WETTBEWERBSBEITRAG: Josef Kristen (*1903), Papierarbeiter – von den Nazis verfolgt, angeklagt und verurteilt

3. Februar 1936
Deichstr. 1, Uetersen
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Josef Kristen wurde am 09.11.1903 in Lauterbach im Kreis Mährisch Schönberg geboren und wuchs dort mit seinen sieben Geschwistern auf. Der deutsche Staatsangehörige Kristen zog 1916 in die Deichstaße 1 in Uetersen. Zudem heiratete er 1928 Margarethe Kristen, welche sich als Hausfrau um deren beiden Kinder sorgte. In Primus erlernte er, wie sein Vater, den Beruf des Papiermachers. Im Dienste seiner Arbeit arbeitete er vorübergehend von 1923-1924 in Grossenhain. Danach kam er jedoch wieder nach Uetersen zurück und arbeitete erneut bei der heute gleichnamigen Firma „Feldmühle“, bis er 1931 erwerbslos wurde, da die Feldmühle stillgelegt wurde.[1]

Auf Grund seiner Partizipation im Arbeiter-Turn-Sportbund, lernte Kristen durch Erfahrungen, „dass es notwenig ist sich politisch zu informieren und organisieren.“[2] Dadurch kam es dazu, dass er von 1925 bis 1929 in der SPD erste Eindrücke in der Politik sammelte. Grund für den Austritt aus der Partei sei der starke Unterschied zwischen Praxis und Theorie gewesen.[3] Anschließend schloss er sich der KPD an, bei der sein Bruder Franz Kristen, und sein Schwager bereits Mitglied waren. Nach eigener Aussage hätte er bei „dieser Partei durch Schulungen viel gelernt:“[4] Bis zur Machtergreifung Hitlers am 30.01.1933 gab es eine starke KPD im Bezirk Wasserkante. Folglich verteilte Josef Kristen fortwährend unter anderem die Zeitungen „Rote Fahne“, „Klassengewerkschaften“ sowie außerdem den „Kruse Brief“ und sammelte zusätzlich Parteispenden.[5] Das waren Gründe dafür, dass er im Juni 1933 zum ersten Mal aus politischen Gründen für 4 Wochen in Schutzhaft genommen und nach Glückstadt gebracht wurde.[6] Nach seiner Entlassung wurde „umso intensiver in der Öffentlichkeit illegales Material verteilt.“[7] Ferner baute die KPD unter Kristen eine Druckerei auf, um vermehrt Medien verbreiten zu können.[8] Zu diesem Zeitpunkt war die Gestapo und Polizei, nach seinen Aussagen, noch ahnungslos.[9] Als Folge der Aushebung von einigen Stadtteilen in Hamburg (Erich Meyer Prozess) kam die Gestapo letztendlich auf die KPD in Elmshorn. Innerhalb von einem Monat wurden 300 Personen, aus Uetersen, Elmshorn und Barmstedt verhaftet, darunter auch Josef Kristen. Infolgedessen wurden alle Verhafteten ins K.Z. Fuhlsbüttel geschickt, wo Josef Kristen bei dem „Kommando Essenträger“ für Verpflegung sorgte. Dadurch, dass durch den Elmshorner Prozess und die damit verbunden 300 Leute das Lager überfüllt war, wurden sie geschlossen nach Esterwegen im Emsland umgelagert.[10] Dort litt er 30 Monate unter Hunger und der schweren Arbeit beim Kultivieren des Moors.[11]

Danach wurden alle, die zum Prozess aus Elmshorn gehörten, erneut „nach Hamburg [und dann] in 26 Einzelprozessen vor dem III. Strafsenat des Kammergerichts Berlin abgeurteilt, wegen Vorbereitung zum Hochverrat“.[12] Im Offenborn Prozess (Dezember 1935- Mai 1936) wurde Josef Kristen zu viereinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Davon verbrachte er ein Jahr in einer Anstalt in Rendsburg bis er 1937 ein weiteres Mal nach Esterwegen kam. Diesmal wurde er ins Lager VII geschickt, dennoch waren die Verhältnisse ähnlich wie im KZ Lager Esterwegen. Als Folge der schlechten Zustände wurden alle politischen Gefangenen im Juli 1937 in das Lager II in Aschendorf umquartiert. Dort seien die Umstände, während seiner zwei Jahre dort, „erträglich“ gewesen. Grund dafür war unter anderem an die Solidarität unter den Kameraden.[13]

Nach seiner Entlassung nahm Josef Kristen erneut seine Arbeit als Papiermacher bei der Feldmühle auf. Bis er im Februar 1943 von dem Strafbataillon 999 (kurz: BB999) eingezogen wurde und als Soldat kämpfte. Nachdem das Dritte Reich gefallen war, war Kristen in Ägypten Strafgefangener der britischen Armee. Im Februar 1946 hingegen wurde er in den Irak versetzt wo Josef Kristen 12 Monate bis zu seiner Freilassung als Kriegsgefangener gehalten wurde.[14] Seit der Gründung der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) war Kristen Mitglied dieser Organisation und wurde 1959 als 1. Landesvorsitzender gewählt. Nach seiner Wiederkehr war Kristen wie vor 1933 als Delegierter im Ortskartell der Gewerkschaft tätig.[15]

Josef Kristen spielt eine größere Rolle in der Narration der Stadt Uetersen als sein Bruder, da er sich als Zeitzeuge zur Verfügung stellte.[16]

Finn Meyer, 18, Q2f, Ludwig-Meyn-Schule in Uetersen

[1] Verantwortliche Vernehmung, Akt.-Zeichen: StA Flensburg 2 Js 114/59, Seite 1.

[2] Brief von Josef Kristen „An das Präsidium der VVN“, 2.1.1960, Seite 1.

[3] Brief von Josef Kristen „An das Präsidium der VVN“, 2.1.1960, Seite 2.

[4] Ebda.

[5] Ebda.

[6] Ebda.

[7] Brief von Josef Kristen „An das Präsidium der VVN“, 2.1.1960, Seite 3.

[8] Brief von Josef Kristen „An das Präsidium der VVN“, 2.1.1960, Seite 2.

[9] Brief von Josef Kristen „An das Präsidium der VVN“, 2.1.1960, Seite 3.

[10] Ebda.

[11] Brief von Josef Kristen „An das Präsidium der VVN“, 2.1.1960, Seite 5.

[12] Ebda.

[13] Ebda.

[14] Brief von Josef Kristen „An das Präsidium der VVN“, 2.1.1960, Seite 7.

[15] Ebda.

[16] Bringmann, Fritz, Die Freiheit lebt, VVN/Bund der Antifaschisten, Frankfurt am Main, 1983, Seite 57, 92.

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