905

EINGEWIESEN 1939

HEILANSTALT NEUSTADT

„VERLEGT“ 9.7.1941

BERNBURG

ERMORDET 9.7.1941

„AKTION T4“

 

Die Patenschaft für diesen Stein hat Thomas Hölck aus Haseldorf übernommen.

 

Erhard Vogt, April 2026

 

Veröffentlicht von Erhard Vogt am

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