Stolpersteine in Elmshorn: James Philipp – in hohem Alter deportiert und ermordet

Schulstrasse 38. Wohnhaus von Carl und Rieke Philipp. Foto: Gebäude Bild Nr. 15. Bombenschäden. Fotografiert von H. Koopmann. ©Stadtarchiv Elmshorn. Anmerkungen nach: http://www.stadtarchiv‐elmshorn.de/wer‐weiss‐was/wer‐weiss‐was‐gebaeude‐strassen/‐ Liselotte Bornholdt: Links ist die Rückfront des Weißen Hauses Schulstraße 36 abgebildet. Das rechte Gebäude ist später abgerissen worden, heute befindet dort der Parkplatz des Flora‐Gesundheitszentrums. ‐ Dr. Peter Danker‐Carstensen: Das ursprünglich sehr repräsentative Gebäude Schulstraße 38 wurde Ende des 19. Jahrhunderts für die Viehhandlung Gebrüder Gustav und Hugo Hertz gebaut. Es wurde nach der Zerstörung 1943 vereinfacht wiederaufgebaut.
Dokument der Gedenkstätte Theresienstadt (Terezin Tschechien) zu James Philipp Quelle: Arolsen Archiv
Gedenkstätte Hannoverscher Bahnhof. Der Hannöversche Bahnhof diente als Deportationsbahnhof für fast alle Transporte aus Hamburg.. Foto: Rudi Arendt
Deportationsdatum James Phillipp Gedenktafel Hannoverscher Bahnhof. Foto: Rudi Arendt
Gedenktafel Hannoverscher Bahnhof zu James Philipp. Foto: Rudi Arendt
Carl Philipp Grabstein auf dem jüdischen Friedhof Elmshorn. Foto: Harald Kirschninck
Grabstein Rieke Phillip auf dem jüdischen Friedhof Elmshorn. Foto: Harald Kirschninck
9. Juni 1943
Schulstraße 38/40, Elmshorn

HIER WOHNTE
JAMES PHILIPP
JG. 1872
DEPORTIERT 1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 18.10.1943

 

Die Patenschaft für den Stolperstein übernehmen die SchülerInnen des Leistungskurs Geschichte der Bismarckschule Schule Elmshorn mit ihrer Lehrkraft Steffen Münster.

Am 12.1.1872 bekamen Carl Philipp und Rieke Hertz die Zwillinge Henry und James, die am 20.1.1872 beschnitten wurden. Henry Philipp wurde nur drei Monate alt und verstarb am 22.4.1872.[1] James Philipp überlebte, wuchs in Elmshorn auf und heiratete später Susanna, geb. Löffler.[2] Vermutlich war Susanna evangelisch, da James laut Kennkarte den evangelischen Glauben annahm. (3) Sie bekamen zwei Kinder: Herbert und Robert.[3]

Herbert Philipp wurde am 19.3.1898 in Elmshorn geboren und starb nur zwei Tage später am 21.3.1898 an „Lebensschwäche“.[4]
Robert Philipp, geboren am 24.9.1899,[5] heiratete später Bertha Eva, bekam zwei Kinder, Heinz (1929) und Kurt (1931). Ihnen gelang am 4.10.1938 die Emigration mit dem Schiff „Stratheden“ über London nach Melbourne.[6] Sie wohnten nach dem Krieg in Prahran, einem Ortsteil von Melbourne.[7] Von Susanna wurden keine biografischen Daten bekannt.
James Philipp, der in der Schulstrasse 38, später in Hamburg lebte, wurde am 9.6.1943 (Ankunft 11.6.1943) mit dem Transport VI/7‐54 von Hamburg ins KZ Theresienstadt deportiert und verstarb dort am 18.10.1943.[8]

Harald Kirschninck

James Philipp zog 1902 nach Hamburg. Eine Adresse in Hamburg konnte weder beim Stadtarchiv, dem Einwohnermeldeamt Elmshorn, noch in den Einwohnermeldekarteien beim Staatsarchiv Hamburg ermittelt werden. James Philipp wurde von der Beneckestraße 6 (existiert heute nicht mehr), einem sogenannten „Judenhaus“ von Hamburg aus deportiert.

