Bad Sandfurt

22. Juni 1929
Tangstedter Straße, Quickborn
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Am Rande der Landgemeinde Quickborn an der Tangstedter Straße betrieb der Gastwirt Jasper Schomacker den idyllischen „Naturpark Bad Sandfurt“.1 Hier konnten Einheimische und Auswärtige bei Wanderungen und Ausflügen eine Rast einlegen und sich in der angelegten Badestelle abkühlen. Hier hatte auch die Hitler-Jugend (HJ) zum ersten Mal in Quickborn eine Versammlung abgehalten. Zu einer „Sonnenwendfeier“ fanden sich am 22. Juni 1929 100 junge Teilnehmer ein. Da es noch keine HJ-Ortsgruppe in Quickborn gab, kamen die Hitler-Jungen ausschließlich aus Hamburg und Lüneburg. In der Heimatpresse wurde wohlwollend und voller Lob von dieser Veranstaltung berichtet. Das Pinneberger Tageblatt schrieb:

Sonnenwendfeier in Bad Sandfurth. Am Sonnabend entwickelte sich in Bad Sandfurt trotz des regnerischen Wetters ein reges Leben und Treiben. Die national-sozialistische Jugendorganisation der Hitler-Jugend und der Geusen feierten hier ihre Sonnenwende, welches Fest zahlreiche Zuschauer aus Quickborn und den umliegenden Dörfern herbeigelockt hatte. Um etwa 10.45 Uhr marschierten von Ochsenzoll kommend mehr als 100 Mann jung-nationaler Jugendbünde aus Hamburg und Lüneburg unter Gesang in Bad Sandfurt auf. Von hier aus ging es nach der Mohrschen Weide im Königsgehölz, wo ein ansehnlicher Reisighaufen zum Abbrennen des Johannisfeuers aufgeschichtet war. Nach dem Absingen alter Kampf- und Trutzlieder wurden verschiedene Feueransprachen gehalten, durch die der Zorn über die Schmach unseres Vaterlandes und der feste Wille, die Schmach abzuwaschen, hindurch klang. Man gedachte der im Weltkriege gefallenen Helden, die Gut und Blut für ihr Vaterland einsetzten und gelobte, sich ihrer würdig zu erweisen. Besonders ergreifend war der Vortrag des „Pidder Lüng“, der uns zeigt, daß die Liebe zur Freiheit und zur Befreiung aus der Knechtschaft über alles gehen soll. Er soll ein Vorbild für das deutsche Volk sein. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Pariser Verhandlungen nicht nur die jetzige Generation, sondern darüber hinaus sogar die noch nicht geborenen Kinder zu Sklaven des internationalen Kapitals, d.h. der Siegerstaaten mache. Eine Schmach, wie sie dem deutschen Volke angetan sei, finde in der Geschichte nicht ihresgleichen. Der Holzstoß flammte empor, eine riesige Fackel, von der sich im Hintergrund der dunkle Buchenwald abhob, ein imposanter Anblick. Mit einem „Rütli-Schwur“ endete die erhebende Feier. Es lässt sich nicht leugnen, die helle Begeisterung, die opferbereite Hingabe an das Vaterland machten auf die Zuhörer einen tiefen, nachhaltigen Eindruck, der nicht so leicht wieder verwischt wird. Nach der Feier entwicklete sich ein interessantes Lagerleben, das die national-deutsche Jugendbünde in Zelten verbrachte.2

Auch die Hamburger Nachrichten berichteten von der Veranstaltung:

Sonnenwende der nationalsozialistischen Jugend. Am 22. Juni beging die nationalsozialistische Jugend Hamburgs Geusen- und Hitler-Jugend, die Sonnenwende. Nach einem zweistündigen Marsch rückten die Scharen geschlossen auf den Feuerplatz bei Renzel ein. Wohl 300 Bauern und Gesinnungsfreunde säumten im weiten Rund ds Feld. Fackelschein erhellte die dunkle Nacht. Da erklang vielhundertstimmig das alte Reiterlied: ‚Wohlauf Kameraden aufs Pferd, aufs Pferd…‘ Spruch, Lied und Sprechchor wechselten miteinander ab, bis der Holzstoß, von den Führern mit Worten der Freiheit begleitet, entzündet wurde. Sonnenwendlied und Worte des Gauführers kündeten vom Wollen und Wirken, wiesen den Volksgenossen, daß höher als alle fehlenden Wafen der unbeugsame Wille zum Widerstand stehe. Zum Gedächtnis der Toten wurde alsdann ein Eichenkranz dem Feuer übergeben. Der Sonntag vereinigte die Jungen nach dem im Zeltlager verbrachten Rest der Nacht zur Morgenfeier, zum Waldlauf und Sport.3

Fußnoten

  1. Pinneberger Tageblatt (PT), 29.06.1928.
  2. PT, 24.06.1929.
  3. Hamburger Nachrichten, 27.06.1929.

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