Das Denkmal am Pinneberger Bahnhofsvorplatz

1. Juli 1934
Rockvillestraße, Pinneberg
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Das Denkmal am Pinneberger Bahnhofsvorplatz, 1934 eingeweiht, ist der einzige Neubau eines Denkmals für die im Ersten Weltkrieg umgekommenen Soldaten im Kreis Pinneberg aus der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft.1 Möglicherweise kam gerade in Pinneberg – aufgrund der »Denkmalsstruktur« der Stadt2 – der Beschluss, an zentraler Stelle ein kommunales Denkmal für die Kriegstoten zu errichten, auch 1933/34 noch einem relativ weit verbreiteten Bedürfnis in der Bevölkerung entgegen. Auf der Sitzung der städtischen Kollegien am 30.10.1933 wurde beschlossen, dass die Stadt den Platz zur Errichtung des Denkmals zur Verfügung stellt. Kosten an dem Denkmal sollten ihr jedoch nicht entstehen.

In welchen Sinnzusammenhang die Erinnerung an die toten Soldaten des Weltkrieges für die kommenden Jahre gestellt werden sollte, machte bereits die erste Sitzung des Denkmalausschusses deutlich, der in seiner Zusammensetzung auf der Sitzung der städtischen Kollegien vom 30.10.1933 bestimmt worden war.3

Der Denkmalsausschuß tagte beziehungsreich am 9. November 1933 – eine Gedenkminute für die »Gefallenen der nationalen Revolution« bildete den Abschluß der Sitzung. Die »Gefallenen der nationalen Revolution« wurden in eine Reihe mit den Toten des Weltkrieges gestellt, letztere als »Vorläufer« bzw. »Vorkämpfer« der ersteren interpretiert. In der Sitzung des Denkmalausschusses wurde bereits der fertige Entwurf von Stadtbaumeister Hansen vorgelegt und gebilligt sowie alle weiteren wesentlichen Entscheidungen getroffen.4

Das entwurfsgetreu errichtete Denkmal bestand aus einer hohen, schlanken Stele und einem massiven Sockelunterbau, der durch Treppen zur Straße bzw. zum Platz hin und seitlich nach oben zum Wald hin in den Raum ausgriff bzw. den das Denkmal umgebenden Raum in dessen Wirkung miteinbezog. An der dem Bahnhofsvorplatz zugewandten Schmalseite der Stele waren zwei auffällige Bronzereliefs angebracht: Die Symbole Reichsadler und (aufgerichtetes) Schwert. Die Inschrift des Denkmals lautete: »In unwandelbarer Treue zum Vaterland und in der Hoffnung auf den Sieg ließen 312 Helden dieser Stadt ihr teures Leben auf dem Felde der Ehre«. Zur Zeit der Denkmalseinweihung und während der nationalsozialistischen Herrschaft war der Lorbeerkranz in den Klauen des Adlers mit einem Hakenkreuz ausgefüllt. Gegenwärtig steht das Denkmal mit der gleichen Inschrift am selben Ort, lediglich das Hakenkreuz wurde nach dem Krieg durch ein Eisernes Kreuz ersetzt.

Der Entstehungsprozeß des Denkmals wurde im Pinneberger Tageblatt mehrfach kommentiert. Von besonderer Bedeutung für die beabsichtigte Funktion des Denkmals schien dem Berichterstatter die zentrale Lage an der Bahn: »Die Denkmalsanlage wird eine Hauptzierde unserer Stadt bilden und jedem mit der Bahn ankommenden Fremden Zeugnis ablegen von dem großen Opfersinn unserer Einwohnerschaft für die gefallenen Helden des Weltkrieges«.

Der Einweihung des Denkmals am 1. Juli 1934 ging ein Gottesdienst unmittelbar voraus, bei dem Pastor Fölster die Festpredigt hielt. Für die Weiherede reiste Ober-Konsistorialrat Peperkorn aus Kiel an.5

Autorin: Claudia Eisert-Hilbert

Fußnoten

  1. Bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus der Examensarbeit von Claudia Eisert-Hilbert ‘Denkmäler für Soldaten und andere Kriegsopfer seit dem Ersten Weltkrieg im Kreis Pinneberg. Ein Beitrag zur regionalen Geschichte politischer Kultur’ (1987).
  2. Es gab in Pinneberg bis dahin in der evangelisch-lutherischen Kirche Namenstafeln zum Gedächtnis an die Toten des Weltkrieges, außerdem einen »Ehrenfriedhof« für Soldaten auf dem kirchlichen Friedhof. Ein zentrales kommunales Denkmal für die Toten des Weltkrieges gab es in Pinneberg nicht (lediglich für das Gebiet Thesdorf, das 1927 eingemeindet wurde und seit Juli 1921 ein eigenes Denkmal besaß). Ein weiterer Grund könnte die Bedeutung Pinnebergs als Kreishauptstadt und als Garnisonsstadt gewesen sein.
  3. Die Zusammenstellung des Ausschusses war folgende: Bürgermeister Backhaus als Vorsitzender, für die NSDAP Rechtsanwalt von Baselli, für die SS Bernhard Mohr, für den Stahlhelm Baurat Cold, für den Kriegerverein Baumschulenbesitzer Stock, für die SA Standartenführer Lüdemann und Adjudant Reymen, für die NSKV Architekt Claus Groth und Stadtbaumeister Hansen.
  4. Die entstehenden Materialkosten (angenommen wurden 10.000 RM) sollten durch Spenden gedeckt werden, die öffentliche Sammlung übernahm die Ortsgruppe der NSDAP. Die erforderlichen Arbeitskräfte stellte die SA.
  5. Nach Auskunft von Dethleffsen (Sammlung Dethleffsen) war Peperkorn 1934 »Parteigenosse «. Bürgermeister Backhaus war ebenfalls »Parteigenosse«. Der Wortlaut der Reden liegt leider nicht vor. außerdem sprach Bürgermeister Backhaus, der das Ehrenmal in die Obhut der Stadt übernahm.

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