Max Kellermann – Verfolgung Andersdenkender

31. Dezember 1944
Friedrichsgaber Straße 37, Quickborn
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Der Stolperstein für Max Kellermann:

HIER WOHNTE

MAX KELLERMANN

JG. 1897

MEHRMALS VERHAFTET

KZ-AUSSENLAGER

FINKENWERDER

TOT 31.12.1944

 

Max Kellermann (Die Biographie Max Kellermann wurde erarbeitet von Schülerinnen und Schülern des ElsenseegymnasiumsQuickborn)

Im Jahre 1933 kam das nationalsozialistische Regime an die Macht. Auch hier in Quickborn konnte man die Folgen dessen spüren. Ein Beispiel dafür ist der Fall Max Kellermanns. Der ehemalige Polizist beschwerte sich im August 1933, nach der Durchsuchung seines Hauses durch die SA, beim Amtsvorsteher, von der SA misshandelt worden zu sein.Im September 1933 zeigte ihn eine Hausfrau an, weil er gesagt habe, würde er mit seiner Klage wegen Körperverletzung nicht weiterkommen, würde er in einjüdisches Krankenhaus gehen, da er dort die richtigen Leute treffen würde.

In Folge dessen kam er einen Monat in Schutzhaft, in der er einen weiteren Beschwerdebrief an die SA-Einheit in Altona schrieb. Er war sich über das Ausmaß der Bedrohung offensichtlich nicht im Klaren.  1937 folgte eine weitere Haftstrafe wegen Beleidigung des Leiters einer Wohlfahrtsbehörde. Dagegen legte er Berufung ein, wodurch sich die Haftstrafe verlängerte.  Letztendlich starb er am 31. Dez. 1944 in einem Aussenlager des KZ Neuengamme an den Folgen der Haft.

War Max Kellermann naiv, weil er nicht erkannte, welcher Macht er gegenüber stand? Oder war er mutig, weil er sich nicht einschüchtern ließ und sich wehrte?  Sein Schicksal ist auf jeden Fall ein trauriges Beispiel für die Willkür und Brutalität, der Menschen während der NS-Diktatur schutzlos ausgeliefert waren.

Max Kellermanns Geschichte ist die Geschichte eines Mannes, der immer wieder in Konflikt mit den Machthabern geriet.  Er wurde, wie viele andere Bewohner der Quickborner-Heide „kommunistischer Umtriebe“ bezichtigt. Bei der groß angelegten Massendurchsuchung vom 25.8.1933 wurde er verprügelt, ließ es aber nicht dabei bewenden, sondern schrieb einen Beschwerdebrief an den Amtsvorsteher.  Wenige Wochen später wurde er von einer Hausfrau denunziert und kam schon am nächsten Tag für 1 Monat in „Schutzhaft“ in das KZ Kuhlen (Rickling bei Bad Segeberg). Dieses KZ war eigens eingerichtet für solche Personen „die im Interesse der öffentlichen Sicherheit“ in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt werden sollten.

Max Kellermann wurde wegen „kommunistischer Umtriebe“ und „Verunglimpfung der nationalsozialistischen Bewegung“ eingesperrt.  Nach seiner Entlassung gab Kellermann nicht auf. In den Jahren 1936 und 1937 formulierte er mehrere Eingaben und Beschwerden und stellte sogar  einen Strafantrag. Für die NSDAP-Kreisleitung gehörte er wegen seiner „regimekritischen Äußerungen“ schon lange zum Kreise der „Meckerer und Miesmacher“, so daß der Quickborner Ortsgruppenleiter darum bat, Kellermann erneut in ein KZ einzuweisen.

Kellermann kam noch einmal davon, musste aber eine Verpflichtung unterschreiben, sich künftig „jeglicher unberechtigten Anschuldigungen“ gegen örtliche Dienststellen oder die Polizei zu enthalten, anderenfalls käme er wieder in Schutzhaft.  Offensichtlich hat diese Verwarnung nicht lange vorgehalten, denn Max Kellermann hörte nicht auf, seine Rechte einzufordern. In einem weiteren Prozess vor dem Elmshorner Schöffengericht wurde er zu vier Monaten Gefängnis in der Justizvollzugsanstalt Neumünster verurteilt.

In den 1940er Jahren griff die Staatsmacht wieder zu. Unter dem Vorwurf des verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen wurden zumeist Frauen belangt, die nicht die gewünschte Distanz zu Kriegsgefangenen gewahrt hatten. Sie kamen meist mit einigen Monaten Gefängnis davon.  Auch Max Kellermann wurde beschuldigt, während seiner Arbeit bei einer Firma in Hamburg-Stellingen verbotenen Kontakt zu einer Russin gehabt zu haben. Daraufhin wurde er von der Hamburger Gestapo verhaftet und in das KZ Neuengamme überführt. In diesem KZ und seinen über 80 Außenlägern waren in der Zeit von 1938 bis 1945 etwa 106.000 Menschen inhaftiert. 40 bis 55 Tausend überlebten die Haft nicht.  Max Kellermann starb am 31. Dezember 1944 im KZ Aussenlager der Deutschen Werft in Hamburg-Finkenwerder im Alter von 46 Jahren.

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