Friedrich Ehmke – politische Verfolgung

26. Januar 1934
Ohlmöhlenweg 64, Quickborn
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Friedrich Ehmke erwarb in den letzten Jahren der Weimarer Republik im Ohlmöhlenweg ein kleines Grundstück, zog aber erst nachdem er in Hamburg im August 1943 ausgebombt war, vollständig nach Quickborn.1 Er wurde 1903 als Sohn eines Tischlergesellen in Hamburg geboren und machte nach dem Besuch der Volksschule eine Lehre im Maschinenbauhandwerk. Nach Beendigung der Lehre arbeitete er auf verschiedenen Hamburger Werften und wurde gewerkschaftliches Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Seine politische Überzeugung veranlassten ihn in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und in die kommunistisch geprägte Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO) einzutreten. Auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb er politisch im Untergrund aktiv. In Hamburg wirkte er an einer geheimen „Postleitstelle“ mit und verteilte u.a. die im Ausland gedruckte „Internationale Gewerkschaftskorrespondenz“. Als diese Tätigkeit 1934 aufflog, wurde er am 26. Januar verhaftet und im Hamburger Stadthaus, dem Hauptquartier der Staatspolizei, verhört. Das Stadthaus war berüchtigt dafür, dass hier politische Gegner nach der Verhaftung misshandelt, ermordet und in den Tod getrieben wurden. Anschließend überführte man ihn in das Konzentrationslager Fuhlsbüttel, wo er in Einzelhaft saß. Im März 1935 verurteilte ihn das Hanseatische Oberlandesgericht wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zwei Jahren Gefängnis. Die Strafe saß er im KZ Fuhlsbüttel und in den Strafgefängnissen Fuhlsbüttel und Wolfenbüttel bei Braunschweig ab. Die Haftzeit war geprägt von Misshandlungen mit Schlägen, Tritten und „Strafhüpfen“. Nach seiner Haftentlassung 1936 war er auf verschiedenen Werften als Maschienenbauer tätig. Mehrmals wurde er hier aufgrund seiner politischen „Vorbelastung“  entlassen.2

In der Nachkriegszeit begann sich Friedrich Ehmke, diesmal in Quickborn, wieder in der KPD zu engagieren und kandidierte 1951 für seine Partei bei der Gemeindewahl.3 Er wirkte in der Gemeindeverwaltung in der Wohnungskommission und im Wohlfahrts- und Fürsorgeamt mit.4 Ehmke war zudem Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und wirkte in den späteren Jahren in der Ortsgruppe Quickborn der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) mit. Anfang der 1990er Jahre verstarb Friedrich Ehmke in dem Seniorenheim Am Klingenberg. Bis zu seinem Tod behielt er seine auf dem Arm tätowierte Häftlingsnummer bei.5

Gegenüber seinen politischen Freunden und Bekannten äußerte er sich über seine Haftzeit im Konzentrationslager und Gefängnis auch auf Anfragen so gut wie gar nicht. Zu demütigend und seelisch verletzend wird für ihn die Zeit gewesen sein.6 In einem in der Nachkriegszeit gestellten Wiedergutmachungsantrag schrieb Ehmke: „Die zu erwartende Haftentschädigung soll es mir ermöglichen, ein ganz kleines Häuschen zu bauen, zu heiraten und etwas Geflügelzucht und Obstbau zu betreiben, sodass auch für mich die Zukunft etwas heller erscheint als die Vergangenheit es war.7

Fußnoten

  1. Zeitzeugengespräch mit Josef P., Quickborn 1994.
  2. Landesarchiv Schleswig-Holstein (LASH), Abt. 761 Nr. 8317.
  3. Vgl. Hühnke, Jürgen: Wahlen und Kommunalvertretungen in Quickborn 1945 – 1988, in: Quickborner Archiv. Schriften des Geschichts- und Museumsvereins. Sonderheft. Quickborn 1988, S. 10.
  4. LASH, Abt. 761 Nr. 8317.
  5. Zeitzeugengespräch mit Josef P., Quickborn 1994. Dem Verfasser, der nach dem Tod von Friedrich Ehmke in dem gleichen Altenheim seinen Zivildienst leistete, wurde von Arbeitskollegen ebenfalls von der eintätowierten Häftlingsnummer berichtet.
  6. Zeitzeugengespräch mit Josef P., Quickborn 1994.
  7. LASH, Abt. 761 Nr. 8317.

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