Max Wriedt – ermordet von der SS – ein Elmshorner Arbeiter im Widerstand

21. Januar 1935
Timm-Kröger-Straße 9, Elmshorn
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Der Zimmergeselle Max Wriedt, geboren am 3. April 1886, wohnte hier in der Timm-Kröger-straße 9. Er war vor 1933 Leiter des Elmshorner “Roten Frontkämpferbundes”. Schon im März 1933, kurz nachdem Reichstagsbrand wurde er verhaftet und kam in das Konzentrationslager Glückstadt. Da die Geheime Staatspolizei ihm keine illegale Tätigkeit für die KPD nachweisen konnte, musste er aber wieder nach kurzer Zeit freigelassen werden. Im März 1934 wurde er wiederum verhaftet, denn Max Wriedt galt einem Schreiben der Hamburger Gestapo zu Folge als überführt, dem Elmshorner SS-Führer Grezesch “im Jahre 1932 wiederholt mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen und schwer verletzt zu haben”.  Nach seiner dritten Verhaftung im Dezember 1934 wurde Max Wriedt ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel überführt und hier von SS-Wachmannschaften so schwer gefoltert, dass er am 21. Januar 1935 an den Folgen der Misshandlungen starb. Er war damit der zweite Elmshorner, der nach dem Reichstagsabgeordneten der KPD, Reinhold Jürgensen, in Fuhlsbüttel ermordet wurde. Für Max Wriedt wurde am 3. März 2012 ein Stolperstein gegen das Vergessen gelegt. Die Patenschaft für diesen Stein übernimmt die Gewerkschaft ver.di, Fachbereich Postdienste Speditionen und Logistik.

Stolperstein gegen das Vergessen: Timm-Kröger-Straße 9: Max Wriedt

Ermordet von den Nazis 1935 – ein Elmshorner Arbeiter im politischen Widerstand

Der Zimmergeselle Max Wriedt, geboren am 3. April 1886, wohnte hier in der Timm-Kröger-Straße 9. Er war vor 1933 Führer des Elmshorner „Roten Frontkämpferbundes“. Schon im März 1933, kurz nach dem Reichstagsbrand wurde er verhaftet und kam in das Konzentrationslager Glückstadt. Da die Geheime Staatspolizei ihm keine illegale Tätigkeit für die KPD nachweisen konnte, musste er aber wieder nach kurzer Zeit freigelassen werden.

Sie verfolgte ihn trotzdem weiter, denn Max Wriedt galt einem Schreiben der Hamburger Gestapo zufolge als überführt, dem Elmshorner SS-Führer Grezesch, „der heute bei der Leibstandarte des Führers in Berlin aufhältlich ist“, „im Jahre 1932 wiederholt mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen und schwer verletzt zu haben.“

Der Blutsonntag von Altona und die Schlacht in der Ollnsstraße

Was geschah damals? Zur nazistischen Methode, Macht zu demonstrieren, Gegner einzuschüchtern und die eigene Gefolgschaft verschwörerisch und verbrecherisch zusammenzuschließen, gehörten provokatorische Märsche in die Wohngegenden der Arbeiter, die traditionelle Hochburgen der Kommunistischen Partei und der Sozialdemokratischen Partei waren. So drangen am 17. Juli 1932 unter dem Schutz schwerbewaffneter Polizeieinheiten Nazis zu tausenden in Altonaer Arbeiterviertel ein. Bei dieser Provokation, gegen die sich die Einwohner zur Wehr setzten, töteten SA und Polizei über ein Dutzend Antifaschisten und verletzten 70 schwer. Aus Elmshorn beteiligten sich damals sämtliche SA- und SS-Formationen. Es sollen aus dieser Stadt 500 Nazischläger gewesen sein.

Als dann am 24. Juli 1932, nur eine Woche später, ein Trupp Elmshorner Nazis durch die Ollnsstraße marschierte, Flugblätter verteilte und provozierende Lieder sang, war hier die Empörung der Anwohner groß, denn am 10. Juli waren zwei Gewerkschafter bei einem Überfall von Faschisten auf das Eckernförder Gewerkschaftshaus erstochen worden und am 17. Juli hatte, wie geschildert, der „Altonaer Blutsonntag“ sogar achtzehn Tote gefordert. Auf der Kreuzung Ollnsstraße/Im Gehölz kam es nun zur Auseinandersetzung zwischen aufgebrachten Anwohnern und den örtlichen Nazis, bei der Max Wriedt angeblich Wilhelm Grezesch attackierte.