Über die Biografien der Familie Philipp siehe Kirschninck, Harald: Was können uns die Gräber erzählen, a.a.O., Bd. 1, S. 347ff

Anmerkungen:

[1] Zivilstandsregister Jüdische Gemeinde, Kirchenbuch

[2] Ebenda

[3] Kennkarte

[4] Kennkarte

[5] Kennkarte

[6] National Archives of Australia (Australian Government): http://recordsearch.naa.gov.au

[7] Ebenda

[8] Carlebach, Gillian (Hrsg.): Memorbuch zum Gedenken an die jüdischen, in der Schoa umgekommenen Schleswig‐Holsteiner und Schleswig‐Holsteinerinnen, a.a.O. Haeftlingsliste des Lagers Theresienstadt, Terezínská pametní kniha / Theresienstädter Gedenkbuch, Institut Theresienstädter Initiative, Band I–II: Melantrich, Praha 1995; Band III: Academia, Praha 2000. Gedenkbuch Berlin, a.a.O.
Zur Familie Carl Philipp ‐ veröffentlicht von Harald Kirschninck in: Was können uns die Gräber erzählen Band 1, Book on Demand

 

„Im Leben lieb und wert, Im Tode unvergesslich!“ Die Elmshorner Familie Philipp
James Philipp´s Vater Carl Philipp[1] wurde am 22.11.1842 in Elmshorn geboren.[2] Er heiratete Rieke, geboren am 24.12.1838 in Elmshorn als Tochter des Schlachters Philipp Hertz und Zierchen, geb. Hagenow.[3] Er erlernte das Schlachterhandwerk und war als Händler tätig. Sein Geschäft hatte er in der Johannesstrasse 10,[4] seine Wohnung in der Schulstrasse 38.[5] Das Ehepaar Philipp bekam sieben Kinder, von denen vier kurz nach der Geburt starben: Sara (1865), Ferdinand (1867), Jenny (1868), Clara (1870), Henry (1872), James (1872) und Max (1874).
Rieke Philipp starb am 8.5.1910 an den Folgen eines Schlaganfalls[6], Carl zehn Jahre später am 17.5.1920.[7]
Sara Selma Philipp, das erste Kind von Carl und Rieke Philipp, wurde am 18.12.1865 in Elmshorn geboren. Sie wurde Selma gerufen.[8]  Am 24.12.1889 heiratete Selma in Altona den aus Papencourt (Niederlande) stammenden Charles Philipp (geb. 2.5.1866).[9] Das Paar wohnte in Altona und bekam drei Kinder: Gertrud Rechel (1892), Richard Isaac (1894) und Walter (1897).
Die Ehe hielt nicht und wurde am 1.3.1905 in Altona geschieden.[10] Selma heiratete daraufhin am 12.12.1905 in Hamburg den evangelischen Seemann Ernst Wilhelm Wilke, geb. am 5.11.1868 in Klein‐Horst (Kreis Greifenberg).

Das Paar wohnte in Hamburg.[11] Selma starb am 21.2.1940 in Hamburg.[12] Ihr erster Ehemann Kaufmann Charles Philipp zog nach der Scheidung wieder in die Niederlande, wo er noch 1939 lebte.[13] Sein weiteres Schicksal ist ebenso wie das von Ernst Wilhelm Wilke unbekannt.
Das erste Kind von Selma, Gertrud Rechel Philipp, wurde am 26.5.1892 in Hamburg geboren. Sie wurde Artistin und heiratete am 19.1.1918 in Berlin den evang.‐lutherischen Mechaniker Paul Robert Fichtner, geb. am 18.12.1890 in Hannover.[14] Am 14.12.1942 wurde Gertrud von Berlin aus nach Auschwitz deportiert.[15]
Das zweite Kind von Selma, Richard Isaac Philipp, wurde am 19.9.1894 in Altona geboren.[16] Er wurde von Beruf Agent. Richard konnte aus Deutschland entkommen. Er heiratete im 2. Quartal 1940 in Kent (Großbritannien) Fanny Jeckel.[17] Am 19.1.1951 reiste er von Buenos Aires nach London in Begleitung einer Feiga Philipps. Im Juni 1975 verstarb Richard in London.[18]
Das dritte Kind von Selma Philipp war der am 8.1.1897 in Altona geborene Walter.[19] Walter wurde Schauspieler von Beruf und heiratete am 15.9.1920 in Hamburg Emma Bode, geb. am 15.9.1896 in Halle/Saale. Die Ehe hielt nicht und wurde am 16.4.1923 in Hamburg wieder geschieden.[20]  Walter fuhr mehrmals in die USA[21]  und konnte sich letztlich durch Auswanderung in die USA vor den Nationalsozialisten retten. Er starb am 1.7.1988 in Osceola in Florida.[22]
Das zweite Kind Ferdinand Philipp von Carl und Riecke Philipp wurde am 27.8.1867 in Elmshorn geboren, beschnitten am 7.9.1867, und nur sieben Monate alt. Er verstarb am 24.3.1868.[23]
Jenny Philipp, das dritte Kind, wurde ebenfalls nur fünf Monate alt. Sie wurde am 1.10.1868 geboren und verstarb am 14.3.1869.[24]
Das vierte Kind Clara Sara Philipp von Carl und Riecke wurde am 30.1.1870 in Elmshorn geboren. Sie heiratete am 31.5.1895 in Elmshorn den Kaufmann Julius Cohn.[25] Das Paar lebte in Hamburg. Nachdem ihr Mann gestorben ist, wurde Clara schwerkrank und lebte später in einem Pflegeheim in Hamburg (Johnsallee 54). Hier verstarb sie am 6.2.1940 an Magenkrebs und schwerer Anämie.[26]

