Pastor Detlef Juhl, „Deutscher Christ” und von der Gestapo beobachtet

4. Juni 1922
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Pastor Detlef Juhl (*12. Sept. 1883 Friedrichstadt †2. Nov. 1954 Hamburg) war zunächst von Herbst 1909 bis Herbst 1910 Provinzialvikar in Kosel (Schwansen) und anschließend bis 1922 Kompastor in Hennstedt (Dithmarschen). Am 4. Juni 1922 wurde er in sein Amt in der ev.-luth. Kirchengemeinde in Horst eingeführt. Er bezog mit seiner Familie das Pastorat in der Bahnhofstraße 1. 1933 war er zunächst Mitglied der NSDAP-nahen Organisation „Deutsche Christen”, trat jedoch im Herbst des Jahres wieder aus und schloss sich dem „Pfarrernotbund” (später: „Bekennende Kirche”) an. Als der Gemeindevorsteher Heinrich Stamerjohann ihn im April 1933 fragte: „Soll ich PG. [Parteigenosse der NSDAP] werden?“, riet er ihm zum Eintritt in die Partei mit der Begründung: „Vielleicht können Sie der Gemeinde damit nützen, vielleicht die Beamten des Amtsbüros dadurch schützen.“ Als 1934 in Horst die Siebenhundert-Jahr-Feier ausgerichtet wurde, die als Propagandaveranstaltung der NSDAP aufgezogen wurde, war Pastor Juhl einer der maßgeblichen Initiatoren. 1941 wurde Juhl nach einer Denunziation von der Gestapo bespitzelt und verhört, weil er mit Jugendlichen nichtgeistliche Lieder gesungen hatte. Eine Festnahme erfolgte jedoch nicht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs setzten für die ehemaligen NSDAP-Funktionäre die Entnazifizierungsverfahren ein. Da ein gutes Leumundszeugnis von einem Pastor der Bekennenden Kirche eine mildere Beurteilung versprach, wurde Juhl von vielen ehemaligen NSDAP-Mitgliedern gebeten, ihnen einen solchen „Persilschein“ auszustellen, was er auch bereitwillig tat. Im Dez. 1945 wurde Pastor Juhl von der britischen Militärregierung in die erste Horster Gemeindevertretung nach Kriegsende berufen.
Die von Pastor Juhl während der NS-Zeit geführte Kirchenchronik wird von der Horster Kirchengemeinde bis heute unter Verschluss gehalten.

Quelle: Horst Lexikon, Horst 2009

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