Stolpersteine für die Familie Dedoscha

19. Dezember 1943
Austraße, Barmstedt
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Zum Gedenken an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und deren Kinder, die den „Reichseinsatz” nicht überlebt haben, hat der Künstler Gunter Demnig am 03 Dezember 2015 sechs Stolpersteine in Barmstedt verlegt. An der Austraße vor dem Gelände der ehemaligen Wachsfabrik Schlickum erinnern jetzt vier Stolpersteine an die Familie Dedoscha aus der Sowjetunion. Dunja und Peter Dedoscha gehörten zu den zehn Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die in der Wachsfabrik zur Arbeit gezwungen wurden. Ihre zwei Kinder Iwan und Valentina haben nicht überlebt. Iwan durfte nur zwei Jahre alt werden. Er starb im Dezember 1943. Seine Schwester Valentina wurde nur drei Jahre alt und starb im Januar 1944.

Zwei Stolpersteine wurden an der Mühlenstraße verlegt. Dort war die Polin Franziska Plasczyk mit ihrem Sohn Adam untergebracht. Die AG Stolpersteine vermutet, dass Franziska zu den 104 polnischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern gehörte, die in der Konservendosenfabrik Zeigmeister (später Züchner) arbeiten mussten. Ihr Sohn wurde eindreiviertel Jahre alt und starb 1945.

Die AG Stolpersteine für Barmstedt hat die Verlegungen in Kooperation mit den 10. Klassen der Gemeinschaftsschule und den Oberstufenschülern des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker- Gymnasiums durchgeführt. So haben auch an den Verlegungen in der Austraße Schüler des Gymnasiums und in der Mühlenstraße Schüler der Gemeinschaftsschule teilgenommen. Um 12:30 Uhr fand auf Einladung des Gymnasiums eine Veranstaltung mit dem Künstler Gunter Demnig statt. Er berichtete über die Entstehungsgeschichte der Stolpersteine und beantwortete in der anschließenden Diskussion die Fragen der Schüler. An der Abendveranstaltung, die um 19:00 Uhr in der Aula der Gemeinschaftsschule stattfand, nahm auch die Bürgermeisterin Frau Heike Döpke mit einem Grußwort teil. Neben Wortbeiträgen zur Zwangsarbeit beteiligten sich außerdem der Schülerchor mit Band, und die 10. Klassen hatten für die Pause ein Catering organisiert.Die Einnahmen sammelten die Schüler für einen Grabstein, der mit weiteren Steinen im nächsten Jahr auf dem Gräberfeld der Zwangsarbeiter auf dem Barmstedter Friedhof verlegt werden soll. In der Vorbereitung der Stolpersteinverlegungen hat die AG Stolpersteine eine achtseitige Handreichung über Zwangsarbeit in Barmstedt 1940 bis 1945 erstellt und den Schulen als Informationsmaterial übergeben. Dort heißt es im Einleitungstext: „Während des Zweiten Weltkriegs wurden im Deutschen Reich auf nahezu jeder Baustelle und jedem Bauernhof, in jedem Industriebetrieb, aber auch in zahlreichen Privathaushalten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt und ausgebeutet. Männer, Frauen und sogar Kinder: Im Herbst 1944 wurden ca. 10 Millionen Ausländer in Deutschland zur Arbeit gezwungen – damals über 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung. Sie kamen aus allen von der deutschen Wehrmacht eroberten und besetzten Ländern. Fritz Sauckel, der Generalbevollmächtigte für den Einsatz ausländischer Arbeitskräfte im Reich, erklärte auf einer Konferenz der Zentralen Planung zur Arbeitsbeschaffung im März 1944: „Von den Millionen ausländischen Arbeitskräften, die nach Deutschland gekommen sind, sind keine 200.000 freiwillig gekommen.” Jeder sah sie arbeiten und leiden, doch nach dem Krieg wollte niemand von ihnen gewusst haben. Die meisten von ihnen, die den „Reichseinsatz” überlebt haben, warteten und warten noch vergebens auf eine Entschädigung.”

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