Absturz einer angeschossenen B-17G (Flying Fortress) in Pinneberg Eggerstedt

Heck der B-17G
Heck der B-17G "G.I. Jane", Pinneberg - Hollandweg (Andreas Beig d.J./Dieter Beig)
Pinneberg - Hollandweg (Sartorti/Sartorti)
Pinneberg - Hollandweg (Sartorti/Sartorti)
B-17 Flying Fortress im Einsatz (gemein/WIKIMEDIA)
B-17 Flying Fortress im Einsatz (gemein/WIKIMEDIA)
Notabsprungplan B-17 - Originalanleitung (Boeing/www.in2guitar.com)
Notabsprungplan B-17 - Originalanleitung (Boeing/www.in2guitar.com)
Zeichnung Stephen King - Absturz der B-17
Zeichnung Stephen King - Absturz der B-17 "G.I.Jane" (Stephen J.King/Donald E.Casey)
18. Juni 1944
Hollandweg, Pinneberg

Am 18.06.1944 startete in Kimbolton in den Midlands nördlich von London die „G.I. Jane“ (Maschine 42-102628) der US-Airforce zu ihrem 145-ten Feindflug, ein B-17G-Bomber (auch genannt Flying Fortress). Gemeinsam mit der 526-ten Schwadron in der 379-ten schweren Bombergruppe wurde Hamburg als Ziel angeflogen [1], um die Docks und Raffinerien zu bombardieren. Die Crew bestand aus dem Piloten Stephen J. King, Copilot Milton S. Miller, Navigator Donald Emmett Casey, Bombenschütze Charles („Charlie“) W. Henry, Funker Charles E. Rutishauser, Bordingenieur Raymond F. Wheeler, Kugelturmschütze James H. Hagen, Heckschütze Eugene V. Miller sowie als Rumpfschütze Zigfryd („Ziggy“) Valentino Czarnecki. [2],[3],[4],[5]

Kurz vor der ca. 17-minütigem Bombardierungsaktion der Werft Blohm und Voss aus 25000 Fuß Höhe wurde die an zweiter Stelle fliegende Maschine statt der Führungsmaschine von zwei Flakgeschossen am rechten inneren Motor getroffen, das Feuer breitete sich auf den rechten Flügel aus und der Pilot erteilte das Kommando zum Notabsprung der gesamten Crew nach Beendigung des Bombenabwurfes. Der Versuch, durch einen steilen Sinkflug das Feuer zu ersticken, schlug fehl. Die Maschine explodierte. Das große Heck der Maschine selbst stürzte in Pinneberg Eggerstedt in den Hollandweg. [5],[6]

Der Pilot Stephen J. King und der Kugelturmschütze James H. Hagen wurden bei der Explosion der Maschine hinausgeschleudert und nach geglückter Landung in Pinneberg gefangen genommen.

Der als erstes abgesprungene Copilot Milton Miller wurde am Fallschirm hängend erschossen und ging in Hamburg am Blankeneser Strandweg Nr. 78 nieder. Er wurde in Hamburg auf dem Friedhof Sülldorfer Kirchenweg bestattet und vermutlich 1946 exhumiert und überführt.

Der Navigator Donald Emmett Casey wurde nach seiner Fallschirmlandung in Hamburg beim Blankeneser Leuchtfeuer gefangen genommen. Die ihn festnehmenden Soldaten bewahrten ihn vor Lynchjustiz.

Der Bombenschütze Charles („Charlie“) W. Henry landete mit seinem Fallschirm im Hamburger Randgebiet im Klövensteen und wurde von zwei Landwirten gnadenlos verprügelt, sie brachen ihm beide Beine.

Der Funker Charles E. Rutishauser starb sich unentschlossen an der Bordwand festhaltend im Moment der Explosion der Maschine und wurde in Rellingen beerdigt und 1946 auf die amerikanische Kriegsgräberstätte in den Ardennen überführt.

Der Heckschütze Eugene V. Miller befand sich bei Explosion der Maschine noch an Bord und wurde tot im abgestürzten Heck am Hollandweg in Pinnberg aufgefunden. Er wurde in Rellingen beerdigt und vermutlich 1946 exhumiert und überführt.

Der Bordingenieur Raymond F. Wheeler landete mit seinem Fallschirm bei der Elbinsel Hahnöfersand und wurde dort festgenommen.

Der Rumpfschütze Zigfryd („Ziggy“) Valentino Czarnecki landete zwischen Appen und Etz mit seinem Fallschirm und wurde verhaftet und in der Appener Polizeistation bewacht. SA-Leutnant und Kreisorganisationsleiter der NSDAP Wilhelm Langeloh erschien kurze Zeit später in der Polizeiwache und bestand auf einer Übergabe des Gefangenen an ihn mit der Aussage, dass er ihn zum Luftwaffenflugplatz Uetersen bringen werde. Ca. 150m hinter dem Ortsausgang schoss SA-Sturmführer Langeloh Zigfryd Czarnecki in den Nacken und stieß ihn in den Graben. Der nachfolgende Landwachmann Runge stellte fest, dass Czarnecki noch lebte und versuchte eine Erstversorgung. Czarnecki wurde zum Fliegerhorst transportiert und von dort weiterverlegt in das Reservehospital Nr. 5 Hamburg-Wandsbek. Dort starb er am Morgen des Folgetages und wurde in Hamburg Ohlsdorf bestattet, er wurde 1946 nach Pennsylvania in seine Heimatstadt überführt. [4],[7]

 

[1] http://www.379thbga.org/Looking4%201350-1341%20p35.htm abgerufen 25.05.2015

[2] Casey, Donald E. : To fight for my country, Sir !, Chicago/Illinois 2009

[3] http://www.8thairforce.com/379th/search/crew_member_listing_for_mission.asp?misMissionNo=145&acAircraftNo=%2742-102628%27 abgerufen 25.05.2015

[4] Muckel, Mathias : Auswertung von Archivalien aus dem National Archive, Washington D.C. zum Angriff auf Hamburg am 18.06.1944 und dem Absturz einer B-17 über Pinneberg am gleichen Tag. Gutachten für die OFD Niedersachsen, Hannover 2012 nebst diversen Anhängen

[5] Seifert, Johannes: „Der Absturz eines amerikanischen Bombers am 18.6.1944 in Pinneberg und ein Kriegsverbrechen“ in: Heimatverband für den Kreis Pinneberg von 1961 e.V.: Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 2014, S.7-12, Pinneberg 2013, ISSN 0448-150X

[6] Beig, Dieter: Alt Pinneberg , Pinneberg 1980

[7] Persönliche Korrespondenz Dora May (Jenkins) Morgan mit Volker Sartorti 2014 bis 2015

 

erstellt von Volker Sartorti

Veröffentlicht von Volker Sartorti am

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