Am 12.1.1872 gebar Rieke die Zwillinge Henry und James Jacob, die am 20.1.1872 beschnitten wurden. Henry Philipp wurde nur drei Monate alt und verstarb am 22.4.1872.[27]
James Jacob Philipp überlebte, wuchs in Elmshorn auf und heiratete später Susanna, geb. Löffler.[28] Vermutlich war Susanna evangelisch, da James laut Kennkarte den evangelischen Glauben annahm.[29] Sie bekamen zwei Kinder: Herbert und Robert.
James Jacob Philipp, der in der Schulstrasse 38, später in Hamburg lebte, wurde am 9.6.1943 (Ankunft 11.6.1943) mit dem Transport VI/7‐54 von Hamburg ins KZ Theresienstadt deportiert und verstarb dort am 18.10.1943.[30]  Von Susanna Philipp wurden keine biografischen Daten bekannt.
Herbert Philipp wurde am 19.3.1898 in Elmshorn geboren und starb nur zwei Tage später am 21.3.1898 an „Lebensschwäche“.[31]
Robert Philipp, geboren am 24.9.1899[32], heiratete später Bertha Eva, bekam zwei Kinder, Heinz (1929) und Kurt (1931). Ihnen gelang am 4.10.1938 die Emigration mit dem Schiff „Stratheden“ über London nach Melbourne.[33]
Sie wohnten nach dem Krieg in Prahran, einem Ortsteil von Melbourne.[34]
Max Philipp, das siebte und letzte Kind von Carl und Rieke Philipp, wurde am 10.10.1874 in Elmshorn geboren. Er wurde nur sieben Monate alt und starb am 9.5.1875.[35]

Harald Kirschninck

Anmerkungen:.

[1] Kennkarten, Personendatei Kirschninck

[2] Ebenda

[3] Zivilstandsregister der Jüdischen Gemeinde

[4] Hand‐ und Adressbuch des Kreises Pinneberg 1903 (Seite 254)

[5] Personendatei Kirschninck

[6] Kennkarte

[7] Kennkarte

[8] Kennkarte

[9] 9 Ancestry.com. Hamburg, Germany, Marriages, 1874‐1920 [database on‐line]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2015. Original data: Best. 332‐5 Standesämter, Personenstandsregister, Sterberegister, 1876‐1950, Staatsarchiv Hamburg, Hamburg, Deutschland. Und: Ancestry.com. Netherlands, Population Registers Index, 1720‐1944 [database on‐line]. Lehi, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2016. Original data: Bevolkingsregister. WieWasWie. https://www.wiewaswie.nl/: accessed 24 May 2016.

[10] ebenda

[11] Ancestry.com. Hamburg, Germany, Marriages, 1874‐1920 [database on‐line]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2015. Original data: Best. 332‐5 Standesämter, Personenstandsregister, Sterberegister, 1876‐1950, Staatsarchiv Hamburg, Hamburg, Deutschland

[12] Ancestry.com. Hamburg, Germany, Deaths, 1874‐1950 [database online]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2015. Original data: Best. 332‐5 Standesämter, Personenstandsregister, Sterberegister, 1876‐1950, Staatsarchiv Hamburg, Hamburg, Deutschland.

