30. Januar Pinneberg: Kein Licht für Kriegsverherrlichung

Kein Licht für Kriegsverherrlichung

Pinneberg. „Dieses Schwert hat nichts, aber auch gar nichts mit einer höheren göttlichen Gerechtigkeit zu tun, wie jemand kürzlich behauptete. Um das festzustellen, braucht man nicht mal Theologe zu sein“. So Propst Thomas Drope auf der Protestkundgebung der Initiative „Mahnmal statt Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof“ vor dem 1934 von den Nazis eingeweihten 10 Meter hohen „Ehrenmal“. CDU-Ratsvertreter stehen nun mit dem Hinweis, das Schwert des Denkmals stehe für die Gerechtigkeit Gottes, ziemlich alleine da.

Ein Bündnis aus kirchlichen Vertretern sowie der jüdischen Gemeinde, dem DGB als auch der Ratsfraktion der Grünen und Unabhängigen und Landtagsabgeordneten der SPD bezogen am 30. Januar mit 80 Menschen öffentlich Stellung gegen den erst kürzlich von der Stadt mit 58 000 € restaurierten und mit neuen Strahlern martialisch in Szene gesetzten Kriegsklotz. Die Initiative sieht das als Missachtung des klaren Votums der Ratsversammlung. Diese beschloss am 20. Juli letzten Jahres: „Das Kriegerdenkmal… ist ein Zeitzeugnis, das an die im 1. Weltkrieg ums Leben gekommenen Soldaten erinnert. Dieses Denkmal soll künftig genutzt werden, um an das Morden aller Kriege zu erinnern und zum Nachdenken anregen.“ Der Ausschuss für Stadtentwicklung wurde beauftragt, mit Unterstützung der Verwaltung eine „zusätzliche Darstellung zur Erinnerung und Mahnung an diesem Denkmal anzubringen sowie eine Arbeitsgruppe Denkmal zu gründen.“

Nun wird die Arbeitsgruppe eingesetzt, unter Teilnahme aller Ratsfraktionen, hoffentlich auch Propst Drope sowie einem Vertreter der Initiative. Geplant ist zunächst eine öffentliche Anhörung und dann ein Wettbewerb für eine künstlerische Erweiterung des Bauwerks, um dem Auftrag der Ratsversammlung gerecht zu werden. Die Initiative hatte bereits zur Auftaktveranstaltung  am 20. Juni 2017 in der Christuskirchengemeinde Pinneberg den bereits existierenden amtlichen Denkmalschutz gegen Forderungen verteidigt, das Bauwerk abreißen zu lassen und damit Geschichte vergraben zu wollen.

Die Protestkundgebung gegen die überraschende Anstrahlung und Glorifizierung des Bauwerks zeigte Wirkung, die Stadtverwaltung beschloss bereits vor der Kundgebung, die Beleuchtung vorerst ständig auszuschalten. Damit wäre auch die angekündigte  Verhüllung der NS-Säule verhindert worden, aber die Kundgebungsteilnehmer und der NDR hatten genug Leuchtmittel mitgebracht.

(Rudi Arendt)

 

Kundgebung
Protestkundgebung am 30. Januar 2018 (Foto: Jochen Hilbert)

 

Einweihung des Kriegerdenkmals durch Bürgermeister Backhaus im Juli 1934 (Foto: Geschichtswerkstatt Pinneberg)

Einweihung 1934 durch Bürgermeister Backhaus (Foto: VHS-Geschichtswerkstatt Pinneberg)

 

Kriegerdenkmal, Pinneberg 2017 (Foto: Marlise Appel)

Nach der „Entnazifizierung“ nach 1945 und vor der Restauration 2016 (Foto: Marlise Appel)

 

Kriegerkultmal

Nach der Restauration 2017 mit neuen Strahlern. (Foto: Jochen Hilbert)

 

Ausführliche Informationen über die Geschichte und Bedeutung des Kriegsdenkmals:

http://www.denk-mal-gegen-krieg.de/ >Pinneberg

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Kriegerdenkmal-in-Pinneberg-Diskussion-haelt-an,pinnebergerdenkmal100.html

https://www.spurensuche-kreis-pinneberg.de/spur/das-denkmal-am-pinneberger-bahnhofsvorplatz/

 

 

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