Hermann Hinrich Heydorn (1886-1951), Buchdruckereibesitzer, Stadtvertreter und Vorstandsmitglied

Firma C.D.C. Heydorn, in: Brütt/Scharfenstein, Uetersen und seine Einwohner, Uetersen 1995, S. 149
Auszug Entnazifizierungsakte Hermann Heydorn im Landesarchiv Schleswig-Holstein Abt. 460.9 Nr. 212
12. März 1933
Großer Sand 3, Uetersen

Geboren am 15.11.1886 in Uetersen[1] als zweiter Sohn von Carl Dietrich Conrad (C.D.C.) Heydorn und Catharina, geb. Trede.[2] Er ist evangelischer Religion[3], wuchs mit Bruder Carl (*1883) und Schwester Emma (*1885) auf[4] und besuchte von 1893 bis 1902 die Mittelschule in Uetersen.[5]

Er „…trat im Jahr 1909 in die Firma ein, nachdem er die Mittelschule, die Handelsschule und eine kaufmännische Lehre absolviert hatte.“[6] Der Vater übergab die Firma C.D.C. Heydorn 1912 an die beiden Söhne Carl und Hermann; Hermann war der kaufmännische Leiter.[7]

Hermann Heydorn heiratet am 05.11.1910 Minna Hatje[8]; aus der Ehe gehen Sohn Carl-Heinz (*1911) und Tochter Irma (*1913) hervor.

Vom Militärdienst ist Hermann Heydorn „auf Reklamation“ zurückgestellt. In der Uetersener Schützengilde ist er seit 1912 Mitglied und seit 1913 Schriftführer.[9]

Heydorn gibt an, vor 1933 Mitglied der „Deutsch-Demokratischen Partei“ gewesen zu sein und will im Nov. 1932 und im März 1933 jeweils „Deutsche Volkspartei“ gewählt haben.[10]

Als Kandidat des Wahlvorschlages „Nationaler Zusammenschluss“ wird Heydorn am 12.03.1933 als Stadtverordneter (= Stadtvertreter) gewählt.[11]

Nach eigenen Angaben ist Hermann Heydorn kein Mitglied der NSDAP gewesen; die Mitgliedschaft in der DAF[12] und in der NSV[13] seit 1937 bejaht er. Seit 1934 war er Mitglied in der Reichsschrifttumskammer und seit 1936 in der Reichspressekammer. Weiterhin ist er Mitglied im NS-Reichskriegerbund und im Reichsluftschutzbund gewesen.[14]

Einkommensquelle sind zwischen 1931 und 1945 Gewinnentnahmen aus dem eigenen Geschäft.[15]

Seit 1935 war Heydorn ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Spar- und Leihkasse Uetersen. Für diese Tätigkeit hat er bereits im Juli 1945 einen Fragebogen abgegeben.[16] In diesem wird nur die Mitgliedschaft im NS-Reichskriegerbund und in der NSV eingeräumt; die Mitgliedschaft in der NSDAP wird von ihm verneint ebenso wie die Frage, ob er einer politischen Partei als Mitglied vor 1933 angehört habe.[17]

Hermann Heydorn „gilt wegen geringer Belastung als tragbar“[18] und wird vom deutschen Entnazifizierungsausschuss „einstimmig zur Beibehaltung vorgeschlagen“.[19]

Sohn Carl-Heinz blieb nach dem Krieg verschollen.[20]

Hermann Heydorn starb am 11.11.1951 in Uetersen.[21] „Den Verlust seines Sohnes und Nachfolgers hatte er nicht verwunden. Gesellschaftsrechtlich nahm seine Tochter Irma von Ziehlberg seine Stelle ein.“[22]

 

Erhard Vogt, Mai 2015

 

[1] Vgl. Entnazifizierungsakte Hermann Heydorn im Landesarchiv S-H Abt. 460.9 Nr. 212

[2] Vgl. R. v. Ziehlberg, in: 150 Jahre Uetersener Nachrichten, Uetersen 2014, S. 8 f

[3] Vgl. Entnazifizierungsakte Hermann Heydorn im Landesarchiv S-H Abt. 460.9 Nr. 212

[4] Vgl. R. v. Ziehlberg, in: 150 Jahre Uetersener Nachrichten, Uetersen 2014, S. 9

[5] Vgl. Entnazifizierungsakte Hermann Heydorn im Landesarchiv S-H Abt. 460.9 Nr. 212

[6] R. v. Ziehlberg, in: 150 Jahre Uetersener Nachrichten, Uetersen 2014, S. 9

[7] Vgl. ebda., S. 10 f

[8] Vgl. eMail von R. v. Ziehlberg am 07.05.2015 an den Verf.

[9] Vgl. Entnazifizierungsakte Hermann Heydorn im Landesarchiv S-H Abt. 460.9 Nr. 212

[10] Vgl. ebda.

[11] Vgl. Uetersener Nachrichten vom 14.03.1933

[12] DAF = Deutsche Arbeitsfront; in der Nazi-Zeit Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber; seit Okt. 1934 der NSDAP angeschlossen (vgl. Wikipedia)

[13] NSV = Nationalsozialistische Volkswohlfahrt; seit Mai 1933 zur Parteiorganisation der NSDAP erhoben (vgl. Wikipedia)

[14] Vgl. Entnazifizierungsakte Hermann Heydorn im Landesarchiv S-H Abt. 460.9 Nr. 212 – Der Fragebogen ist am 07.09.1946 unterschrieben worden; als Zeuge fungiert Bruder Carl.

[15] Vgl. ebda.

[16] Vgl. ebda. – Dieser Fragebogen wurde am 18.07.1945 vom Zeugen Wesch (?) unterschrieben.

[17] Vgl. ebda. – „Eine NSDAP-Mitgliedschaft war nicht festzustellen, wobei die Parteizugehörigkeit nicht definitiv ausgeschlossen werden kann, da die Kartei lediglich zu 80 % überliefert ist.“ (Antwort des Bundesarchivs vom 29.04.2015 auf eine Anfrage d. Verf.)

[18] Entnazifizierungsakte Hermann Heydorn im Landesarchiv S-H Abt. 460.9 Nr. 212

[19] Ebda.

[20] Vgl. L. v. Ziehlberg, in: 150 Jahre Uetersener Nachrichten, Uetersen 2014, S. 16

[21] Vgl. eMail von R. v. Ziehlberg am 07.05.2015 an den Verf.

[22] Ebda.

Veröffentlicht von Erhard Vogt am

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