Alwine Pernack

Heideweg, Quickborn Schlagwörter , , ,

Alwine Pernack, geborene Essegern, wurde 1883 in Altona geboren und besuchte in Trittau die Volksschule. Beruflich war sie anschließend als Hausgehilfin und Reinemachfrau tätig. 1914 heiratete sie den Arbeiter Johannes Pernack. Aus der Ehe gingen die Söhne Alwin und Helmuth hervor, mit denen sie zunächst in Altona-Ottensen lebte.1 Alwine Pernack war eine politisch interessierte Frau. 1930 schloss sie sich der KPD und der Roten Hilfe an, einer politischen Hilfsorganisation, die sich gegen staatliche Repressionen gegenüber der Arbeiterbewegung wandte.2

Auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb sie ihren politischen Überzeugungen treu und engagierte sich gegen die Nazis, indem sie an der illegalen Weiterverbreitung der kommunistischen Publikationen „Hamburger Volkszeitung“, „Rote Fahne“ und „Klassengewerkschaftler“ mitwirkte. Sie verwahrte diese Schriften bei sich in der Wohnung in Ottensen und teilte diese insgeheim an weitere Personen aus. Nach einer Denunziation flog die Sache auf und Alwine Pernack wurde am 17. Mai 1934 in „‚Schutzhaft“ genommen und mit acht weiteren Kommunisten vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt.3 Während der Vernehmung wurde sie durch die Gestapo misshandelt und zunächst für 14 Tage in Einzelhaft und acht Tage in eine Dunkelkammer eingesperrt. Nach einem Jahr Haft wurde sie im Mai 1935 entlassen.4 Im Jahr ihrer Entlassung wurde der Sohn Alwin ebenfalls wegen Vorbereitung zum Hochverrat festgenommen und 1936 zu einer 3-jährigen Zuchthausstrafe verurteilt.5

Wenige Wochen nach der Verhaftung von Alwine Pernack zog der Ehemann mit dem jüngsten Sohn nach Quickborn-Heide in den Heideweg, wohin die Mutter nach der Haftentlassung hinzukam.6 Hier lebte die Familie zurückgezogen unter ärmlichen Bedingungen in einem Holzhaus, das mit Dachpappe benagelt war7 und nicht über einen befestigten Fußboden verfügte8

Der älteste Sohn Alwin hatte sich nach Verbüßung der Zuchthausstrafe das Leben genommen.9 Der zweite Sohn Helmuth verstarb 1943 im Krieg.10 Ihren Ehemann Johannes Pernack, der bei der Firma Lenschow in Quickborn-Heide arbeitete,11 verlor sie wenige Wochen vor Kriegsende im März 1945. Er verstarb mit 56 Jahren vermutlich im Kreiskrankenhaus Pinneberg.12 Nach dem Krieg wurde sie wieder Mitglied der kommunistischen Partei und von dem KPD-Vorsitzenden Julius Stubbe unterstützt. Die mittellose Frau verstarb im Juli 1950 mit 67 Jahren. Die Finanzierung des Grabes auf dem Quickborner Nordfriedhof wurde von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) übernommen.13 Noch heute ist der Grabstein, inzwischen ebenerdig versetzt, auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofes zu besichtigen. Das Wiedergutmachungsverfahren in der Nachkriegszeit verlief äußerst schleppend. Eineinhalb Jahre nach dem Tod von Alwine Pernack wurde ihr Antrag auf Haftentschädigung vom Landesinnenministerium stattgegeben.14

 

 

Fußnoten

  1. Landesarchiv Schleswig-Holstein (LASH), Abt. 761 Nr. 18570.
  2. LASH, Abt. 761 Nr. 18570. Unterlagen der VVN Hamburg.
  3. Bundesarchiv Berlin, FBS 110/3058 (NJ 16442).
  4. LASH, Abt. 761 Nr. 18570.
  5. Staatsarchiv Hamburg (SAHH), 351-11 Amt für Wiedergutmachung/33410.
  6. Einwohnermeldeamt Quickborn, Meldekarte Johannes Pernack.
  7. Zeitzeugengespräch mit Kurt H., Quickborn 30.07.2007.
  8. Zeitzeugengespräch mit Charlotte B., Quickborn 01. u. 13.09.1994.
  9. Hoch, Gerhard: ‚Es war eine furchtbare Zeit‘. Ein Grab vergessener Widerstandskämpfer, in: Heimatspiegel vom 20.02.1986.
  10. LASH, Abt. 761, Nr. 18570.
  11. Pinneberger Tageblatt, 24.01.1940.
  12. Kirchenarchiv Quickborn, Standesamtliche Bescheinigungen 29.
  13. Friedhofsverwaltung Quickborn, Grabregister für den neuen Kirchfriedhof Quickborn 1892.
  14. LASH, Abt. 761 Nr. 18570.

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