[13] Ancestry.com. Netherlands, Population Registers Index, 1720‐1944 [database on‐line]. Lehi, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2016. Original data: Bevolkingsregister. WieWasWie. https://www.wiewaswie.nl/: accessed 24 May 2016.

[14] Ancestry.com. Berlin, Germany, Marriages, 1874‐1920 [database online]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2014. Original data: Heiratsregister der Berliner Standesämter 1874 ‐ 1920. Digital images. Landesarchiv, Berlin, Deutschland.

[15] http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1015006

[16] Ancestry.com. Hamburg, Germany, Births, 1874‐1901 [database online]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2015. Original data: Best. 332‐5 Standesämter, Personenstandsregister, Sterberegister, 1876‐1950, Staatsarchiv Hamburg, Hamburg, Deutschland.

[17] Ancestry.com. England & Wales, Civil Registration Marriage Index, 1916‐2005 [database on‐line]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc, 2010. Original data: General Register Office. England and Wales Civil Registration Indexes. London, England: General Register Office. © Crown copyright. Published by permission of the Controller of HMSO and the Office for National Statistics. You must not copy on, transfer or reproduce records without the prior permission of ONS. Indexes created by the General Register Office, in London, England.

[18] Ancestry.com. England & Wales, Civil Registration Death Index, 1916‐2007 [database on‐line]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations Inc., 2007. Original data: General Register Office. England and Wales Civil Registration Indexes. London, England: General Register Office. © Crown copyright. Published by permission of the Controller of HMSO and the Office for National Statistics. You must not copy on, transfer or reproduce records without the prior permission of ONS. Indexes created by the General Register Office, in London, England

[19] Ancestry.com. Hamburg, Germany, Births, 1874‐1901 [database online]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2015. Original data: Best. 332‐5 Standesämter, Personenstandsregister, Sterberegister, 1876‐1950, Staatsarchiv Hamburg, Hamburg, Deutschland.

[20] Ancestry.com. Hamburg, Germany, Marriages, 1874‐1920 [database on‐line]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2015. Original data: Best. 332‐5 Standesämter, Personenstandsregister, Sterberegister, 1876‐1950, Staatsarchiv Hamburg, Hamburg, Deutschland.

[21] Staatsarchiv Hamburg. Hamburg Passenger Lists, 1850‐1934 [database on‐line]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2008. Original data: Staatsarchiv Hamburg, Bestand: 373‐7 I, VIII (Auswanderungsamt I). Mikrofilmrollen K 1701 ‐ K 2008, S 17363 ‐ S 17383, 13116 ‐ 13183.

[22] Ancestry.com. U.S., Department of Veterans Affairs BIRLS Death File, 1850‐2010 [database on‐line]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2011. Original data: Beneficiary Identification Records Locator Subsystem (BIRLS) Death File. Washington, D.C.: U.S. Department of Veterans Affairs. Und: Ancestry.com. Florida Death Index, 1877‐1998 [database on‐line]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations Inc, 2004. Original data: State of Florida. Florida Death Index, 1877‐1998. Florida: Florida Department of Health, Office of Vital Records, 1998.

[23] 23 Zivilstandsregister Jüdische Gemeinde, Kirchenbuch

[24] ebenda

[25] ebenda

[26] Ancestry.com. Hamburg, Germany, Deaths, 1874‐1950 [database online]. Provo, UT, USA: Ancestry.com Operations, Inc., 2015. Original data: Best. 332‐5 Standesämter, Personenstandsregister, Sterberegister, 1876‐1950, Staatsarchiv Hamburg, Hamburg, Deutschland.

[27] Zivilstandsregister Jüdische Gemeinde, Kirchenbuch

[28] Ebenda

[29] Ebenda

[30] Carlebach, Gillian (Hrsg.): Memorbuch zum Gedenken an die jüdischen, in der Schoa umgekommenen Schleswig‐Holsteiner und Schleswig‐Holsteinerinnen, a.a.O.

[31] Kennkarte

[32] Kennkarte

[33] Kennkarte National Archives of Australia (Australian Government): http://recordsearch.naa.gov

[34] Ebenda

[35] Kennkarte

Veröffentlicht von Rudi Arendt am

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