Angriffe auf die Arbeiterbewegung – Naziterror in Elmshorn

Nur eine Woche später, in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August des Jahres 1932, detonierten vor der Gaststätte Schütterow in der Reichenstraße Handgranaten, von Nazis aus Autos und Motorrädern geworfen. Und es wurde auf die vor der Gaststätte stehenden Menschen geschossen. Die Gaststätte war ein beliebtes Arbeiterlokal, in dem auch das Büro der Kommunistischen Partei untergebracht war. Ähnliche Anschläge folgten in dieser Nacht auch in Barmstedt, Uetersen und Pinneberg. Im November 1932 wurden ca. 40 Nazis aus Elmshorn und Umgebung, Altona und mehreren anderen Orten Schleswig-Holsteins vor dem Altonaer Sondergericht wegen dieser Attentate angeklagt. Zu den Angeklagten, die der SA oder der SS angehörten, gehörte auch der angeblich von Max Wriedt eine Woche vorher so schwer verletzte Führer der Elmshorner SS, Wilhelm Grezesch.  Wenige Tage vor Urteilsverkündung wurde Grezesch, der zu sechs Jahren Zuchthaus als einer der Hauptangeklagten verurteilt werden sollte, im Nachrückverfahren NSDAP-Reichstagsabgeord-neter, stand damit unter der Immunität. Schon vierzehn Tage später meldeten die Elmshorner Nachrichten die Haftentlassung von Grezesch. ite)

Ermordet im „KoLaFu“

Max Wriedt hingegen wurde im März 1934 wiederum verhaftet und stand wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor Gericht. Bei einer Hausdurchsuchung wurde von der Polizei eine, angeblich in einem Holzklotz versteckte, Pistole und Munition gefunden.

Nach seiner dritten Verhaftung im Dezember 1934 wurde Max Wriedt ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel überführt. Über 200 Häftlinge kamen hier ums Leben. Sie starben an den Folterungen durch die Gestapo, Misshandlungen durch die SA und SS, wurden erschlagen, erdrosselt oder in den Tod getrieben. Dies geschah in der als „Folterkeller“ mißbrauchten Gefängniskirche. Um die Schreie der Gefolterten zu übertönen, spielte ein SS-Mann während der Verhöre auf der Orgel. Über seine Vernehmung in der Gefängniskirche berichtete der Maurer Carl Mumm aus Elmshorn: „In der Kirche wurde ich an die Heizungsrohre gekettet und von der SS verprügelt. Zusätzlich verbrannte ich meine Arme an den heißen Heizungsrohren“. (Dampfheizung). Fuhlsbüttel wurde insbesondere wegen dieser Verbrechen bereits 1933 für Tausende von Menschen zu einem Inbegriff für Grauen, Leiden und Sterben.

Auch Max Wriedt wurde hier von SS-Wachmannschaften so schwer gefoltert, dass er am 21. Januar 1935 an den Folgen der Misshandlungen starb. Er war damit der zweite Elmshorner, der nach dem Reichstags-abgeordneten der KPD, Reinhold Jürgensen, in Fuhlsbüttel ermordet wurde.

An elf Elmshorner, darunter Max Wriedt, erinnert der Gedenkstein von 1946/1947 vor dem Rathaus: „Als Opfer ihrer Überzeugungstreue für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit starben in Nazikerkerkern, Konzentrationslagern und im Freiheitskampf …“

An Max Wriedt wird ab dem 3. März 2012 mit folgender Inschrift ein Stolperstein gegen das Vergessen in der Timm-Kröger-Straße 9 erinnern:

 

HIER WOHNTE

MAX WRIEDT

JG. 1886

IM WIDERSTAND

MEHRMALS VERHAFTET

ZULETZT 1934

KZ FUHLSBÜTTEL

ERMORDET 21.1.1935

 

Die Patenschaft für diesen Stein übernimmt die Gewerkschaft ver.di, Fachbereich Postdienste Speditionen und Logistik

Rudi Arendt, 31.1.2012

 

Literatur:

Herbert Diercks/Fritz Bringmann „Die Freiheit lebt!“, Hrsg. VVN/BdA, Röderberg-Verlag, 1983

Alfred Rasmussen „Elmshorner Arbeiterinnen und Arbeiter im politischen Widerstand 1914-1934“

Hrsg. Michael Plata, Horst 2011

 

Ein Hinweis zu “Max Wriedt – ermordet von der SS – ein Elmshorner Arbeiter im Widerstand”

  1. anton11 sagt:

    Hallo, mit meiner Klasse wollen wir die Menschen hinter den Stolpersteinen ehren und Gedenkreden halten. Dabei habe ich Max Wriedt, gibt es zu diesem Herren noch mehr Informationen? Hatte er vielleicht Familie?
    Ich würde mich sehr über eure Hilfe freuen!
    Grüße

    1. Rudi Arendt sagt:

      Vielen Dank für das Interesse. Weitergehende Informationen befinden sich in der angegebenen Literatur. Leider sind beide Bücher vergriffen. Sie erhalten Sie aber in der Bücherei in Elmshorn. In der Timm-Kröger Straße 9, wo der Stolperstein liegt, wohnen noch Nachfahren von Max Wriedt.

      Grüße Rudi Arendt

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